Kultur | 21.08.2006

“Der Moment macht die Kreativität”

Text von Lailo Sadeghi
Wer denkt, heutzutage gebe es keine gute Musik mehr, der irrt. Wer behauptet die Schweiz bringt keine gute Musik hervor, der irrt ebenfalls. Oder kennt einfach The Delilahs nicht. Sie sind jung, sexy, professionell und schlicht genial.
The Delilahs heizten dem Publikum am Funk am See Festival in Luzern kräftig ein. Fotos: Lailo Sadeghi Muriel Rhyner singt und spielt Bass. Sonja Zimmerli sorgt für den richtigen Rhythmus. Isabella Eder rockt an der Gitarre.

Muriel Rhyner singt weder quietschend noch langweilig und ist sicher in den tiefen, sowie in den höheren Tonlagen. Auch den Bass beherrscht sie gekonnt. Das Gitarrenspiel von Isabella Eder ist knackig, rockig und präzis. Am Schlagzeug  zeichnet sich Sonja Zimmerli durch energievolle Beats und kleine Spielereien aus. Die jungen Frauen kombiniert auf der Bühne zu sehen, ist eine Freude für Ohren, Augen und Adrenalinspiegel. Ihre Lieder sind vielfältig, kreativ und treffen mitten ins Schwarze. Macht diese Band weiter wie bisher, werden bald alle ihren Namen kennen.  

Am Samstag den 19. August traten sie in Luzern am Funk am See Festival auf. Tink.ch hat um ein Interview mit Muriel Rhyner gebeten.  

Tink.ch: Wie seid ihr auf den Namen «The Delilahs« gekommen?

Muriel Rhyner: Es gibt da diese Bibelgeschichte von Samson und Delilah und dann gibt es ja noch das Lied von Tom Jones. Der Name ist einfach schön.

Woher holt ihr eure Inspiration?

Vor allem aus englischer Musik, Punk und Rock von den 70er  bis in die 90er. Auch aus Pop und New Wave.  

Und die Inspiration für die Texte?

Der Moment macht die Kreativität. Ich muss mir beim Texte schreiben einfach Zeit nehmen. Wenn ich noch andere Sachen wie «Ich muss noch Wäsche waschen« im Hinterkopf habe, geht es nicht.  

Wie erklärst du dir den Hype, welcher vor ein paar Monaten um euch war?

Wir waren halt drei Mädchen die alles auf eine Karte gesetzt haben, wir waren neu. Und aus irgendeinem Grund wurden wir bei Zeitungen und Magazinen beliebt.  

Wie geht ihr mit den Vorwürfen um, ihr seid nur erfolgreich weil ihr so sexy seid?

Das ist schon sehr hart und wir haben nicht wirklich verstanden warum die Menschen so was sagen. Wir machen doch nur unsere Musik. Aber wenn man es ein paar Mal gehört hat, härtet es ab und stört nicht mehr.  

Wie entgeht ihr dem Image eine Band wie zum Beispiel Tokio Hotel zu sein?

Wir machen unser eigenes Ding. Wir tun was wir wollen, und lassen uns nicht zu einem Pop-Produkt machen. Wir lassen uns da von niemandem dreinreden.  

Habt ihr Angst einmal so richtig “abgefuckt” zu werden, wie es vielen jungen Berühmtheiten ergangen ist?

So was kann immer passieren. Aber wenn ich meine Songs schreibe, weiss ich ja, ob es gut oder schlecht wird. So was spüre ich.  

Wie sehen eure Backstage Erlebnisse aus?

Nach dem Auftritt müssen wir zuerst unser Zeugs ins Auto laden. Dann sitzen wir zusammen und besprechen was gut, schlecht und verbesserungswürdig war.  

Wurdet ihr schon einmal ausgebuht oder sonst wie fertig gemacht?

Richtig ausgebuht nicht. Aber es gab schon Situationen da standen bei einem Konzert in den ersten zwei Reihen alles spitze Typen, die nicht wegen der Musik gekommen sind. Das ist sehr mühsam und frustrierend. Als Girlband ist es manchmal echt hart, sich Respekt zu erarbeiten.  

Was erwartet ihr vom Leben?

Eigentlich sollte man gar nichts erwarten. Wenn man etwas will, muss man aufstehen und es sich holen. Nichts kommt einfach so zu dir.  

Was nehmt ihr für Drogen?

Keine, jedenfalls nichts Hartes. Die ganze Sache ist uns zu ernst, dass wir es einfach mit Drogen zerstören würden. Aber während dem Konzert ein Bier, ist immer gut. Sonst aber nichts, ausser Zigaretten.

Wollt ihr mit eurer Musik etwas bewegen?

Ja, mit meinen Texten möchte ich Geschichten erzählen, die berühren und die alle aus ihrem eigenen Leben kennen. Bei «Inside out« ist mir das ganz gut gelungen. Auch wenn ich politische Lieder schreibe, möchte ich damit den Menschen die Augen öffnen und sie zum Nachdenken anregen.  

Wie gehen Familie und Freunde mit eurem Erfolg um?

Sie finden es toll und sind eine gute Quelle für konstruktive Kritik.  

Was stört dich am meisten an der Schweiz?

Ich habe ja erst kürzlich die Matur gemacht. Bei meinen Freunden bemerke ich, dass sie gar nicht wissen, was sie tun wollen. Viele würden auch gerne etwas Künstlerisches machen, wie ich, aber das ist sehr schwer. Man sollte künstlerisch tätige Menschen viel mehr unterstützen, egal was sie machen.  

Und was stört dich am meisten an der Gesellschaft allgemein?

Sie ist zu engstirnig und intolerant.  

Was sagt ihr als Musikerinnen zu illegalem Musikdownload?

Es ist für die Künstler ganz schön hart, wenn sie davon leben müssen und alles nur kopiert wird. Aber ich werde doch lieber kopiert und gern gehört. Wenn wir ein Album raus bringen, wird sich meine Meinung wahrscheinlich ändern.  

Könnt ihr eure eigenen Songs überhaupt noch hören nachdem ihr sie aufgenommen und tausendmal gespielt habt?

Es kommt schon vor, dass ein Song mal an Spannung verliert, wenn ich ihn tausendmal gehört habe. Aber sonst höre ich mir unsere Musik eigentlich immer gerne an.  

Was sind eure Ziele?

Anfangs Jahr ein Album veröffentlichen und möglichst viele Konzerte geben.  

Wo seht ihr euch in zehn Jahren?

Wir haben unser viertes Album raus, und werden oft am Radio gespielt, ein ganzes Album an einem Nachmittag.  

Wo würdet ihr am liebsten einmal spielen und mit wem?

Mit Muse und The Cure. Wo wir spielen, ist nicht wichtig. Wenn es viele Menschen hat, heisst das ja noch lange nicht, dass die Stimmung gut ist. Aber international etwas touren, ist schon schön. Gerne würden wir in Italien spielen. 

Welche CD würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?

Maximo Park.  

Das wäre es gewesen. Vielen Dank. 

Vielen Dank auch dir.

Die beiden Singles “Let’s get Tango” und “This is it” sind als MP3 auf indiestore.com erhältlich.

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