Kultur | 21.08.2006

50 Jahre Pfadi Baar

Text von Boris Egger
Die Pfadi Baar schwingt sich von Jubiläumsanlass zu Jubiläumsanlass. Einer dieser Ekstasen nennt sich Festiwald. Vom 1. bis am 3. September steht grooven, rocken und bouncen im Mittelpunkt. Dies zur legendären Funkband GMF, den Hiphop-Crews Wurzel 5 und Gleiszwei und zur Zürcher Rockgruppe Redwood.
Am Festiwald vom 1. bis 3. September: Bands, die den Durchbruch geschafft haben... ...und solche, die diesen Weg noch vor sich haben. Auf dieser Wiese wird eine Pfadistadt sondergleichen stehen.

Ein Pfader erzählt und träumt laut. Aus einer Vision wird bald Wirklichkeit:  

An einem kühlen regnerischen Adventsonntag setze ich mich auf mein Stahlpferd, presche einen Kilometer durch die Prärie von Baar und binde das Pferd am Schiesstand Wieshalde fest. Gümper hat mich auf dem kurzen Ritt begleitet. Schon stehen wir an der Grasnarbe des freien Feldes hinter dem Schiesstand und schätzen mit zugekniffenen Augen dessen Fläche ab. In gleichmässigen Schritten beginnen wir das Feld abzugehen und kontrollieren die Schrittlänge mit unseren Doppelmetern.  

Die grosse Festiwaldfreiheit

Während wir die Seiten abschreiten, spielt sich in unseren Köpfen ein kleiner Film ab. Mit jedem Tritt baut sich der Festplatz Balken um Balken, Blache um Blache, Pfahl um Pfahl auf. Wie im Traum reihe ich mich in eine lange Warteschlange ein. Weit vorne sieht man das Eingangstor zum Festplatz. Plötzlich stehe ich darunter. Im Nacken spüre ich hunderte Augenpaare. Einem Türsteher zeige ich den Pass und bekomme den Bändel zur grossen Festiwaldfreiheit. Nun habe ich Zugang zum ganzen Gelände. Eigentlich ist es ja nur eine Wiese. Manchmal wächst Mais hier, manchmal nur Gras. Im Winter weiden öfters mal Schafe. Doch an diesem Wochenende, im September 2006, ist es mit der Ruhe und Winterschafsidylle auf dem Feld definitiv vorbei. Staunend stehe ich im Eingang und sehe vor mir ein mächtiges Zelt. Auf der linken Seite erstreckt sich ein langer Spielplatz, wo Kinder herumtollen, in einer Luftburg rauf und runter springen, in einem Wasserbecken plantschen und Sandburgen bauen. 

Dampfende Töpfe, bruzelnde Würste

Mein Blick schweift weiter. Auf der gegenüberliegenden Seite dampft es aus Töpfen. Ein Grillmeister steht oben ohne und schweissglänzend hinter der Glut und betreut seine 30 bis 40 Würste. Keine soll verbrennen, jede goldbraun gegrillt werden. Ich schlendere auf die grosse Küche zu. Unter einem weit gezogenen Blachenzelt arbeiten unzählige Pfader. Alle tragen ein Affen-T-Shirt. Der eine rührt in einem Risottotopf die grosse Kelle, der andere dreht an einem Spanferkel und der dritte verkauft Glace. Ich geniesse für einen Moment das emsige Getue, den Marktschreierlärm, das Gelächter und Geschnatter.

Zelt, Bühne und die fünf Bars

Dann wende ich mich ab und stehe direkt vor einem 17 Meter hohen Zelt. Eine kleine Tafel informiert mich über die Eckdaten. Das Zelt, Typ Sarasani, besteht aus 1097 Blachen, 4 Masten zu 17 Metern Höhe und tausenden von Schnüren. Ich trete ein. Im Innern unterhalten sich gruppenweise Leute an mehreren Tischen, in der Mitte steht eine kleine Bühne. Gerade spielt eine Jazzband auf. Ich setze mich auf eine Couch, geniesse die von Musik beschwingte Atmosphäre und werde ein wenig müde. Fast wäre ich eingedöst, da schallen von draussen helle und scharfe Klänge, begleitet von heissen Schlagzeugrhythmen herein. Es katapultiert mich von der Couch und ich renne in Richtung der pulsierenden Musik. Weit vorne sehe ich eine Band, die in voller Fahrt ihre Musik zum Besten gibt. Vor der Bühne tanzen und hüpfen einige hundert Verrückte. Bevor ich mich an den Bühnenrand begebe, stelle ich mich an eine der fünf Bars. Sie sind Zeichen unseres Jubiläums. Von der Dekoration bis zur Bedienung und Bekleidung ist an jeder Bar ein Jahrzehnt ins Bild gerückt. Nach einem Drink drängt es mich, das Tanzbein zu schwingen.  

187, 188 191, 192 Meter und der Platz ist fertig vermessen. Gleichzeitig sind auch unsere Träume verflogen. Es ist ein Wunschdenken. Aber als Pfader hat man gelernt, Wünsche zu verwirklichen. Vom 1. bis zum 3. September 2006 soll ein Jubiläumsfest steigen, das mit dem Namen Festiwald die ganze Baarer Bevölkerung begeistern wird.  Das vollständige Programm und Tickets gibt’s auf der Festiwald-Website.  

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