Kultur | 27.07.2006

“Die Musik wird jetzt frischer”

Text von Martin Sigrist
Die Band Das Pop aus dem belgischen Ghent wurde 2005 auch in der Schweiz bekannt mit ihrem zweiten Album "The Human Thing". Zu jener Zeit noch lieb, verträumt, verspielt und elektronisch, hat sich die Band nun einer härteren Gangart verschrieben.
Bent van Looy mit Martin Sigrist von Tink.ch vor dem Konzert. Für Das Pop nicht ungewöhnlich: Bent von Looy als Sänger und Schlagzeuger Die weiteren Bandmitglieder: Niek Meul (Bass) und Reinhard Vanbergen (Gitarre)

Mit ihrem Konzert auf dem Melt stellten sie neben neuen Songs auch alte Werke in neuem Gewand vor. Ihr Auftritt hat gar gerockt und Bent versprühte soviel Energie, dass so mancher Backliner ins Schwitzen kam. Doch lassen wir Bent gleich selber erzählen.

Wie geht es dir?

Sehr gut, seit gestern 3 Uhr 30 früh ist unsere neuste Platte fertig, das ist sehr schön. Ein Jahr haben wir daran gearbeitet und nun ist sie fertig. Wirklich aufgenommen haben wir dafür aber nur 15 Tage. Die neue Platte wird in ungefähr einem halben Jahr erscheinen.

Was wird uns heute Abend bei eurem Konzert erwarten?

Etwas ganz anderes als früher. Nun wird alles live gespielt bei den Konzerten. Es wird keine Elektronik, keine Samples oder andere aufgezeichneten Einlagen geben, alles ganz Old School. Das ganze ist nun viel einfacher – und natürlich besser.

Ist eure Musik damit auch weniger lieb?

Ja, auf jeden Fall, aber auch viel weniger schwarz, dafür stärker. Auch hier auf dem Melt werden wir bereits die neuen Sachen spielen, Das Pop wird heute Abend schon anders klingen, als man uns kennt.

Auf eurer Website steht ausdrücklich, dass ihr die Stücke gemeinsam schreibt, ist das so aussergewöhnlich?

Das stimmt, wir alle schreiben Stücke. Nicht immer gemeinsam, aber doch alle ihre Teile. Eine Platte wird immer von uns allen sein. Übrigens machen wir seit zirka einem Monat auch sonst alles gemeinsam und selbst. Wir übernehmen das Management, die Promo, einfach alles läuft nun über uns.

Warum macht ihr alles selbst?

Um frei zu sein bei unserer Arbeit, frei von anderen Menschen und Firmen. Das alles hat uns vorher anscheinend nur gehindert. Nun sind wir unabhängig, haben alles losgelassen. Das wird man auch auf der neuen Platte hören. Alles ist neu, auch die alten Stücke.

Warum kam euer Erfolg vor allem in der Schweiz so spät, fast zwei Jahre nach Erscheinen des zweiten Albums?

Wir haben vieles selbst gemacht, auch viel der Promo. Das Album wurde in Belgien, Spanien und Deutschland einfach früher beworben und auch früher verkauft. Die Schweiz folgte halt später und damit wurde wohl auch unsere Musik erst später gespielt.

Ihr habt mit dem Produzenten von Placebo, Phil Vinall, gearbeitet. Warum habt ihr euch von ihm getrennt?

Wie gesagt, alles sollte neu sein, wir wollen mehr selbst machen. Er hat uns sehr viel gelehrt, aber mehr konnte er uns nicht bieten. Beim zweiten Album mit ihm gab es daher des Öfteren Streit. Es war Zeit für einen Wechsel. Nun arbeiten wir mit dem Produzenten von Soulwax zusammen.

Was hat euch zur neuen Platte inspiriert?

Na ja, die Arbeit am letzten Album, “The Human Thing”, hat uns am meisten zu unserem neuen Werk inspiriert. Die Musik wird jetzt frischer, abwechslungsreicher und einfacher sein. Alles soll viel weniger arrangiert klingen und damit auch etwas aggressiver.

Gab es während der Arbeit dazu einmal einen Mangel an Inspiration?

Nein, überhaupt nie, eher das Gegenteil. Wir haben zu viele Songs gemacht und es war ein grosses Problem, die richtigen auszuwählen.

Inwiefern hatte der Newcomer-Award aus dem Jahr 2001 einen Einfluss auf eure Karriere?

Eigentlich keinen. Es war nett, aber nicht mehr als das. Mittlerweile wissen wir gar nicht mehr, wo die Trophäen überhaupt sind. Ab und an kommen sie zum Vorschein und wir können uns ein wenig an ihnen freuen.

Ihr sagt, ihr werdet nun ganz ohne vorbereitete Aufnahmen auftreten. Kann man für ein Konzert eigentlich zuviel vorbereiten? Zu viele Samples und dergleichen?

Die Frage stellt sich bei uns überhaupt nicht mehr. Wie erwähnt arbeiten wir nun ganz ohne Samples. Alles wird live gespielt, reduziert auf Bass, Gitarre, Schlagzeug und Gesang, ganz pur. Man kann jetzt viel besser hören, wer was spielt, und es macht einfach viel mehr Spass. Beim Spielen müssen wir nun viel stärker sein. Wenn wir faul würden, würde man das sofort hören.

Wenn ihr Konzerte spielt, macht es für euch einen Unterschied ob ihr an grossen Festivals oder in kleinen Klubs auftretet?

Nein, uns ist das ganz egal. Wir wollen einfach begeistern. Es soll eine Interaktion mit dem Publikum geben. Das Publikum soll fürs Geld etwas bekommen, etwas ganz Spezielles, was die Menschen nicht jede Woche sehen. Das ist im kleinen wie in Basel vor einer Handvoll Leuten genau so möglich wie in Belgien vor 6000 Menschen. Es zeigt sich aber, dass das Publikum anders zusammengesetzt ist und andere Erwartungen mitbringt. In Belgien sind wir eher Mainstream und die Menschen kennen uns einfach. Hier jedoch kommen die Leute, weil sie uns wirklich hören wollen, weil sie interessiert sind.

Mainstream in Belgien, seid ihr dort eine Boygroup?

Ja, in Belgien schon ein wenig, obwohl wir nicht wissen warum. Das ist jetzt aber vorbei oder wird es wohl bald sein.

Gibt es Fragen die du nicht ausstehen kannst, bei denen du am liebsten das Interview beenden würdest?

 Hm, das sind wohl am ehesten die Fragen, die immer und immer wieder dran kommen, wie zum Beispiel warum wir uns Das Pop nennen oder wie es denn möglich sei, gleichzeitig Schlagzeug zu spielen und zu singen. Bei der Frage sage ich immer, es sei wie Autofahren und dabei noch zu reden.

Möchtest du ein paar Worte an die Schweiz richten?

Ja, klar. Ich komme sehr bald wieder in die Schweiz. Und Das Pop wird auch bald kommen. Und falls jemand aus der Schweiz nach Belgien kommt, bitte, bitte, bringt mir Rivella blau mit.

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