Kultur | 17.08.2006

Die Nacht von Afro–Pop und Rockmusik

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Das gilt dieses Jahr fürs Blue Balls in Luzern. Am Donnerstag traten gleich zwei grosse Künstler am gleichen Abend auf. Eine Entscheidung zwischen afrikanischen Rhythmen von Angélique Kidjo und rockiger Gitarrenmusik von Tracy Chapman.
Fotos: Beat Kienholz

Der Konzertsaal im KKL zeigt kaum noch freie Plätze. Vom Kleinkind bis zur Oma ist wohl jedes Alter vertreten. Alle warten gespannt auf Angélique Kidjo. Neben Sängerin, ist sie auch Choreografin, Komponistin und Musikerin. Jetzt tanzt Angélique auf die Bühne und lautes Klatschen erfüllt den grossen Saal. Zum Anfang legt sie eine heisse Tanzperformance ein und als dann ihre unglaubliche Stimme erklingt, hat sie das Publikum sofort in ihren Bann gezogen. Auf den Wunsch vom Publikum, wählte Angélique für diesen Abend die englische Sprache. Nach der Begrüssung stimmt sie mit folgenden Worten ein Lied für die Liebe und den Frieden an: «Wir sind alle gleich, ganz egal welche Hautfarbe wir haben. Ich bin zutiefst traurig über den Konflikt zwischen Libanon und Israel. Aber ich glaube an die Liebe und dass sie siegen wird. Das nächste Lied ist ein Lied der Liebe für den Weltenfrieden.« Das Publikum stimmt ihrer Botschaft mit einem langen Klatschen zu. Die Tanzperformance scheint sie locker aus ihren Hüften zu schütteln und überrascht damit das Publikum immer wieder neu. In ihr fliesst afrikanisches Blut, das ist nicht zu übersehen. Sie schafft es, dem Publikum für diesen Abend ihr Afrika in den Konzertsaal zu zaubern. In ihrer Muttersprache Fon, bringt Angélique dem Publikum einen Text bei und fordert es zum mitsingen auf. Dabei hüpft sie ab der Bühne und schlendert singend durch die Zuschauer.  

Stillsitzen nicht erlaubt

Bestimmt hat schon einigen das Tanzbein gejuckt, aber niemand hat sich getraut. Dem hilft Angélique nun ab. «Ihr seit bestimmt nicht gekommen um still zu sitzen. Los, steht alle auf und tanzt mit mir!« Nach kurzem zögern ist nun auch das Publikum nicht mehr zu bremsen. Ausgelassen tanzen jung und alt zu den heissen Rhythmen. Sie singt Lieder der Hoffnung, der Freude und der Trauer. Ihre kräftige Stimme und die lang ausgehaltenen Töne erzeugen eine Gänsehaut. Immer wieder versucht Angélique den Zuschauern die Bedeutung ihrer Lieder zu erklären. «Wir dürfen nicht nur schwarz sehen. Noch ist es nicht zu spät um Dinge zu verändern und ich glaube an uns. Denn ich glaube, dass wenn wir uns Mühe geben wir gemeinsam Berge versetzen können.« Zum Schluss führt sie Kinder und Erwachsene zu ihr auf die Bühne. Hemmungslos tanzen und singen sie zusammen. Doch auch die Zuschauer in den Reihen halten sich jetzt nicht mehr zurück. Mit «Tumba« fegt sie ein letztes Mal über die Bühne bevor sie sich mit Handküssen verabschiedet.  

Eine halbe Stunde später…

Wer jetzt nicht schon Angélique gesehen hat, lässt sich Tracy Chapman bestimmt nicht entgehen. Gleich zweimal tritt die erfolgreiche Songwriterin am Blue Balls Festival auf – und beide sind restlos ausverkauft. Geduldig wartet das Publikum im Konzertsaal auf Tracy. Es ist heiss, die Masse steht gedrängt, jeder will möglichst weit nach vorne. Doch als Tracy auf die Bühne kommt, scheint die Hitze und das Gedränge nicht mehr zu existieren. Mit verträumten Gitarrenklängen begrüsst sie die Zuschauer. Viele schliessen die Augen und scheinen in eine andere Welt zu schwelgen… Doch nur allzu gerne lassen sie sich wieder hinaus reissen wenn Tracy richtig zu rocken anfängt. Ohne Unterbruch spielt sie den Zuschauern ein Song nach dem anderen. Natürlich fehlen auch die Klassiker wie Talkin`bout a revolution und Fast Car nicht. Zu ihren Liedern sagt sie nichts, doch wer Englisch kann versteht den Sinn. Wie in Fast Car, behandelt Tracy oft in ihren Songs die sozialen Probleme des Alltags. Die Zeit vergeht zu schnell. Erfolgreich schliesst sie mit den Klassikern ab, welche den Zuschauer nach dem Konzert bestimmt noch lange nachklingen werden…

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