Kultur | 16.07.2006

Szenen neben der Bühne

Text von Andrea Würsten
Auf dem Gurten stehen über 1'000 Helfende in Schichten rund um die Uhr im Einsatz. Auf 13 Festivalbesuchende rechnet sich eine freiwillige Kraft. Tink.ch hat mit einigen von ihnen gesprochen.
Nix mit Party für die 2'000 flinken Hände im Hintergrund. Fotos: Stefan Berner Michelle (22) ist inzwischen Abfallexpertin. Flammkuchen, selbst bei heissem Wetter Aushilfe Alberto (40) steht auf Manu Chao. Jeanique feiert ihren Geburtstag am liebsten auf dem Gurten. Und hinter dem Tresen. Evelyne (28) cremt nicht nur schöne Rücken ein.

«Manche Festivalbesucher sind fleissige Sammler. Sie bringen ganze Säcke voll Geschirr an unsere Recyclingstelle zurück, was ihnen teilweise mehr einbringt, als sie ursprünglich für den 4-Tages-Pass hingelegt haben.« Michelle (22) ist bereits zum dritten Mal als Helferin im Einsatz. Ein Gang über die Wiesen zeigt aber, das Festgelände konnte stets sauber gehalten werden. Das Abfallkonzept ist beinahe aufgegangen. Nur beinahe, weil wegen Lieferengpässen trotzdem noch Pappe und Plastik eingesetzt werden mussten.

Von Bea am Stand des Ängelibecks wollte Tink.ch wissen, ob das Wetter nicht viel zu heiss war, um die Backwaren in den Auslagen an die Leute zu bringen. Sie verneinte und wies darauf hin, dass vor allem die Flammenkuchen sehr hoch im Kurs stünden. Die Lage der Essstrasse sei gut gewählt, nach den Konzerten auf der Hauptbühne würden jeweils ganze Heerscharen auf dem Weg zur Zeltbühne an den Ständen vorbei schauen.

Am Hang gegenüber der Essstrasse sind die Marktfahrer postiert. Tink.ch wollte von Alberto (40) – der vorübergehend den Stand seines Kollegen bewacht – erfahren, welche Accessoires gut gelaufen seien. Nebst den Blumenketten, die auch schon in Gampel die Oberkörper der Open-Air-Besucher schmückten, seien vor allem die Zwergmützen aus Filz beliebt. Die Frage nach seiner Lieblingsband beantwortet er ohne zu zögern: Los De Abajo aus Mexiko und natürlich Manu Chao.

Sehr zufrieden scheint Jeanique mit ihrem Barjob im Baccardi Dome zu sein. Sie feiert schon zum vierten Mal in Serie ihren Geburtstag hier oben am Gurtenfestival, heuer ist es der vierundzwanzigste. Die Zusammenarbeit mit der Barcrew sei optimal. Zu Reggae und Salsa geht in diesem Partyzelt jeweils vor allem zu später Stunde die Post ab, wobei es eine grosse Herausforderung sei, die Vorschriften über das Mindestalter für den Alkoholkonsum einzuhalten.

  

Beim kleinen gelben Zelt in der Nähe des Eingangs steht Evelyne (28). Sie sorgt zusammen mit weiteren Helfenden dafür, dass es die Festivalgänger mit dem Schutz nicht auf die leichte Schulter nehmen. Schutz vor Sonne, Lärmimmissionen, Insektenstichen und kopflosen Sexabenteuern. Dagegen verteilt sie Ohropax und Kondome, tagsüber cremt sie fremde Arme und Rücken ein. Wird sie da nicht gleich reihenweise doof angemacht? Natürlich, das sei ja nicht anders zu erwarten. Ihr Freund? «Der hat rasch gelernt, damit umzugehen.«

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