Kultur | 26.08.2006

“Mit “Vagabondo” haben wir etwas riskiert”

Text von Janosch Szabo
Der Hit "Vagabondo" ist weitherum bekannt. Aber wer steckt dahinter? Fusion Square Garden, eine Berner Mundart-Reggaeband, die in Sachen Sprache und Einfluss anderer Stile die Grenzen weit offen lässt. Tink.ch traf die beiden Sänger Mauro und Adri am Openair Gampel zum Interview.
Mauro und Adri: Die beiden Sänger von Fusion Square Garden. Fotos: Sandro La Marca

Tink.ch: Wie gefällt es euch hier in Gampel?

Mauro: Man sieht es schon dem Wetter an. Wunderbar. Die Leute sind recht abgegangen heute Morgen. Es war ein Erlebnis hier auftreten zu dürfen, etwas Spezielles.    

Wie sieht euer Musikeralltag aus?

Mauro: Das hängt ganz davon ab, was wir gerade machen. Es gibt Zeiten da sind wir ziemlich dran, geben Interviews, haben Termine und spielen live Konzerte. Wenn wir auf Tour sind, wird immer geübt. Aber es gibt auch ruhigere Momente, wenn es ums Songwriting geht, wenn ich zu Hause texte.  

Adri: Fast jeder von uns hat noch einen Job und einige haben eine Familie.

Was macht ihr lieber: Im Studio eine CD aufnehmen oder live auf der Bühne ein Konzert geben?

Mauro: Klar, das Feedback vom Publikum ist schon sehr schön, aber ich mache Musik am liebsten alleine zu Hause. Da kann ich meine eigene Welt schaffen, den Moment geniessen, und niemand schaut mir zu. Da kann ich sogar im Winter einen Sommersong schreiben.

Adri: Für mich ist es interessanter auf der Bühne zu stehen. Da geschieht ein Austausch, da fliesst Energie. Man gibt etwas und bekommt etwas zurück.

Ihr singt «Jedä wot hüt ä Superstar si, doch mit äm Üäbä si fasch aui hingädri.« Wie sieht das bei euch aus?

Mauro: Ich kann nicht verneinen, dass wir nicht gerne Superstars wären. Aber ich finde es schade, dass der Aufstieg dazu oft nicht natürlich verläuft. Ich bin kein Fan von Reality-Aufbausendungen. Die Spannung bleibt doch grösser, wenn man ans Konzert gehen muss, um den Musiker oder die Band wirklich kennen zu lernen. Ich bin jedenfalls überzeugt, dass das, was “verhäbt”, mit Aufwand und Schweiss verbunden ist.  

Der Reggae zieht sich als roter Faden durch eure Musik. Wie seid ihr darauf gestossen?

Mauro: Es war, als das Album «Legend« von Bob Marley herauskam. Diese Platte hat mich gepackt und mir den Reggae näher gebracht. Jetzt ist er zwar nicht mehr so dominierend in unserer Musik, aber man spürt ihn noch immer. Ich habe gerne Grooves, die blackmusic-mässig einfahren. 

Ihr seid also auch offen für andere Stile?

Adri: Ja, man hört das auch auf unserer aktuellen Platte «Dä Wo’s Het«. Da geht der Reggea in den Hiphop und in den Rock über.  

Eine Band, die Songs in drei Sprachen auf die Bühne bringt, ist selten. Warum ist das bei euch so?

Adri: Wir sind bilingue und trilingue. Bärndütsch liegt uns am meisten, weil wir das täglich brauchen. Aber in unseren Familien wird Italienisch und Französisch gesprochen. Also sind wir mit diesen Sprachen auch verbunden.  

«Vagabondo« ist euer Hit. Wann wird ein Song ein Hit?

Adri: Wenn wir das wüssten, hätten wir einen nach dem anderen geschrieben.

Mauro: Viele Leute meinen, sie wüssten was einen Hit ausmacht und darum klingt, was am Radio läuft, fast alles gleich. Einen Hit, der über Jahre hinweg einfährt, kann man nicht vorprogrammieren.

Mit «Vagabondo« haben wir etwas riskiert, denn es ist ungewöhnlich, dass eine Mundartband einen italienischen Hit rausgibt. Tatsächlich haben uns Leute gefragt: «Ist das ein Cover einer italienischen Band?« Solche Bemerkungen machen uns stolz.

Info: Zurzeit sind Fusion Square Garden auf Tournee. Im Herbst spielen sie unter anderem in Basel, Aarau, Bern und Biel. Die genaue Daten finden sich auf der Website der Band. Dort gibt es auch Hörproben der 13 Songs vom dritten FSG-Album “Dä Wo’s Het”, das seit April 2006 in den Läden steht.

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