Kultur | 31.07.2006

“Wir warten mal die nächste Welle ab”

Text von Andreas Renggli
Im Oktober erscheint das erste Album der Aargauer Skapunks Rude Tins. Im Interview mit Tink.ch denken sie laut über ihre bisherigen Auftritte, ihre Botschaften und ihr neues Baby nach.
Bereit für den Ritt auf der Ska-Welle: Rude Tins. Sie sind mit acht Personen eine mächtige Erscheinung. Nicht nur auf der Bühne. Trompeter Yves Jung kann auf die Verstärkung von drei weiteren Blasinstrumenten zählen. Yves Blösche: "Es gibt so viele Bands, die uns prägen." Raphael Grüter: "Unser Aargauer Dialekt ist schlicht und einfach für eine musikalische Anwendung nicht attraktiv genug."

Letztes Jahr habt ihr am Openair Gränichen als regionale Nachwuchsband einen Auftritt gekriegt. War das bisher euer grösstes Konzert?

Raphael: Von der Grösse des Anlasses her betrachtet, muss man das Openair Gränichen ganz bestimmt als bisher wichtigstes Konzert hervorheben. Da wir als kleine Regionalband natürlich nicht die beste Spielzeit erhalten, haben wir allerdings auch schon Konzerte vor mehr Zuhörern gegeben. So beispielsweise am Skaarau 2004, wo wir zu bester Zeit vor mehreren hundert Leuten aufspielen durften.

War Gränichen auch das beste?

Raphael: Falls du damit unsere musikalische Leistung ansprichst, würde ich dies bejahen. Wir konnten uns gut auf das Konzert vorbereiten und waren alle richtig heiss auf diesen Auftritt.

Jonas: Die Ambiance war in Gränichen sicherlich gut und für diese Uhrzeit war die Zuschauerzahl echt zufrieden stellend. Es ist aber schon so, dass die Stimmung meistens heisser ist, wenn mehr Leute vor einem stehen und tanzen. Von dem her war Gränichen nicht unser bester Anlass.

Als junge Band geht man immer wieder mal Engagements ein, die man später

bereut. Wo wars wirklich mies? Und warum?

Jonas: Das stimmt, wir hatten auch schon weniger schöne Auftritte. Manchmal weiss man nicht genau, auf was man sich einlässt. Im einen Lokal ist die Verpflegung übel, im andern die Musikanlage, es hat kein Publikum, weil keine Werbung gemacht wurde und, und, und. Wir haben auch schon einen sehr weiten Weg in Kauf genommen, um fast umsonst vor zwanzig HC-Fans zu spielen. Mies! Das nur um auch in anderen Landesteilen auftreten zu können. Naja.

Inspirieren lässt sich die Band mitunter von Millencolin. Was fasziniert

euch am schwedischen Punk-Rock?

Jonas: Eigentlich ist nur unser Bassist ist ein treuer Fan der Schweden. Er kam durch Millencolin zum Ska, und somit zur Musik, die wir jetzt zu machen versuchen. Der Rest der Band kennt sie zwar, lässt sich aber von vielen verschiedenen Interpreten und Bands inspirieren.

Wo holt ihr die Inspiration her?

Yves: Von vielen verschiedenen Musikrichtungen. Mal wird im Rockabilly nach einem Refrain gesucht, manchmal im Punk. Es gibt so viele Bands, die uns prägen.

Die Texte sind mal deutsch, mal englisch, mal spanisch. Dabei ist in den

Stimmen die Schweizer Herkunft unverkennbar. Wieso setzt ihr nicht auf

Mundart?

Raphael: Das ist eine gute Frage. Unser Aargauer Dialekt ist schlicht und einfach für eine musikalische Anwendung nicht attraktiv genug. Ausserdem sind wir alle viel mehr Musiker als Schriftsteller. Da sich die Zuhörer mehr auf den Text achten, muss ein Lied auf Mundart poetisch sein oder etwas aussagen.

Um welche Inhalte dreht sich denn eure Musik?

Raphael: Wir möchten mit unseren Liedern niemanden belehren. Unser Ziel ist es vielmehr, für einen Moment Freude zu verbreiten und die Leute zum Tanzen zu bringen. Dies erreichen wir besser mit Musik und Rhythmus als mit tiefgreifenden Botschaften. 

Ska und Ska-Punk werden nach und nach salonfähig. Wann wird es eine

Schweizer Skaband in der Hitparade ganz noch oben schaffen?

Fabian: Hättest du uns diese Frage vor gut einem Jahr gestellt, hätte ich wohl Sommer 2006 gesagt. Doch die Szene hat sich in eine andere Richtung entwickelt. Vor gut einem Jahr war Ska noch die Szene-Trend-Musik der Jungen. Seit letztem Herbst aber ist die Besucherzahl an Ska-Konzerten allgemein ein bisschen zurückgegangen. Ska surfte vorher auf einer schönen Welle, die nun langsam aber sicher wieder kleiner wird. Vielleicht wird es mal eine Skaband an die Spitze schaffen, ich denke zwar nicht, aber warten wir mal die nächste Welle ab.

Im Herbst erscheint eure erste CD. Was darf man von “Varicoloured” erwarten?

Raphael: Es ist eine Mischung aus bekannten, frisch überarbeiteten und neuen Songs.

Und wie wird sie stilistisch?

Raphael: Eigentlich wollten wir ja eine starke Durchmischung von Reggae, Ska und Skapunk erreichen. Dies ist uns auch gelungen, wobei der Schwerpunkt eher beim Skapunk liegt.

Die CD-Produktion wird vom Aargauer Kulturdünger unterstützt. Wie grosszügig waren sie?

Raphael: Kulturdünger zeigte sich sehr grosszügig. Die grössten Kostenanteile übernehmen das Label 808 Records, Kulturdünger sowie zahlreiche private Spender. Ohne all diese Unterstützung wäre diese CD-Produktion nicht möglich gewesen.

Wo und wann wird die CD getauft?

Jonas: Die Plattentaufe unseres ersten Kindes findet am 21. Oktober in unserem Heimlokal statt, dem Piccadilly in Brugg.

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