Kultur | 15.07.2006

Politische Parolen voll im Trend

Text von Andrea Würsten
Zwei Fussballhits aus Deutschland hielten auf dem Gurten Einzug. Nostalgie und Wehmut lebten nochmals auf, bevor der britische Rock die Ohropax-Nachfrage ankurbelte.
Judith Holofernes: „Wir sind gekommen um zu bleiben.-œ Ein einziger Satz für den Libanon: Xavier Naidoo Mattafix aus England Momentaufnahme: Skin ganz nahe

«Wir sind gekommen um zu bleiben.« Diesen Refrain haben wir nach der Fussball-WM alle intus, so sangen auch die Fans vor der Hauptbühne unter der brütenden Nachmittagshitze kräftig mit. Judith, die Leadsängerin von Wir sind Helden, zeigte sich von den Schweizerinnen und Schweizer total begeistert und versprach, wieder auf den Gurten zu kommen – drei Mal pro Jahr. Falls das Publikum wegbliebe, würde sie auch für die Schafe und Kühe jamen. Angesichts der sympathischen und souveränen Leistung erstaunt es, dass die erste Produktion der Band erst drei Jahre zurückliegt. Man darf auf weitere Platten gespannt sein.

Auch bei Xavier Naidoo kommt man nicht um die Erwähnung des Fussballevents 2006 herum. Seine letztjährige Single mit den Zeilen «Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer« war längst zur Hymne geworden und galt auf dem Gurten als Garant für tausende mitsingende Festivalgänger. Der Mannheimer pflegt jeweils seine Wertvorstellungen klar zu postulieren, weshalb er auch schon als Laienprediger betitelt worden ist.

Gestern sprach er von den Vorgängen im Libanon und hoffte, dass dort der Frieden bald zurückkehre. Das Thema war in einem einzigen Satz abgehandelt – etwas, was vor ihm noch kaum jemand geschafft hatte. Musik machen, texten und singen sind seine bewiesenen Stärken. Nicht von Ungefähr zählt Naidoo in Deutschland zu den erfolgreichsten Popstars der jüngsten Zeit.

Die hart gesottenen Rockfans freuten sich auf Skin. Mit anarchistischem Temperament fegt Deborah Anne Dyer ruhelos über die Bühne und legt mächtig Kohle ein. Sie legt alle Kraft in ihre Auftritte, sei es als MTV-Moderatorin, als Club-Betreiberin, auf dem Catwalk oder auf der Hauptbühne über den Dächern von Bern. Ihre Texte auf dem Soloalbum «Fake Chemical State« stellen unsere gesellschaftliche Haltung gegenüber Drogen und Medikamenten an den Pranger, was wohl manch ein Besucher ob den zitternden Lautsprechern nicht richtig mitbekommen hat.

Als Überraschung des Tages wartete das Programm mit der englischen Band Mattafix auf. Nebst dem Hitparaden-Titel «Big City Life« dürfte von ihnen nur wenig bekannt gewesen sein – völlig zu Unrecht. Sie repräsentieren mit einem frei zusammengesetzten Mix von Rock, Hiphop, House und Reggae einen typisch urbanen Mulitkultistil aus England. Die Jungs sind mit Musik gross geworden.

Roudette gelang es, das Publikum mit wenigen Aufforderungen nach seinem Gusto tanzen zu lassen. Ein Aspekt der Live-Konzerte, den die Lanzleute der alternativen Rockband Editors ausser Acht liessen. Schliesslich fehlten auch bei Mattafix die politischen Botschaften nicht: Bush und Blair wurden kritisiert, bevor ein Hoch auf “Peace and Love”, ergänzt mit “Unity and Creativity”, gegen das Zeltdach gerufen wurde.

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