Kultur | 29.07.2006

Zuerst Zuschauerin, dann Zauberin

Text von Andreas Renggli
Karin Doppmann betreut zum dritten Mal Künstlerinnen und Künstler am Openairspektakel Waldstock und liest ihnen Wünsche von den Augen ab. Aber nicht nur.
Heimat für die Bands: das Backstagezelt. Fotos: Sandro La Marca Karin Doppmann betreut die Bands vor Ort.

Mitternacht liegt bereits eine Weile zurück, das Rampenlicht ist verschwunden und der Platz vor der Hauptbühne ist leer. Anstelle einer gründlichen Personenüberprüfung wie an anderen Festivals genügt der Wink von hinter dem Tresen. Durch die Küche, vorbei an den Getränkewagen und einem alten amerikanischen Wohnwagen führt der Weg zu einem kleinen Festzelt.

Hier sitzt sie und wartet auf die Wünsche von Apparatschik, die den Abend ausklingen lassen. Karin Doppmann hat das Waldstock als Zuschauerin kennen gelernt. Eine gute und gleichzeitig häufige Ausgangslage für eine Karriere als Helferin. Dieses Jahr sorgt sie zum dritten Mal für die Betreuung der Künstlerinnen und Künstler. Zusammen mit Patrick Pauli (Paco), verantwortlich für das Festivalprogramm, und weiteren Helferinnen.

Im Gegensatz zur üppigen Dekoration des Festivalgeländes erweckt das kleine Backstagezelt einen nüchternen, aber nicht unfreundlichen Eindruck. Keine Verzierung, kein Schnickschnack. Lediglich ein warmes Licht, Tische, Bänke, eine Platte mit kaltem Fleisch, Käse und Früchten sowie diverse Getränke.

Im Vorfeld des Festivals klärt das Team jeweils ab, was ihre Gäste brauchen. Dabei schätzt Karin die gute Zusammenarbeit innerhalb des Organisationskomitees: “Das funktioniert bei uns bestens. Wir haben beispielsweise einen engen Kontakt zum Catering, damit die das Richtige zur richtigen Zeit parat haben.” Auch über die Vorbereitungen hinaus sei das Waldstock vorbildlich. “Wir machen viel für die Bands, weil es uns wichtig ist, dass sie sich wohl fühlen.” Die Ansprüche variieren sehr. “Junge Zuger Bands kriegen oft schon glänzende Augen, wenn sie einen VIP-Pass kriegen und sich in einem Kühlschrank bedienen dürfen.” Daneben gibt es aber auch Manager, die für ihre Band mehr als das Mögliche haben wollen.

Baarer Bier. Punkt.

“Klar, unser Service kennt auch Grenzen. Zum Beispiel gibt es bei uns Baarer Bier. Punkt. Wir fugen nicht extra eine andere Biermarke heran. Ebenfalls verneinen müssen wir einen eigenen Backstage, wo garantiert keine anderen Bands sind. Das passt nicht zum Stil vom Waldstock. Trotzdem versuchen wir so flexibel wie möglich zu sein und arrangieren viel direkt vor Ort.”

Bis jetzt hat Karin immer gute Rückmeldungen für die Betreuung geerntet. Nicht selten sind Bands sogar sehr überrascht, was auf dem kleinen Festivalgelände und im Backstage alles möglich ist. Verhältnismässig einfach hat es Karin an diesem Abend. Die Musiker von Apparatschick wollten vor dem Konzert eine Flasche Wodka und was zu essen, nun sitzen sie friedlich da, trinken ein paar Flaschen Baarer Bier, spielen Gitarre, singen und lassen zwei Freunde tanzen. Nun wartet Karin einzig noch, bis auch die Helden vom Abend müde werden und zurück ins Hotel wollen.

Links