Kultur | 23.08.2006

Der Legastheniker und der Entenhasser

Text von Anina Peter
Das Duo Hinterletscht spielte beim Theaterspektakel in Zürich ganz vorne mit und machte dabei vor nichts und niemandem Halt. Das Ergebnis: Gelächter, begeistertes Publikum und Riesenapplaus.
Legastheniker, Entenhasser, Zorrofans - trotzdem überaus symphatisch. Fotos: Andrea Ganz

Licht aus, Scheinwerfer an, Stille im Zelt. Zwei Typen betreten die Bühne. Der eine klein, der andere ein, naja, langer Lulatsch. Etwas betreten, verwirrt, blicken die beiden ins Publikum. Der Kleine räuspert sich und ruft wehleidig: «Wänn isch sie ändli verbi, mini Äntliphobie?« Es folgt ein Lied über 2000 geköpfte Entchen, Entenpsychotherapie und die Flucht vor diesem furchteinflössenden Federvieh. Nur schon dieser Auftakt lässt den Zuhörer vermuten, dass seine Lachmuskeln an diesem Abend sicher nicht zu kurz kommen.     

Die zwei “Hinterletschte”

Das Duo Hinterletscht besteht aus den Zürcher Musikstudenten Severin Richiger und Stefan Waser. Gegründet haben die beiden ihre Sängerknaben-Komiker-Gruppe im Jahre 2001 und konnten seither bereits über die Landesgrenze auf sich aufmerksam machen. Mit ihrem aktuellen und ersten Programm “Äntliphobie” wurden die beiden Studis vor drei Jahren bereits für den Zentraleuropäischen Kleinkunstpreis nominiert. Auch der Schweiz bewiesen sie, dass sie ihrem Namen keine Ehre machen. Sie ersangen sich 2004 nämlich den begehrten Swiss Comedy Award und ein Jahr später auch noch den Newcomer-Preis «Kleiner Prix Walo 2005» im Bereich Comedy.

Was die beiden so komisch macht? Zum Einen sind da ihre Liedertexte. Witzig, leichtfüssig, mit Bass und Gitarre begleitet, nehmen sie einfach alles und jeden aufs Korn. Doch auch ihr Auftreten lässt einen die beiden Zürcher sofort ins Herz schliessen: Zaghaft, leicht trottelig, verschüchtert und sympathisch direkt, der Anführer mit der Äntliphobie und der trottelige Legastheniker.

Lieder für Tierfreunde

Damit auch die Optik stimmt, setzen die beiden ihre “Jazzerchäppli” auf. So, meinen sie, sehen sie nicht nur etwas professioneller aus, sondern ritten auch auf der richtigen Welle für das nächste Lied. Nach den toten Entchen folgen jetzt die Würmer. «Zwei Würmli händ sich gfunde, sie liebed sich wie Ma und Frau.«  «Wie Ma und Frau?! Aber das sind ja Würmli!! Hmmm… aber wie mached die dänn…. Stell der das mal vor!!« Das Liebesglück währt nicht lange und die Protagonisten finden ihren Tod durch den Rasenmäher.  

“Dä Internäschänäl-Block”

Im internationalen Block kriegt die halbe Welt ihr Fett weg. Richiger und Waser besingen den Legastheniker Zorro. Eine Bekanntschaft in Polen – Liebe auf den ersten Blick – findet trotz gegenseitiger Anziehung doch kein glückliches Ende, da Sie erst ihre Wäsche aufhängen muss. Wäre das Schicksal nicht viel erträglicher, gäbe es diese lästige Wäscherei nicht?

Für die Gourmets unter den Zuhörern tragen die beiden noch in bester Dschungel-Manier ein afrikanisches Kochrezept vor, dass einem zwar nicht das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt, dafür jenes für die Lachtränen.  

Volkslieder mal etwas anders

Schweizer Volkslieder sind altbacken und müssen neu aufgearbeitet werden, zumindest textlich, meint das Duo. Also singen die beiden von einem alten Mann, der seinen Toilettengang im Garten erledigt und Nesseln als Klopapier verwendet. Und die Moral von der Geschicht? «Hett er d’Chrütli besser kännt, hettem s’Füdeli nöd so brännt!- Doch ja nicht überreagieren, nimm’s easy, so heisst auch das nächste Lied. Richiger wacht, statt mit einem heissen Büsi, nur mit einem schrecklichen Kater auf. Sein Date, übrigens Vegetarierin, wartet seit über einer Stunde neben dem Bratwurststand. Aber er nimmts easy, schliesslich kennt er den Zauberspruch, den jede Frau beschwichtigt: Ich liebe dich.  

Genug ist genug, meint das Duo, das war nun der hinterletzte Beitrag. Applaus und Gepfeife bis in die hinterletschten Ecken. Hoffen wir, dass dies nicht der hinterletschte Auftritt war. 

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