Kultur | 12.08.2006

Jamie Lidell, Prekmurski Kavbojci und viele mehr “im Fluss”

Text von Anna Röthlisberger | Bilder von Hadley Hudson
Wer applaudiert wie verrückt? Wer tanzt draussen als hätten wir Sommer? Wer lässt sich gerne von einer heissen Matrosencrew bedienen? Alle, die jetzt schreien «na, ich!» sollen schleunigst ans «im Fluss-Festival» in Basel. Und diejenigen, welche denken, das wäre gar nichts für sie, sollen es trotzdem wagen.
Stimmung am Rhein: Die Uferplätze sind beliebt. Fotos: Lukas Gysin Die wasserfeste Bühne, wo die Bands auftreten. Das Festival "im Fluss" dauert noch bis am 23. August. Ein Star kommt nach Basel: Elektro-Funker Jamie Lidell.
Bild: Hadley Hudson

Auf dem Party-Floss auf dem Rhein wird in die Hände gespuckt und auf die Pauken gehauen. Mit einem vielfältigen Programm verzaubert das verspielte Openair “im Fluss” das sonst eher nüchterne Basel und versprüht mediterrane Lebenslust.  

«Kultur für alle» braucht Platz

Wie so manchem engagierten Menschen mit guten Ideen, wurden auch dem Veranstalter und Initiant Tino Krattiger Steine in den Weg gelegt. Die Anwohner beharrten auf ihr Ruhebedürfnis und waren unter keinen Umständen bereit, sich dies, zu Gunsten der Belebung des öffentlichen Raums, beeinträchtigen zu lassen. Nach jahrelangem Rechtsstreit ist es nun amtlich: Das Floss entspricht einem breiten Bedürfnis und einem wichtigen öffentlichen Interesse. Tun wir also wichtig und interessieren wir uns für das, was das Floss unseren Augen und Ohren zu bieten hat.

Ich will auch mal Star sein!

Du kannst nicht singen, du kannst nicht tanzen, hast aber jede Menge Freunde, die dir auch in der peinlichsten Situation noch auf die Schultern klopfen? Dann rauf auf die Bühne, Mikrophon in die Hand und brüllen bis sich die Achselhaare des Teufels kringeln. Natürlich dürfen auch alle Engelstimmchen, die für ihre Tontreffsicherheit bekannt sind, das Mikrofon an sich reissen. Geträllert werden alle Stücke bei denen das mitgeschleppte Mami denkt «Gotteseidank habe ich meine Oropax eingepackt…» Dresscode: «I sold my Soul for Rock n’ Roll-T-Shirt» oder irgendetwas mit Totenköpfli. Karaoke from Hell, Montag, 14. August 2006. Für alle, die sich noch nicht angemeldet haben, gibts ab 19.30 Uhr eine zweite Chance, sich vor Ort an der Bar einzuschreiben. Es werden dann noch einmal einige Plätze verlost.

Balkan Grooves

Vergesst Joggen, Walking und Rollerbladen. Am Dienstag verlegt der sportliche Musikliebhaber sein Ausdauertraining an den Rhein. Verausgaben tut  man sich zu den schweisstreibenden Beats von den Balkan-Cowboys namens «Prekmurski Kavbojci». So unaussprechlich der Name, so tanzbar der Sound. Volksmusik aus dem Balkan wird mit Funk gemixt und die hochkarätige Mischung anschliessend mit kräftigem Rock gekreuzt – ein extrem gesunder Muntermacher! Prekmurski Kavbojci, Dienstag, 15. August 2006.

Die Rampensau und der Funk

Auch die Elektroszene wird sich mindestens ein Konzert am Rhein nicht entgehen lassen. Warum? Jamie Lidell beehrt das Floss. Support von James Brown – das war ein Mal. Der quirrlige Londoner Dancefloorproduzent düst jetzt alleine über die Bühnen Europas. Die Gerüchte halten sich hartnäckig, deswegen hier zum letzten Mal: Er hat Steve Wonder nicht gefressen. Und er zwingt weder Prince noch Michael Jackson hinter der Bühne ins Mikrofon zu funken. Nein, der Mann klingt wirklich so. Verdammt gut.

Jamie Lidell, Donnerstag 17. August 2006.

Diese Bands und viele mehr findet ihr am Festival “im Fluss”, das unter dem Motto “World City Beats” vom 31. Juli bis am 18. August 2006 am Kleinbasler Rheinufer bei der Mittleren Rheinbrücke stattfindet. Beginn jeweils pünktlich um 20.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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