Kultur | 14.08.2006

Nasskaltes Wetter und eine legendäre Band

Das regnerische Wetter, das verdächtig an den kommenden Herbst erinnert, machte Besuchern und Veranstaltern des Openairs Ebikon einen Strich durch die Rechnung. Das Programm aber war gehaltvoll. Es setzte sich aus einigen bekannten und unbekannteren Schweizer Bands, sowie dem grossen Headliner Deep Purple zusammen.
Baschi auf der Bühne, und davor regnet es. Adrian Stern: "Alles chont guet." Deep Purple gaben in Ebikon ihr einziges Openair-Konzert in der Schweiz.

Die Temperaturen in Ebikon bewegten sich zwischen zehn und zwölf Grad Celsius. Bünderflaisch hatte als erste Band die schwierige Aufgabe das Publikum aus der Reserve zu locken und unter den Dachvorsprüngen und Zelten hervor, wo es vor dem Regen Schutz gesucht hatte. Mit fetzigem Rap gelang ihnen dies auch gar nicht schlecht.

Der Platz des Schulhauses Ebikon füllte sich schon mehr, als Baschi auftrat. Nicht wenige der Zuschauer, vor allem die weiblichen jüngeren natürlich, hatten den Weg nach Ebikon extra wegen ihm auf sich genommen.

Von Indianerstämmen und Woodstock

Dada Ante Portas spielten einige Auszüge aus ihrem neuen Album, zum Beispiel «Save my name«, die erste Singleauskoppelung. Am Anfang dieses Liedes versuchte der Frontmann den Regen zu vertreiben: “Ein bestimmter Indianerstamm tanzt einen Sonnentanz, bei dem sie mit den Hüften kreisen.” Dies gäbe vielleicht nicht Sonne am Himmel, dafür aber Sonne hier auf dem Platz, meinte er dann noch. 

Zwanzig Minuten vor Schluss verschwand die Band bereits von der Bühne. Mit spärlichem Rufen, Klatschen und Pfeifen wurden sie wieder auf die Bühne zurückgeholt, wo die Fans sie mit Jubel begrüssten. Kurze Zeit später verabschiedeten sich Dada Ante Portas unter Applaus endgültig.

Nach langem Soundcheck und einer Viertelstunde Verspätung hiess es dann: «Salü Äbike!«, von Patent Ochsner. Sänger Büne Huber zog einen Vergleich mit Woodstock: “Als es dort regnete, riefen alle Menschen «no rain, no rain””. Obs funktioniert hat? Büne sagte: «Die meisten hatten wohl so viel Trip in der Birne, dass sie dachten, der Regen hätte aufgehört… Okay, da waren auch mehr Leute.«

Adrian Stern macht die Leute warm

Das Programm am Samstag, zu Beginn sogar trocken, begann bereits um drei Uhr nachmittags mit Holepunch, die «Band on the Run-Sieger«. Es folgten Gustav, Ivo und dann, endlich, die Vorgruppe der legendären Deep Purple: Adrian Stern. Ganz richtig erkannte Adi, dass ein Grossteil des Publikums – er rechnete mit zwei Dritteln – wegen Deep Purple gekommen war. «Diejenigen, die es schon kennen, halten die Hände hoch, den anderen bringen wir es noch bei. Die, die ein Bier in der Hand halten, müssen das eben ein bisschen anders machen. Lasst das Bier halt spritzen.« Adi sang, er habe nur mal wissen wollen, ob das Ebiker Publikum musikalisch sei. Da kam ein Schrei zurück: «Du bisch überhaupt nid musikalisch, du blödi Sau. Gang doch hei, du blödi Chue.« Diese Stimme kam eindeutig von einem eingefleischten Deep Purple-Fan und löste einen Auflauf von mindestens drei Securitas auf. Der Mann konnte jedoch von einer blonden Frau beruhigt werden, sodass er nicht rausgeschmissen wurde.

Nun denn, zum Schluss wurden die Sterne international und sangen «ha nor wälle wösse« in Hochdeutsch und Englisch, und der eine Gitarrist gab den einen Satz sogar noch auf Franzöisch zum Besten.

Deep Purple – und das Pubikum geht mit

Ohne Ansage, ohne irgendeine Vorwarnung dröhnte plötzlich der altbekannte Sound von Deep Purple aus den Boxen. Die Band gab ihr Bestes. Doch mit der grossen Bühnenshow klappte es nicht so ganz wie einst: Nach einigen kurzen Hüpfern musste der Frontmann auf seine Arthrose achten und stellte das Gehopse deshalb wieder ein. Dennoch ging das Publikum voll mit und man merkte, dass wirklich viele Leute echte Deep Purple-Fans waren und nur deshalb ans Openair Ebikon gekommen waren. Regen und Kälte hatten sie dafür schon reichlich aushalten müssen. Und es kam noch ärger, denn genau als Deep Purple zu spielen begannen, setzte wieder heftiger Niederschlag ein.

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