Kultur | 13.06.2006

Hangover räumen den Titel ab

Text von Janosch Szabo
Der Nachwuchsbandwettbewerb "Soundcheck" brachte als Sieger eine Band hervor, die die Jury in fast allen Belangen überzeugte und das Publikum begeisterte: "Hangover". In Szene setzten sich die vier Musiker nicht mit Posen sondern mit feinstem Gitarrenrock.
In Englischer Rockmanier: Lionel Hofstetter von der Siegerband "Hangover". Der Gitarrist von "The Smiles" hat fantastische Riffs drauf. Das Publikum lässt sich den Tanz an der Sonne nicht nehmen. Der Bassist von "Hangover", Gregor Kaufeisen, greift in die Saiten. Glückliche Sieger: Die vier Hangover-Rocker aus Nidau. Der Gitarrist von "The Smiles" wirft sich in Pose. Cool, und jeder Ton sitzt: Jan Hofer von "Vane". Julia Portmann berührt mit ihrem Gesang die Zuhörer. Modern Day Heroes lassen es krachen am Erlenfest.

“Die Welt braucht Bands”, sagte Produzent Serge Christen, als er mit den anderen Jurymitgliedern auf die Bühne trat, um die Gewinner der dritten Ausgabe von “Soundcheck”, dem regionalen Nachwuchsbandwettbewerb, bekannt zu geben. Doch bevor er das tat, wollte er betont haben, dass alle teilnehmenden Bands das Potenzial hätten in eine erfolgreiche Zukunft zu starten. Die Devise: “Einfach weitermachen”.

Dass sich das lohnt, zeigt sich eindrücklich am Beispiel “Hangover”. Die jungen Rocker aus Nidau waren schon beim letztjährigen Soundcheck-Finale dabei, nahmen die Kritiken der Jury ernst, arbeiteten intensiv an ihrer Musik und holten sich dieses Jahr den Sieg.

Mit Stil und ohne grosse Posen

Hangovers Auftritt am Erlenfest war ein Rockkonzert erster Klasse. Dabei konzentrierten sich Lionel Hofstetter, Gregor Kaufeisen, Lucas Hallauer und Rico Walter vor allem auf ihren gitarrenlastigen Sound und verzichteten auf grosse Posen. Das machte sie stark und passte perfekt zur sommerlichen Nachmittagsatmosphäre, die ohnehin ein wildes Rock-Spektakel nicht ertragen hätte. So standen an Stelle von haarschüttelnden Rockern in spektakulärer Bühnenlichtshow vier junge Männer in ästhetischer englischer Manier auf den Brettern und schwitzten in der Nachmittagssonne. Jeder Ton sass perfekt, die Gitarren rockten, Schlagzeuger Rico hantierte hervorragend im Hintergrund und Leadsänger Lionel überzeugte mit seiner Stimme. Der Stil von Hangover ist, laut eigenen Angaben, ein Gemix aus Grunch, Nu-Metal und Punk-Rock.

Es passte wirklich praktisch alles zusammen an diesem Finale, die hochwertige Jury hatte kaum etwas auszusetzen. “Hangover” können sich jetzt auf Studiotage freuen, auf ihren Auftritt am diesjährigen pod’ring im Juli und eine professionelle Bandbiographie. Letztere bekommen alle Bands, die den Final bestritten haben. 

Treibende Rhythmen, packende Riffs

Dafür, dass der Jury die Wahl des Siegers dennoch nicht leicht fiel, sorgten die anderen ebenfalls auf hohem Niveau spielenden Bands. Vor allem “Pacomé”, die mit ihrem Funk-Rap überzeugten, aber, wie schon kürzlich am “Gotsound”-Bandwettbewerb, “nur” auf den zweiten Platz kamen. Trotzdem eine tolle Leistung, und mit dem Motto “einfach weitermachen” vor Augen klappts ja vielleicht am nächsten Soundcheck.

Zu den Finalisten gehörten ausserdem “Santacorn” und “The Smiles”. Letztere liessen es richtig krachen bei den Erlen in Brügg. Schon früh am Nachmittag durften sie ran und schafften es tatsächlich mit einem packenden Einstieg das jugendliche Publikum zu fesseln und zum Tanzen zu bringen. “Chömät no chli fürä und rockät” rief Sänger Paedu und heizte dann mit seiner kratzigen rauen Stimme kräftig ein, während sich die Gitarristen links und rechts von ihm in Pose warfen. Ihre Riffs spielten sie souverän und auch der Schlagzeuger liess, energiegeladen den Takt vorgebend, nichts anbrennen. Trotzdem gabs für Jurymitglied Serge Christen einen Schwachpunkt: Das Zusammenspiel. Und noch etwas liessen die vier Bürener vermissen: Das Lächeln, das ihr Bandname verspricht.

Sprühende Freude

Dafür versprühten “Santacorn” umso mehr Freude an der Musik, als sie auf die Bühne durften. Speziell der Sänger strahlte wie ein Maikäfer. Der Mix aus seidenfeinen, popigen, fast schon ein wenig kitschigen Balladen und krachenden Heavy Metal und Punk Einlagen entzückte vor allem das tanzfreudige Publikum. Die Bühnenpräsenz einiger Bandmitglieder blieb aber blass. So versteckte sich die musikalisch an sich überzeugende Bassistin regelrecht im Hintergrund. Ein Kompliment gabs von der Jury für die Ausgeglichenheit von Männern und Frauen in der Band. Es sind jeweils 3.

Tolle Bands bis zur Mitternachtsstunde 

Nach dem Soundcheck-Finale war in Brügg auf der Erlenfest-Bühne noch lange nicht ausgespielt. Noch im letzten Sonnenlicht gaben die letztjährigen Gewinner “Vane” ihren Auftritt. Ihr Blues macht glücklich, die Riffs und Melodien sitzen perfekt und die Stimme von Sängerin Julia Portmann ist berührend und wunderschön.

Einiges schneller und fetziger kamen danach “Pegasus” daher, die Sieger des ersten Soundchecks im Sommer 2003. Ihre Rock’n’Roll-Sause brachte die jungen Fans zum Tanzen und Kreischen.

Später folgten “Modern Day Heroes” mit Serge Christen am Gesang und an der Gitarre, und zu später Stunde setzten “Scream” vor begeistertem Publikum einen Schlusspunkt unter das Erlenfest, das wieder einmal super Wetter und viel Gäste verzeichnen konnte.

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