25.08.2006

Warum kein Geld zu haben seinen Preis hat

Text von Lena Tichy
«Douches Froides«, der neue Film des Franzosen Antony Cordier zeigt, wie Menschen aus verschiedenen Schichten miteinander umgehen. Und er thematisiert die selbstzerstörerische Seite der Armut.
Hier ereignet sich eine folgenreiche Ménage à  trois, wie es so schön auf Französisch heisst. Mickael teilt sich die schöne Vanessa mit seinem Freund Clément. Freiwillig oder unfreiwillig? Wie viel ist Mickael bereit aufzugeben, um so gut wie Clément zu sein?

Im harten Zweikampf, so sagt man, tragen einige Männer ihre Streitereien aus. Es ist ein simples Kräftemessen und doch entscheidet es am Ende über alles: Wer gewinnt, wer ein Held ist und vor allem wer das hübsche Mädchen bekommt. Der französische Regisseur Antony Cordier befasst sich in seinem neusten Film «Douches Froides« mit einem Thema, bei dem es von Klischees nur so wimmelt: Dem Gegensatz zwischen Arm und Reich. Cordier hängt seine Geschichte an drei Jugendlichen auf. Da ist zuerst einmal der 17-jährige Mickael (Johan Libéreau), Kapitän eines Judo-Teams, der nebenher sein Abitur macht. Er ist zusammen mit Vanessa (Salomé Stévenin), die in dieselbe Klasse geht wie er. Eine wunderschöne und stolze junge Frau, mit einem Lächeln, bei dem sofort klar ist, dass sie nichts anbrennen lässt. Zwei junge Menschen aus eher ärmlichen Verhältnissen. Den Gegensatz dazu bildet Clément (Pierre Perrier), das neue Mitglied in Mickaels Judo-Team. Sein reicher Vater ist der Hauptsponsor des Teams und fordert Mickael dazu auf, seinem Sohn beim Trainieren zu helfen. Die beiden ungleichen Jungen freunden sich an und man wartet nur darauf zu erfahren, wer der Stärkere ist.

Kein Strom im Badezimmer

Bis auf wenige Ausnahmen umgeht Regisseur Cordier die üblichen Szenen, die jetzt folgen könnten. Natürlich beobachtet die Kamera Mickael sehr genau, als er zum ersten Mal Cléments Haus betritt, sie registriert die Scheu und seinen offenen Mund, angesichts all des Reichtums. Was Cordier aber viel mehr interessiert, ist Mickaels eigene Familie, die sich inzwischen so an die Geldknappheit gewöhnt hat, dass sie förmlich danach lechzt, sich durch neue Einsparungen zu erniedrigen. Da wird schon mal für eine Woche der Strom im Badezimmer ausgeschaltet und die Mutter hält fröhlich ihren Kopf in den offenen Backofen, damit ihre Haare schneller trocknen. Es ist die erste von vielen kalten Duschen, die Mickael über sich ergehen lassen muss.

Antony Cordier beschreibt in seinem Film Menschen, die freiwillig bereit sind, grosse Opfer auf sich zu nehmen, einfach, weil sie aus der Arbeiterschicht stammen. So erklärt sich Mickael sogar bereit, seine Freundin mit Clément zu teilen, ohne zu merken, was er sich damit antut. «Douches Froides« ist kein Jugendfilm, obwohl er von Jugendlichen handelt. Eher hinterfragt der Regisseur unsere Auffassung von Armut sowie den Umgang damit. Die Schauspieler überzeugen allesamt, jedoch überrascht die Geschichte kaum mit unerwarteten Wendungen. Das ist schade, bei so viel Potential.

Der Film startet am Freitag 1. September und läuft bis zum 13. September täglich um neun  Uhr Abends im stattkino Luzern. Verleih: Frenetic Films.

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