Kultur | 18.08.2006

Lange Arbeitstage, kleiner Lohn

Der Imbissstand an der Endstation in Bern-Weissenbühl wird von Mehmet Bölükbasi geführt. Trotz breitem Angebot und Tramhaltestelle ist der Verkäufer nicht ganz zufrieden.
Fotos: Thomas Hirsbrunner Tramhaltestelle mit Imbissstand Zwei Kunden im Gespräch Tischchen, Stühle und Bank Bölükbasi bereitet Kebab für Kundin zu

Kaum steigt man an der Endstation in Weissenbühl aus dem Tram Nummer drei aus, sticht einem der typische Geruch eines Kebabstandes in die Nase. Bald wird auch die Quelle des angenehmen Duftes sichtbar. Der Imbissstand «Endstation 3« befindet sich gleich in dem Flachdachhäuschen der Strassenbahnhaltestelle. Mehmet Bölükbasi, der Besitzer des Imbissstandes, ist gebürtiger Kurde und führt den Laden seit sieben Monaten. Der 49. Jährige arbeitet zum ersten Mal in diesem Beruf. «Vorher machte ich hier in der Schweiz eine Lehre als Offsetdrucker. Nach zwischenzeitlicher Arbeitslosigkeit war ich dann auch zehn Jahre in dieser Branche tätig«, erzählt Bölükbasi mit gut hörbarem Akzent.

Breites Angebot trotz wenig Platz

Neben den türkischen Spezialitäten Kebab, Dürüm, Falafel oder Börek, stehen auch Pizzas, Salate und verschiedene Snacks auf der Speisekarte. Natürlich sind auch Getränke, Zigaretten und Zeitungen im Angebot. Der Stand ist einfach eingerichtet: Ein Tisch mit drei Stühlen, ein Stehtisch und eine Holzbank für die wartenden Personen sind unter dem Vordach platziert. «Das Geschäft läuft nicht perfekt, bei schlechtem Wetter so wie heute sowieso nicht, da gehen die Leute kaum auf die Strasse,« sagt Bölükbasi. «Die Arbeitstage sind sehr lang und man verdient auch nicht sehr gut. Aber ich mag meinen Job, weil ich einfach gerne koche und die Mittage und Wochenende mag, an denen viel verkauft wird«, so der Kurde. Eine afrikanische Frau sitzt auf der Bank, neben ihr zwei volle Kehrichtsäcke. Sie spricht kein Wort.

«Die Kunden sind sehr freundlich«

Alle paar Minuten haltet ein Tram an der ruhig gelegenen Endstation. Weil der Halt in Weissenbühl etwas länger als normalerweise dauert, steigen die Buschauffeure kurz aus, um sich die Beine zu vertreten. Die Afrikanerin macht ihren Weg durch die Strassenbahn und leert alle Abfalleimer. Danach setzt sie sich wieder auf den Bank um auf das nächste  Tram zu warten «Leider sind wir hier in einem relativ kleinen Ort, die Strassenbahnen sind nicht so gut besetzt. Trotzdem gibt mir die Haltestelle ein paar Käufer.« erzählt der in Ostermundigen wohnende Bölükbasi. «Es sind immer alle Kunden sehr freundlich zu mir, das versuche ich zurückzugeben«. Es gibt allerdings auch viele Leute die nur kommen um Geld zu wechseln. Am Tag sind das bis zu zehn Personen, die sehr mühsam sind. Man hat einen Aufwand, verdient aber nichts.« Ein älterer Herr steigt aus dem Tram und kommt zum Kebabstand. Der Kurde nimmt das Päckchen Zigaretten schon aus dem Regal bevor der Mann darum bittet. «Er ist ein regelmässiger Kunde«, erklärt der aufgestellte Bölükbasi. Auf die Frage, ob er selber Kebab möge, meint Bölükbasi schmunzelnd: «Ja, ich esse gerne Kebab, doch mehr als einen am Tag kann ich nicht essen. Lieber mag ich Salat.«