Kultur | 15.08.2006

Ex-Krimineller verliebt sich in Musik

Text von Lailo Sadeghi
Nachdem der Bieler R.D. Martin in den Knast kam und beinahe ausgewiesen wurde, entschloss er sich für eine grundlegende Veränderung. Von da an widmete er sein Leben und seine Leidenschaft der Musik. Für ihn die erste grosse Liebe.

Angefangen als Streetpromoter und Recording Ingeneer für Killah Priest, Coco Brovaz und Dead Prez, startet er jetzt sein eigenes Ding. Das Album «rdm in: Loyalty Guns’n’Roses« erscheint im Herbst. Die CD «Intro«, sozusagen ein Demo-Mix, ist bereits im Umlauf.

Auf der “Intro”-CD befinden sich 15 Titel. Manche kurz, manche lang, die einen gut, die anderen weniger. Schnell wird klar, R.D. Martinist einer der mehr nachdenkt, als der Durchschnittsbürger. Er ist kein Möchtegerngangster und muss niemandem etwas beweisen. Niemandem ausser sich selbst. Er macht sein Ding und das ist die Musik. Das ist sein Weg.

«Intro« ist das Werk eines Menschen der in der Gesellschaft zu kämpfen hat, wie alle Anderen, die aufstehen und sich von Hauptstrom und Massendenken absetzen. R.D. Martin kämpft für seine Freiheit und den Aufstieg aus dem bürgerlichen Alltag. Seine Gedanken kreisen um Themen wie Gentechprodukte, Ausbeutung von Mensch und Natur, Menschen die sich selbst kaputt machen und sich dabei cool finden, die schlafende Gesellschaft und um das Leben allgemein. Für Schweizer Hiphop eigentlich nichts Neues, doch bei seinen Überlegungen stellt er sich für keinen Augenblick in die Opferrolle, klagt nicht über eine dunkle, böse Welt. Durch die ganze Düsterkeit zieht sich ein klarer Faden von Hoffnung.

Mehr als Nutten und Ghettolifestyle

Sein Leben ist nicht zur Bedeutungslosigkeit verflucht. Er weiss von einem Leben nach dem Tod und sehnt sich nach dem Paradies. Er fixiert sich weder auf die unschönen Dinge noch redet er sich was ein. Der Kriminalität, den Drogen und den schlechten Energien hat er abgesagt. Er lebt sein Leben, macht seine Musik und entwickelt sich weiter. Mit seinem Schaffen möchte er eine Alternative zur heutigen Sichtweise im Hiphop bieten. Denn diese Musikrichtung hat mehr zu bieten als nur Nutten, Waffen und voll krassen Ghettolifestyle. Als Gesamtwerk kommt die Musik sehr authentisch und ehrlich herüber. Sie verströmt nicht gerade Heiterkeit, doch regt sie zum Nachdenken an und schafft neuen Mut, aufzustehen und weiter zu kämpfen. Weiter kämpfen in einer Welt, die ihre guten und schlechten Seiten hat.

Intelligent und authentisch, aber bitte nicht zu laut

Was stört, ist die schlechte Tonqualität bei lauter Wiedergabe und das gelegentlich gut hörbare Einatmen. Die Melodien und Beats sind zwar kreativ und stimmen in der Kombination überein, doch langweilen sie mit der Zeit und wirken eintönig. Wer auf Scratch-Einlagen und sonstige Spielereien steht, wird nur halb zufrieden sein. Doch hier geht es hauptsächlich um die Texte, R.D. Martin könnte auch ein Dichter sein. Er benutzt den Rap und die Musik zur Verarbeitung seiner Gedanken und Gefühle und nicht um einen auf supercool zu machen. Wer also intelligenten, ehrlichen und authentischen Schweizer Hiphop, mag, kommt mit dieser CD voll auf seine Kosten.

Erwerben kann man «Intro« ab Heute, 21. August 2006, in den meisten CD-Shops zum Preis von 20 Franken.  

Auf der Lailoskala hat dieses Produkt 72 von möglichen 100 Punkten erreicht.

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