Sport | 25.06.2006

Ein Traum, der sich erfüllt

Endlich einmal eine Fussballweltmeisterschaft, welche nicht allzu weit weg vom eigenen Land ist. Hat man eines der heiss begehrten Tickets, kann die Reise nach Deutschland beginnen.
Bild: Julian Perrenoud Das WM-Stadion in idyllischer Umgebung Verrückte Fussballfans in Deutschland Das Zentrum von Hannover fest in Schweizer Hand Vorbereitung für das grosse Spiel Match-Übertragungen auf Grossleinwand im "Fan Fest" Das Stadion von Hannover 96 wurde 2005 eingeweiht Rund 30'000 Fans reisten aus der Schweiz an Riesenfreude beim Treffer zum 2:0

Einmal im tiefen Winter wurde der Plan gefasst: In diesem Jahr würde man ein Weltmeisterschaftsspiel der Schweiz in Deutschland besuchen, koste es (fast) was es wolle. Über Ebay konnten schlussendlich zwei Tickets für das Spiel in Hannover gegen Südkorea ergattert werden. Das Warten hatte vergangenen Donnerstag ein Ende, das 35-Stunden-Abenteuer konnte beginnen.  

Donnerstag, 21.00 Uhr, Basel SBB: der CityNightLine nach Berlin mit Halt in Hannover beginnt sich immer mehr mit Schweizer Fans zu füllen. Fröhlich und laut ist die Stimmung unter den rot-weiss gekleideten Sportbegeisterten sowohl aus der deutschen, als auch der französischen und italienischen Schweiz. Die ersten Bierflaschen werden geöffnet und Fässchen angezapft.   

Freitag, 00.30 Uhr, irgendwo in Deutschland: Die feucht-fröhliche Party neigt sich dem Ende zu und die wenigen deutschen Fahrgäste finden endlich ihren verdienten Schlaf. Die Klimanlage scheint nicht zu funktionieren, im Zug ist es tropisch heiss.  

05.15 Uhr, Hannover Hbf: der Zug hält am Hannover Hauptbahnhof, früher als erwartet. Hastig packen die Fans ihre Habseligkeiten zusammen und verlassen gähnend den Ruhesesselwagen. Nur wenige Leute sind bereits auf den Beinen. Einzig ein Bistro ist geöffnet, in welches man sich müde hinein schleppt.  

08.30 Uhr, Innenstadt: Nach einer Pause und dem Frühstück gilt es nun, den Hannovern zu zeigen, dass die Schweizer angekommen sind. Mit Fahnen und Tröten ziehen einige Fans bereits zum WM-Stadion, um einen ersten Blick auf den Schauplatz des letzten Gruppenspieles zu werfen. Auf dem Weg dorthin wird lautstark auf sich aufmerksam gemacht. Die deutschen Gastgeber hupen mit ihren Autos auf den Strassen freudig mit.  

12.00 Uhr, Platz bei Kröpke: Die Strassen werden von einer rot-weissen Welle überflutet. Tausende von Schweizern, welche privat, mit Extrazügen, Reisecars und Flugzeugen angereist sind, finden sich im Zentrum der Stadt ein. Das Feiern beginnt. Auch eine grosse Zahl koreanischer Anhänger erreicht die Fanmeile. Fotos mit geschminkten Fans aus der Schweiz sind heiss begehrt. Die Atmosphäre ist locker, man geht sehr freundschaftlich miteinander um, jeder freut sich auf den Abend.  

17.00 Uhr, Fan Fest: Als Einstimmung auf das letzte Spiel der Schweizer schauen viele der angereisten Fans die Partie zwischen Spanien und Tunesien. Einige Fans nutzen die Zeit, um sich auf einer der vielen Grünflächen in der Stadt auszuruhen.   

18.30 Uhr, Stadion: Die Tore des Stadions öffnen sich und die ersten Anhänger strömen ins weite Rund. Die Sicherheitskontrollen verlaufen schnell. Die Tickets werden auf die Echtheit geprüft, keine Spur von Personenkontrolle. So kommen auch Fans, welche ihr Ticket erst in den letzten Minuten vor Spielbeginn vor dem Stadion ergattern konnten, zu ihrem Genuss.  

21.00 Uhr, Spielbeginn: das Stadion ist proppenvoll. 43’000 Fans finden sich auf ihren Plätzen ein, ehe das Spiel beginnt. Über 30’000 Schweizer sind es, wird geschätzt. Weitere 30’000 verfolgen das Spiel auf Grossleinwänden in der Innenstadt oder beim Fan Fest. Die Spannung und die prickelnde Atmosphäre sind kaum zu übertreffen.  

23:00 Uhr, Abpfiff: Aus, das Spiel ist vorbei. Die Schweiz liegt sich in Hannover in den Armen. Die Mannschaft wird von den Fans frenetisch gefeiert. Kaum einer hat das Stadion verlassen. Ausserhalb der Arena und im Zentrum der Stadt geht die Party erst so richtig los. Für einige geht es bald wieder zurück in die Schweiz.  

00.00 Uhr, Hannover Hbf: Etwas müde und total heiser steigen die Fans in den ersten Extrazug nach Basel. Die Emotionen gehen noch immer hoch, doch bald einmal während der Fahrt überkommt den einen oder anderen der Schlaf.  

Samstag, 08.00 Uhr, Basel SBB: Verschlafen, aber total zufrieden steigen die Fans aus dem Zug und werden von anderen Fahrgästen freudig begrüsst. Das WM-Abenteuer ist zu Ende. Beim rund 500 Franken teuren Ausflug hat sich jeder Rappen gelohnt. Was bleibt sind tolle Erinnerungen an eine unvergessliche Zeit zu Gast bei Freunden.

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