Kultur | 27.07.2006

Eine fantastische Kulisse

Text von Martin Sigrist
Irgendwann zwischen den ersten und den letzten Sonnenstrahlen des vorletzten Sonntags ging das neunte Melt-Festival in Gräfenhainichen nach drei Tagen zu Ende. Mit 13'000 Besuchern konnte das Festival einen neuen Rekord verzeichnen.
So ungewöhnlich wie eindrücklich und einzigartig: Das Festivalgelände am Melt. Dünne Luft vor der Hauptbühne Riesige Festzelte als Ergänzung zur grossen Freilichtkulisse Die Sonne kam und ging. Was aber stets blieb: Eine Menge tanzender Leute.

Immer wieder wurde Begeisterung laut über das Festivalgelände aus Zeiten, als in Gräfenhainichen noch Kohle abgebaut wurde. Nun ist die Stadt aus Eisen das Gelände für das Melt-Festival. Umgeben von fünf alten ausgedienten Riesenbaggern direkt am See vergnügten sich die Menschen. Drei Aussenbühnen sowie eine kleine Halle und ein Sleeplessfloor gaben den Besuchern vom 14. bis 16. Juli die Möglichkeit, bis in die Morgenstunden und darüber hinaus zu lauschen und zu tanzen.

Der erste Eindruck ist etwas ungewohnt, ein Konzertgelände fast ausschliesslich auf Asphalt. So will zu Beginn zwar keine echte Festivalstimmung aufkommen, doch ein Gefühl der Sauberkeit ist ja nicht nur schlecht, insbesondere an einem Wochenende mit strahlendem Sonnenschein und Temperaturen über 30 Grad.

Mehr Genuss als Party 

Die Stimmung war ruhiger und zurückhaltender als von anderen grösseren Deutschen Festivals gewohnt. Die meisten Besucher scheinen das zu geniessen, während nur wenige sich etwas mehr Party auch auf dem Zeltplatz wünschten. Unter den Besuchern waren zahlreiche Ausländer anzutreffen; allen voran Engländer, Niederländer und Schweizer.

Ein grosser öffentlicher und kostenloser Zeltplatz direkt am See bot genug Platz für grosse Zeltburgen und ausgedehntes Baden zu jeder Tageszeit. Dieses Jahr war dies erstmals offiziell erlaubt. Leider waren die sanitären Einrichtungen für so viele Camper viel zu knapp bemessen, was zu teilweise sehr langen Schlangen führte.

Das Konzertareal bot genug Platz und wirkte trotz der 13’000 Besuchern nie besonders eng, auch vor den grossen Bühnen bei den Hauptacts war es nicht besonders schwierig, seine Lieblinge von nah zu sehen. Die Distanzen zwischen den Bühnen waren kurz genug um die leider zahlreichen Überschneidungen der Konzerte etwas besser zu verschmerzen.

Musikalisch bot das Melt einen breiten Stilmix von Deutschpop, Rock, Elektro und Drum and Bass. Unter den über 80 Bands waren Newcomer wie Infadels oder Das Pop genau so zahlreich vertreten wie altbekannte Grössen wie Pet Shop Boys oder Aphex Twin. Auch The Editors oder The Kooks als Vertreter der britischen The-Hype-Bands-Generation waren mit dabei. Neben Bands standen viele DJs wie Miss Kittin, Ronie Size oder Hell bis in die frühen und späten Morgenstunden auf den Bühnen.

Höhepunkt mit Who made who

Besondere Highlights waren die aussergewöhnlichen Auftritte von Who made who, The Editors und Jamie Lidell sowie einigen der zahlreichen DJs wie Miss Kittin, die so manchem Muffel zeigten, dass es sich auch zu Techno ganz gut tanzen liess.

Zu kritisieren bleiben die zu wenigen Klos und die teilweise viel zu langen Schlangen am Eingang zum Konzertgelände, weswegen so mancher Besucher Konzerte verpasst hat. Die Shuttlebusse zwischen den verschiedenen Campingplätzen und den Konzerten sollten häufiger fahren, gerade weil die Distanzen zwischen Zelten und Konzerten teilweise sehr gross sind.

Ansonsten war das Melt ein aussergewöhnliches Festival mit wunderschönem Gelände, tollem und sehr abwechslungsreichem Programm und einem sehr gemischten Publikum. Nie war es so angenehm bis zum Sonnenaufgang und darüber hinaus zu tanzen. Der Vorverkaufspreis von 55 Euro wird Schweizer sowieso kaum mehr abschrecken, eher noch der Weg zur Ferropolis in Gräfenhainichen. Man darf gespannt auf die Zukunft des Festivals sein, welches klein bleiben will und doch immer weiter wächst.

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