Kultur | 14.08.2006

„Die Leute hier sind super“

Text von Christian Wyler
Für Musiker und andere Künstler stellt das Buskers Bern eine interessante Bühne dar. Tink.ch hat sich mit einigen von ihnen unterhalten.
Emma von der Gruppe Gadjo: "Wir bevorzugen klar die Strasse." Daniel "Bean" Bohnenblust von The Felas: "Man kann richtig in die Musik eintauchen." The Felas sammelten neue Erfahrungen auf der Strasse. „Alle Einnahmen gehen an Angel María" sagt Pedro... ...und schliesst den Koffer mit dem "Hutgeld". Clemens Tomasko aus Zürich: „Diese Stadt hat mich begeistert. Ich habe mich beinahe ein bisschen in Bern verliebt.-œ

«Ich bin wirklich positiv überrascht”, äusserte sich am Samstag Clemens Tomasko vom Duo Beckle Men über die Stimmung am Strassenmusikfestival Buskers Bern. Er und sein Partner Olivier Beck hatten gerade ihre Vorstellung beendet, und trotz Dauerregen hatte sich während der Vorstellung eine grosse Besucherschar um die beiden Musik-Komödianten versammelt. «Die Leute hier sind super. Es interessiert niemanden, ob es regnet oder nicht. Das Publikum geniesst einfach die Show. In Zürich wäre das so nicht möglich, dort sind die Leute mehr auf “Business Lounge” eingestellt.« Mit dem Festival an sich seien sie sehr zufrieden, die Organisation sei perfekt, und es käme auch ein netter Betrag zusammen. Das vielseitige Duo fühlt sich in der Strassenmusik genauso zu Hause wie an einem Firmenanlass. Ihre Auftritte reichen vom «Kindergarten bis zum Altersheim«, und auch im Ausland waren sie schon aktiv, so etwa in Deutschland und auf Korsika.

 

Möglichkeiten und Herausforderungen

Mehr noch als Beckle Men stehen die Mitglieder der Gruppe Gadjo für Strassenmusik, auch wenn sie mittlerweile etwa die Hälfte ihrer Auftritte auf richtigen Bühnen bestreiten. «Auf der Bühne hat man halt bessere Möglichkeiten, was die Tontechnik angeht, aber wir bevorzugen klar die Strasse. Hier sind wir nahe am Publikum und hier sind die Emotionen«, erzählt die Querflötenspielerin Emma.

Andere Bands betreten am Buskers Neuland, so zum Beispiel die Gruppe The Felas. Sie sind eigentlich eine reine Bühnenband, doch die Chance, auf der Strasse vor eigenem Publikum aufzutreten, wollten sich die neun Berner nicht entgehen lassen. Dazu Saxophonist Daniel «Bean« Bohnenblust: «Die Einnahmen aus dem Hutgeld sind ein schönes Sackgeld, aber wir treten hier vor allem aus Spass auf.« Ebenfalls interessant sei es, einmal mehrere Konzerte direkt hintereinander zu spielen: «Man kann dann richtig in die Musik eintauchen.« Allerdings muss die Band ihre Bariton-Saxophonistin für die Dauer des Festivals ersetzen: Es handelt sich dabei um Lisette Wyss, die zusammen mit ihrer Schwester Christine in der Festivalorganisation engagiert ist.

 

“Die Festivalorganisation ist grandios”

Beinahe schon chronisch ist die Absenz eines Bandmitglieds bei Angel María Torres y los últimos Mambolleros. Sie treten meist ohne ihren Namensgeber und Frontmann Angel María Torres auf. «Da er nicht immer bei unseren Konzerten anwesend ist, mussten wir halt lernen, uns ohne ihn zu arrangieren«, erzählt Keyboardspieler Pedro «el loco« Corazon. Und auch was die Einnahmen angeht haben die Mambolleros ein etwas anderes Prozedere, als man dies an einem Strassenmusikfestival erwarten würde. Pedro erklärt mit einem etwas resignierten Achselzucken: «Alle Einnahmen gehen an Angel María, und manchmal schickt er uns dann einen Scheck…«.

So vielseitig wie die Musikstile, so unterschiedlich sind die Bands und Künstler. Und doch stach bei den Interviews ein Punkt heraus, der von den meisten Künstlern erwähnt wurde und den Clemens Tomasko von Beckle Men folgendermassen formulierte: «Die Festivalorganisation ist grandios.« Und zu Bern als Veranstaltungsort meinte der gebürtige Zürcher: «Diese Stadt hat mich begeistert. Ich habe mich beinahe ein bisschen in Bern verliebt.«

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