Kultur | 21.08.2006

Probleme mit geschäftlicher Seite der Musik

Text von Martin Sigrist
The Kooks feierten bereits mit ihrem Erstlingsalbum "Inside In - Inside Out" riesige Erfolge mit zahlreichen Auftritten auf grossen Festivals. Ihr Auftritt auf dem Melt war von gewohnt hoher Qualität und begeisterte nicht nur die zahlreich angereisten britischen Fans. Tink.ch traf Hugh Harris von The Kooks am 14. Juli nach ihrem Auftritt.

Tink.ch: Wie gefällt es dir hier?

Hugh Harris: Oh, es ist unglaublich. Es ist wunderschön hier. Ich wachte im Bus auf, schaute aus dem Fester und sah etwas wie ein Videospiel. Wenn ich hier draussen herumlaufe, sieht es aus, als ob ich Halo spielen würde. Und ein guter Vibe, die Leute sind hier sehr freundlich.

Wie war das Konzert?

Es war toll, am Anfang waren zwar nicht so viele Leute da, doch die hatten Spass, das war sehr schön. Und so gegen Mitte des Konzerts kamen auch mehr Leute. Es war ein wirklich gutes Konzert Und die Zuschauer waren toll. Es waren wohl auch einige Engländer hier.

Magst du lieber grössere oder kleinere Festivals?

Kleinere, auf jeden Fall. Ich hasse es doch selbst auch, wenn ich auf ein Konzert gehe und dann die Band nicht sehen kann und sie nicht anständig höre. Ich möchte auch das Weiss in den Augen der Menschen sehen. Als Band achten wir sehr auf die Reaktion des Publikums. Wir mögen es, wenn die Masse abgeht und es gibt keine besseren Konzerte, als wenn man die Leute wirklich sieht. Ich hasse auch Absperrungen. Und ich mag einfach Reaktionen des Publikums.

Ihr seid eine dieser britischen Hypebands.

Oh, das wusste ich gar nicht. Ach, Hype ist ein Wort das ich nicht wirklich verstehe. So wie es die Leute verwenden, ist das schon komisch. Ja, natürlich, eine Menge Leute sprechen über uns in England und ja, es läuft ganz gut. Aber um ehrlich zu sein, als wir angefangen haben, hätten wir nie mit einem solchen Erfolg gerechnet. Natürlich wollten wir Fans und all das, aber eine feste Fanbasis, loyale Fans. Wir wollen touren, so wie Bands früher, nicht die kommerziellen Bands. Die Leute machen es nun umgekehrt. Was eigentlich falsch ist. Sie buchen uns zuerst, geben viel Geld für Werbung aus und dann lesen die Menschen von uns und denken: “Na ja, die nächsten Grossen sind da, also wollen wir die sehen.” Aber ich mag das nicht, das sind dann Wegwerffans (disposable fans). Wenn die so schnell darin sind uns zu finden und zu mögen, weil es ihnen jemand sagt, dann werden sie uns auch genau so schnell wieder fallen lassen.

Also hast du Angst vor der Zukunft, vor den Reaktionen zum nächsten Album?

Nein, keine Angst, eigentlich bin ich sehr zuversichtlich. Ich bin richtig aufgeregt. Ich denke, dass die nächste Platte einiges besser wird als die erste. Die war zwar gut, aber wir waren damals als Band sehr jung und haben uns nun entwickelt. Wir jamen viel öfter gemeinsam, wir sind enger zusammengewachsen, die Stücke sind reifer, sehr anders. Ich freue mich darauf. Ich möchte schnell ins Studio, aber zuerst müssen wir die neuen Stücke live spielen, erst dann ist die Zeit reif, sie im Studio aufzunehmen.

Was können wir in Zukunft von euch erwarten?

Das ist eine schwierige Frage. Wir werden weiterhin tun, was wir schon immer gemacht haben, Musik. Das ist wohl unser Schicksal.

Was meinst du mit Musik, etwas genauer?

Hm, ich mag es nicht, unsere Musik zu kategorisieren. Es ist schwierig über die eigene Musik zu sprechen. Aber okay, wir haben eine ganze Menge verschiedener Stile eingebaut. Wir alle hören sehr verschiedene Musikstile und das sollte ja dann eigentlich nicht funktionieren. Aber wir haben etwas gemeinsam, wir alle schreiben Musik, wir sind sehr produktiv und wir setzen uns keine Grenzen. Wir haben eine Demokratie in der Band. Es gibt keinen Diktator. So wollen wir es.

Es herrscht vollkommene Demokratie bei euch?

Ja. Natürlich streiten wir ab und zu. Und vielleicht ist das nicht die beste Art eine Band zu führen, doch es ist sicher die fairste und allen ist so am wohlsten. Und ich glaube, wenn wir zusammen Musik machen, dann müssen alle das Gefühl haben, ein Teil davon zu sein. Nur so kannst du dich richtig ausdrücken und entfalten. Und damit auch gut fühlen, mit was du tust. Glücklich und frei. Ich war schon in anderen Bands und manchmal gibt es Leute darin, die haben ein solches Ego und sagen dir immer was du tun sollst. Daran glauben wir nicht.

Freiheit ist also sehr wichtig für euch?

Ja, es ist doch furchtbar, wenn jemand bei dir wie von einer Kanzel spricht. Es ist ein grauenhaftes Konzept der Existenz der Menschen. Aber es funktioniert. Wie kannst du das Gefühl haben, zu tun was du willst, wenn dir dann doch immer jemand reinredet. Vielleicht brauchen das Leute in ihrem Job oder im Büro. Aber wenn man jemandem immer sagen muss, wie er seinen Job zu machen hat, dann ist er wohl einfach im falschen Ort. Wenn jemand Leidenschaft empfindet für seine Arbeit, wird er viel besser arbeiten. Auch wenn er vielleicht eigentlich nicht so gut darin ist.  Wenn du etwas gerne tust, bist du vielleicht die beste Person für die Arbeit. Es ist doch furchtbar, wie die Menschen manchmal funktionieren. Es ist nicht schön, aber es scheint so zu funktionieren, ist wohl der Kapitalismus.

Aber davon lebt ihr als Band auch.

Ja, richtig, das ist, womit wir als Band noch so unsere Probleme haben. Uns mit der geschäftlichen Seite der Musik abzufinden. Das ist schon ziemlich widerlich. Es müssen halt Kompromisse geschlossen werden um in eine Position zu kommen, wo wir tun können, was wir wollen. Du musst in Interviews über dich sprechen und du musst Sachen tun, die du nicht magst. Wie zum Beispiel Autogrammstunden. Das hat doch mit Musik überhaupt nichts zu tun. Das ist doch Scheisse, aber wir sind gewillt es zu tun, denn wir müssen halt hart arbeiten. Aber nie soll man Politik und Musik vermischen.

Gibt es eine Frage, die du dir schon lange wünschst, die dir aber noch nicht gestellt wurde?

Wir wurden schon so vieles gefragt, mit der ganzen Promoarbeit, aber vielleicht (denkt nach): “Möchtest du ein Bier?”

Möchtest du ein Bier?

Ja, bitte.

Okay, ich sehe zu, was sich machen lässt. Welche Fragen kannst du nicht mehr hören?

Die Fragen über dieses Hypeding. Und wenn uns Leute über uns selbst fragen. Wie wir zusammen kamen und solche Dinge. Die könnten doch ins Internet gehen und dort unsere Bio lesen. Ich mag diese Fragen nicht, immer das gleiche erzählen, einfach immer mal wieder auf eine andere Art. Aber das gehört halt dazu.

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