Kultur | 13.08.2006

Sauber blieb sowieso niemand

Im österreichischen Lustenau fand das 17. Szene Openair statt. Mit von der Partie waren Bands wie Juli, Bloodhound Gang, In Extremo, so wie Exilia und Kosheen, die wegen schlechten Wetters zum Teil nur wenige Zuschauer anlocken konnten. Dafür gabs Schlamm in rauen Mengen.
Vollgas: "Exilia" rockten am 17. Szene Openair in Lustenau. Schlamm macht glücklich: Dieser junge Mann jedenfalls hat sich ausgetobt. "In Extremo" kamen mit mittelalterlichen Instrumenten daher... ...und lieferten eine begeisternde Show. "The Capones" vetrieben am Sonntag den Regen. Doch noch ein bisschen Sonne: "Dog eat Dog" machten den Schluss. Ganz allgemein wurden Gummstiefel in Lustenau zum Trendaccesoir.

Das Szene Openair gilt in Vorarlberg und in der Schweizer Grenzregion als Geheimtipp. Dieses Jahr fand es neu direkt am Alten Rhein in Lustenau statt. Ein perfektes Gebiet für ein kleineres, familiäres Openair, wäre da nicht das Pech mit dem Regen. Durch die kräftigen Niederschläge bereits vor dem Anlass war der Boden schon zu Beginn sichtlich aufgeweicht und lud zu grossen Schlammschlachten ein.  

Sonne gesucht

Am Freitag wurde das Openair mit regionalen Bands eröffnet. Später folgte die deutsche Band “Juli”. Der Höhepunkt des Abends wurde dann mit der “Bloodhound Gang” gefeiert, von deren Auftritt unter den Festivalbesuchern auch nach zwei Tagen noch grosslaut gesprochen wurde. Nach dem grossen Regen am Freitag erhoffte man sich für den Samstag etwas mehr Sonne. Doch wer morgens im Zelt erwachte und einen Blick aufs Gelände warf, war enttäuscht: Es regnete wie aus Eimern. Der Festivalplatz war inzwischen zu einem riesigen Schlammbad geworden. Manch einer nutzte diese Gelegenheit, um sich mal richtig auszutoben, denn sauber blieb sowieso keiner.

Am späteren Nachmittag gab es dann die ersten Aufhellungen, zeitgleich mit der Band “Culcha Candela”, die mit sommerlichen Reggaeklängen dem Publikum einheizte. Die Stimmung wurde von Lied zu Lied besser und auch der Sonne schien es zu gefallen, blieb sie doch für einige wenige Stunden vor den Wolken.  

Beeindruckende Show von “In Extremo” 

Für die meist jungen Festivalbesucher war die Band “In Extremo” einer der ganz grossen Höhepunkte. Die Rocker aus Deutschland genossen vor allem die familiäre Atmosphäre am Szene Openair: “Wir haben auf solch kleinen Festivals angefangen Musik zu machen”, sagte Dr. Pymonte, Mitglied der Band.

Sehr beeindruckend und heiss war auch die Bühnenshow der sieben in mittelalterlichen Gewändern gekleideten Musiker. Mit viel Feuer, einem Schiff als Bühnenbild und mittelalterlichen Instrumenten kam eine spezielle Stimmung zu Stande.

Während “In Extremo” auf der Bühne ihr Bestes gaben, tobten vor der Bühne die Leute im Schlamm. Wer keine Lust auf Dreck hatte, war fehl am Platz. Denn ob man sich nun bei der Schlacht beteiligte oder nicht, den Schlamm bekam jeder ab. «Hauptsache rocken« hiess darum die Devise.  

Kampf gegen den Regen gewonnen 

Die Hoffnung auf noch mehr Wetterglück am Sonntag blieb vorerst in der Luft hängen, denn wieder regnete es in Strömen. Viele der Festivalbesucher hatten ihre Zelte inzwischen abgebaut und reisten vorzeitig mit viel verschmutztem Gepäck ab. So war es nicht überraschend, dass sich vor der Bühne nur wenige Leute einfanden, als die aus Deutschland stammenden Musiker der Band “The Capones” ihren Auftritt starteten. Dank der sommerlichen Stimmung, welche die Band mit auf die Bühne brachte, verzogen sich langsam die schlimmsten Regenwolken. Die nachfolgende italienische Band “Exilia” konnte gar bei trockener Witterung spielen. Diesmal lockte es mehr Musikliebhaber vor die Bühne, die sich darauf freuten trotz Schlamm abzurocken.

Auch als «Dog eat Dog« die Bühne stürmten, blieb das Wetter warm und sonnig. Mit ihrem Konzert ging das dreitägige vor allem vom schlechten Wetter bestimmte 17. Szene Openair am Sonntagabend zu Ende. Die Festivalbesucher waren grössenteils zufrieden. Ein junger Mann trug ein T-Shirt mit der Aufschrift “Glücklich” und meinte dazu, dass der Regen für ihn nebensächlich war, solange er richtig abrocken konnte. An guter Musik fehlte es nicht und die sonst so nebensächlichen Gummistiefel wurden zum Trendaccessoir.

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