Eine Nahaufnahme vom Nahen Osten

Immer lächelt er, immer sieht er aus wie ein Sieger: Saddam Hussein, als der Irak noch ihm gehörte. Kilomètre Zero ist voller Anspielungen auf den Diktator. Mehrmals filmt die Kamera minutenlang eine Saddam-Statue vom Hals ab aufwärts. Auf diese Weise sieht der Zuschauer nur den Kopf und die eiserne, erhobene Faust. Ein besseres Sinnbild für den grossen Tyrannen lässt sich schwerlich finden. Trotzdem geht es in dieser Geschichte nicht um Saddam. Der Regisseur Hiner Saleem, der 1964 im irakischen Kurdistan geboren wurde, erzählt die Geschichte eines Kurden, der 1988 unfreiwillig in den damals tobenden Krieg zwischen Iran und Irak hineingezogen wird. Ako lebt mit seiner Frau Selma im Bergland von irakisch Kurdistan und würde am liebsten abhauen. Wenn da nicht Selmas Vater wäre, der zwar praktisch tot ist, aber theoretisch immer noch lebt. Der fluchende alte Mann ist der einzige Grund, warum Selma und Ako die Gegend noch nicht verlassen können

Ein Grund zur Hoffnung

Bereits zu Beginn des Films zeigt sich der herrliche Humor des Filmemachers. Je trauriger und unwürdiger die Situation für seine Protagonisten wird, desto mehr bringt er uns zum Lachen. In einem Interview sagte Hiner Saleem: „Was den Humor betrifft, den habe ich möglicherweise von meinem Grossvater geerbt. Er sagte: Unsere Vergangenheit ist traurig, unsere Gegenwart tragisch, aber zum Glück haben wir keine Zukunft.“ Während Saleems Grosvater auf diese Art einen ironischen Kommentar zum unterdrückten Volk der Kurden machte, gibt der Regisseur selbst mit dem Titel seines neuen Films ein Statement zum gesamten Irak ab: „Kilomètre Zero meint, dass wir immer noch am selben Punkt stehen: Der Irak wurde vor achtzig Jahren erfunden und hat seither keinen Schritt nach vorne gemacht. Das kann einen zur Verzweiflung bringen oder aber ein Grund zur Hoffnung sein.“ Ein Grund zur Hoffnung ist auf jeden Fall dieser Film, mit all seinen grotesken und zärtlichen Szenen und seiner nahen Vewandtschaft zum Roadmovie. Kurz: Wertvollstes Kino.

4 unvergessliche Tage

Tag 1. Ein-Euro-Bier

Ich habe meinen Schlafsack im Zug vergessen, dabei ist es nicht mal meiner. Das fängt ja schon gut an. Die anderen Jugendlichen, die ich im Bus treffe, sind nicht gerade gesprächig, es ist still und jeder geht seinen eigenen Dingen nach. Am Camp angekommen ist dies nicht gross anders, es scheint eine Hemmschwelle zu geben, die noch nicht überwunden ist. Doch mit der Zeit habe ich mich eingelebt und fange an, mich mit den Menschen zu unterhalten. Die Jungs, welche mit mir im selben Zelt übernachten werden, scheinen ganz in Ordnung zu sein, kommen alle aus dem Schwabenland und haben einen Humor, den ich mag.

Nach ein bisschen Smalltalk und Umherschlendern auf dem Gelände entdecke ich die Aloe-Bar respektive die Aloe-Bar-Bierpreise. Wahnsinn, für einen Euro, richtiges Flaschenbier zum Einkaufspreis. In dieser Bar gibt es auch noch eine Leseecke mit verschiedenen Zeitschriften aus den drei Teilnahmeländern. Die Schweiz ist nicht gerade vorteilhaft vertreten: Migros-Magazin und 20 Minuten liegen da rum. Eignet sich aber hervorragend um verschüttetes Bier aufzuwischen.

Die Zelte und Bereiche haben alle schöne Namen. Namen wie Seychellen, Tunesien oder Malediven. Doch mal abgesehen davon erinnert mich hier nichts an eine tropische Gegend. Es ist kalt, saukalt, richtig polarisch.

Der Abend gestaltet sich durch interessante Gespräche in der Bar und Ukulelenspielen im Zelt. Irgendwann werde ich müde und möchte schlafen, doch diese Schwaben wollen einfach nicht aufhören zu quatschen und zu singen. Wie aufgeregte, hyperaktive Pfadfinder quasseln  und faseln sie die ganze Nacht und fast den ganzen Morgen lang. Wenigstens lenkt das Gerede von der eisigen Kälte ab.

  

Tag 2. Kreatives Blablabla

Müde. Um in die Gänge zu kommen brauche ich erstmal einen überzuckerten Kaffee und eine Zigarette, doch so richtig schaffe ich den Einstieg in den Tag nicht. Es geht dennoch los mit Workshops. Der Leiter vom Workshop, den ich besuche (Kreatives Schreiben), ist ein schätzungsweise 25-jähriger Student. Auch er redet viel, sehr viel sogar, und das noch aussergewöhnlich schnell, ohne Punkt und Komma. Wie ein Berliner eben. Zwar ist es oft sehr unterhaltsames, wissenswertes Zeugs, was da rauskommt, aber einfach zu schnell, so dass man gar nicht wirklich folgen kann, jedenfalls nicht wenn man so müde ist wie ich. Es erinnert ein bisschen an „Die Sendung ohne Namen“, welche ich mir früher immer gerne angesehen habe. Aber wir bekommen auch noch die Möglichkeit praktisch tätig zu sein. Wir setzen uns am Bodensee in der Kälte nieder und bringen zu Papier, was uns gerade so durch den Kopf geht. Kreativ eben. Der Rest des Tages und des Abends ist sehr gemütlich und ich treffe einige nette Menschen, bin aber so müde, dass ich schon bald schlafen gehen muss, doch dieses Mal in einem eigenen Zelt. Vom Palma del roten ins Solorar und wieder ist es arschkalt und es dauert eine Weile, bis ich im Reich der Träume versinke.

  

Tag 3. Trinken, rauchen und schreiben

Ein richtig schöner Morgen. Die Sonne scheint und ich bin erstaunlich fit. Um den Start in den Tag noch zu erleichtern, gönne ich mir zum Frühstück einen überzuckerten Kaffee und eine Zigarette. Dann geht es weiter mit dem Workshop: ein bisschen schreiben, ein bisschen zuhören und ein bisschen entspannen. Um die Kreativität noch zu steigern, begann ich relativ früh mit dem Bierkonsum. Das hat sich wunderbar bewährt. Trinken, rauchen und schreiben ist eine wundervolle Kombination, daran könnte ich mich echt gewöhnen. Es ist ein phantastischer Tag.

Am Abend schaue ich mir die Präsentationen der verschiedenen Workshops an, denn es ist leider schon der letzte Abend. Diesen geniesse ich aber noch in vollen Zügen und versuche nicht an ein Morgen zu denken.

Tag 4. Trauriger Abschied

Oh, wie mein Kopf schmerzt, als ob eine Herde Wasserbüffel darüber getrabt wäre. Die Erinnerung an die letzten abendlichen Stunden ist schwach und ich bin dem Verdursten nahe. Nicht einmal ein überzuckerter Kaffee und eine Zigarette können mich aufpeppen.

Wir bekommen noch die Campzeitung, an welcher die Leute im Zeitungsworkshopdie ganze Nacht gearbeitet haben, während der Rest am Feiern war. Das Ergebnis ist es jedenfalls wert. Die Leute verabschieden sich nach und nach. Nach langem Warten auf eine bestimmte Fotografin, was auch etwas Schönes hat, machen schliesslich auch wir uns auf den Weg. In Schaffhausen essen wir noch mit alten und neuen Freunden Pizza und nach einem traurigen Abschied geht jeder wieder seinen eigenen Weg. Das Camp ist vorbei.

Fazit

Nach dem Camp wurde ich sogleich zwei Tage krank. Bodenseecampfieber nennt man das wohl. Und es ging mir nicht so gut. Bodenseecampdepression. Es war ein sehr schönes Erlebnis. In Worten schwer auszudrücken. Nur einen, vielleicht zwei Nachteile hatte die ganze Sache: Es war viel zu kurz, wirklich viel zu kurz und viel zu kalt, so was von viel zu kalt. Sonst wäre es perfekt gewesen.

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Afrika in Zürich

Das Kulturfestival Integration gibt es nun bereits seit zehn Jahren. Gegründet wurde es mit den Zielen, soziale Themen aufzugreifen und schwarzen Künstlern, Intellektuellen und Interessierten einen Platz zum Austausch mit der Öffentlichkeit bieten zu können.

Dieses Jahr liegt der Schwerpunkt bei der Integration selbst und wird mit der Veranstaltung “Begegnung Nord-Süd” aufgegriffen. Diese hat für jeden Geschmack etwas passendes zu bieten. Die Auswahl geht von Mal- und Tanzworkshops über Filme und Kunstausstellungen bis zu Vorlesungen. Auch der Geldbeutel wird sich freuen, da das meiste kostenlos ist.

Deine Meinung ist gefragt!

Zwei Höhepunkte werden sicherlich die Podiumsdiskussion zum Thema Armut in Afrika und über Emigration sein. Verschiedene Teilnehmer aus der Schweiz, dem Kongo, Kamerun und Uganda werden über ihre Erfahrungen sprechen und laden auch das Publikum zur aktiven Teilnahme ein.

Wer nichts sagen, dafür zuhören und sehen will, kommt an den Literaturtagen auf seine Kosten. Professionelle Schauspieler tragen Ausschnitte aus vier Werken der afrikanischen Literatur zum Thema Migration und Integration vor. Drei weitere Autoren stellen Teile ihrer Bücher vor und sprechen über eigene Migrationserfahrungen.

Damit die Begegnung auch wirklich nicht zu kurz kommt, steht während des ganzen Festivals eine Palaverecke offen. Sich gegenseitig kennen lernen, diskutieren und Spass haben steht im Vordergrund. Am Samstag und Sonntag moderieren Studentinnen und Studenten der Hochschule für soziale Arbeit Diskussionen zu brisanten aktuellen Themen.

Musik für mehr Toleranz

Natürlich darf auch die Musik nicht fehlen. Auf der offenen Bühne beim Helvetiaplatz animieren unter anderem La Colombe Evangélique, Emashie Joel Gleam und Naghma zum Hüftschwung. Die Lionkingz DJ Crew und DJ Jesaya laden freitags zur Hiphop-Party und die K.O.S. Crew, Ruff Pack und Baddis Crew locken am Samstagabend mit Reggae, Ragga und Dancehall ins Zeughaus 5.

Für Jugendliche wird zum dritten Mal ein Forum zum Thema Rassismus durchgeführt. Dieses soll  den gegenseitigen Respekt und das Engagement für Toleranz fördern. Die Rapformationen D. I. C., C4Style und Bilingue aus Zürich sowie Schülerinnen und Schüler der Sekundarschule Horgen zeigen mit ihrer Musik bereits die ersten Schritte in die gewünschte Richtung. Neben ihrem Auftritt schildern sie auch eigene Erfahrungen und leiten so in eine Diskussionsrunde ein.

Mit dem Film „Voices in Transit“ von Hannah Salzer und Philip Hofmänner soll das Thema weiter sensibilisiert werden. In der Dokumentation werden vier Porträts afrikanischer Asylsuchender gezeigt und so auf viele Seiten der Migration hingewiesen.

Ausserdem werden auf dem Helvetiaplatz während aller drei Tage ein Afro-Markt und weitere musikalische Darbietungen stattfinden. Auch die Ausrede, dass man noch Fussball gucken will und deshalb nicht kommen kann, zieht hier nicht. Die Spiele werden live und auf Grossleinwand übertragen.

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Mehr Lebensraum

Raumplaner haben es schwer. Hingerissen zwischen Architektur, Juristik, Soziologie und den verschiedenen Interessen der Bevölkerung (Jugendliche, Senioren etc.) müssen sie schwere Entscheidungen treffen. Da fühlt sich schnell mal eine Zielgruppe benachteiligt. Die Hochschule für Technik Rapperswil (HSR) hat sich vorgenommen, diesem Missstand ein Ende zu bereiten. Zumindest für Jugendliche. Diese haben die Möglichkeit, an einem Wettbewerb für Raumgestaltung teilzunehmen.

Wenn du also unzufrieden bist, weil deine Gemeinde die Aarebänkli diesen Sommer nicht wieder aufgestellt hat und man in der Altstadt nicht skaten kann, oder auch wenn du sonst ein Problem mit deiner Umgebung hast, dann melde dich an und reiche deine Idee ein. Genaue Teilnahmebedingungen findest auf der Projektwebsite. Anmeldeschluss ist am 30. September 2006.

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Wachsendes Jugendmediennetzwerk

Als vor zwei Jahren in Berlin die Europäische Jugendpresse (EYP) gegründet wurde, war unklar, wie schnell und ob überhaupt sich diese neue internationale Jugendmedienbewegung in Europa ausbreiten würde.

Dank unglaublichem Engagement der Mitgliederländer sind die Erwartungen weit übertroffen worden. Andreas Renggli von Tink.ch, der für Junge Medien Schweiz im Vorstand der EYP sitzt, nennt einige Beispiele: “Aufgrund der neuen Kontakte haben seit 2004 bereits drei internationale Jugendmedienprojekte in der Schweiz stattgefunden. Auch das Bodenseecamp, ein Medienlager für Jugendliche aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, ist aus einer Idee dieses Netzwerkes entstanden. Und schliesslich sind junge Schweizer Medienmacherinnen und Medienmacher über die EYP bereits nach Berlin, München, Hamburg, Schwerin, Wien, Budapest, Stockholm und Skopje eingeladen worden.”

Damit die EYP auch da wirken kann, wo die europäische Politik gemacht wird, will die Organisation im kommenden Herbst ein Jugendmedienbüro in Brüssel eröffnen. Am Planungstreffen vom 24. und 25. Juni in Berlin sind die notwendigen Schritte eingeleitet worden.

Weitere Projekte für dieses Jahr sind unter anderen eine Konferenz in Berlin, ein Projektleitungskurs in Moldawien, die Lancierung einer internationalen Fotoplattform sowie ein Medienseminar in der Schweiz.

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Kein Ausgang für Merdita

Entscheidend ist dabei nicht, ob sich die Braut respektive der Bräutigam bei der Zeremonie lauthals zur Wehr setzt. Entscheidend ist die Frage, ob er oder sie im Vorfeld eine reelle Chance hatte, den für sie arrangierten Bund für das Leben abzulehnen.

Merita, eine im Dokumentarfilm portraitierte junge Frau, verliebte sich mit 17 Jahren. Ihre Eltern waren erbost und liessen sie für eine Weile nicht mehr aus dem Haus, auch nicht zur Schule. Als die Eltern ihr mit einer Verheiratung drohten, traf sie eine folgenschwere Entscheidung: Sie riss ohne Geld und Berufsausbildung von Zuhause aus. So wie Merita ergeht es auch anderen Jugendlichen in unserem Umfeld. Sie stehen vor der Wahl, sich entweder den elterlichen Eheplänen zu beugen oder aber auf die persönliche Freiheit zu setzen, was die eigene Familie zuweilen mit Verleumdung oder gar Abbruch der Beziehung erwidert.

Bei uns auch ein Thema?

Dies ist keine Geschichte aus Südosteuropa oder dem fernöstlichen Asien. Die im nüchtern gehaltenen Film porträtierten Menschen leben mitten unter uns in den Kantonen Luzern, Zug und Thurgau. Seyran AteŠŸ, eine extra nach Luzern angereiste deutsch-türkische Frauenrechtsexpertin, erläuterte in ihrem Vortrag, dass nebst jungen Mädchen auch Knaben dasselbe Schicksal erführen. Wird ein Mädchen in eine befreundete Familie verheiratet, könne schon mal eine Verkuppelung der neuen Schwägerin mit dem eigenen Bruder folgen.

Zwangsheirat ist also nicht nur ein Frauenthema. Ebenso wenig ist es ein an einzelne Religionen gekoppeltes Phänomen. Rosmarie Zapfl-Helbling, Zürcher Nationalrätin und Europaratsmitglied, erinnerte daran,dass das Konkubinat bis vor wenigen Jahrzehnten in der katholischen Kirche verboten war und der Wunsch eines Paares auf das Zusammenleben ausschliesslich über die Vermählung führte.

Während sich die strengen Sittenregeln inzwischen mancherorts gelockert haben, orientieren sich andere Menschen nach wie vor stark an ihren Traditionen. Die in Fachkreisen sehr bekannte Seyran AteŠŸ schilderte aus eigener Erfahrung die omnipräsente soziale Kontrolle. Verwandte, Nachbarn und Dorfleute hielten immer und überall ein Auge auf die Mädchen und Frauen. Fallen diese durch unkonventionelles Verhalten auf, würden sie das Familienbild beschmutzen und die Ehre des Vaters verletzen. Zwar könne die Tochter den guten Familienruf zwar nicht aufbauen, ihn aber sehr wohl massiv beeinträchtigen – was für die Mädchen und Frauen ein ungeheurer Druck darstelle.

Die Ursachen von Zwangsheirat, bekräftigte die Moderatorin Gisela Hürlimann, seien demnach in einer Mischung aus Kultur, Religion, Tradition und Geschlechterfragen zu orten. Deshalb müsse die Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit auf unterschiedlichen Ebenen erfolgen, was nun endlich auch in der Schweiz langsam anlaufe.

Hilfe für Jugendliche

Eine Eheschliessung darf frühestens im Alter von 18 Jahren erfolgen, so steht es in unserem Zivilgesetzbuch geschrieben. Drängen Eltern Jugendliche zum Ja-Wort, indem sie zum Beispiel jahrelange Vorbereitungen treffen und ihr eigenes Glück in einem solchen Masse vom anstehenden Hochzeitsfest abhängig machen, dass die Tochter oder der Sohn sich erst gar nicht wagt, nein zu sagen, so läuft dies dem geltenden Recht zuwider. Sobald sich die Zeichen einer Zwangsheirat mehren, sollte die betroffene Person aktiv werden. Bringt das direkte Gespräch mit den Eltern keinen Erfolg, so ist der Weg zu einer Beratungsstelle angezeigt, die je nach Fall auch den Dialog mit den Eltern sucht oder gar eine Vermittlungsrolle übernimmt.

Tradition endet dort, wo Rechte verletzt werden

„Eine Ehe darf nur im freien und vollen Einverständnis der künftigen Ehegatten geschlossen werden.- So steht es in der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948. Die freie Partnerwahl gehört dementsprechend genauso zu den Grundrechten wie das Recht auf Leben, das Recht auf einen Namen und eine Staatsangehörigkeit.


Beratungsstellen

Tink.ch hat für betroffene Jugendliche drei Fachstellen ausfindig gemacht. Die Kontaktaufnahme ist unverbindlich und gratis. Das Beratungsteam ist übrigens an die Schweigepflicht gebunden und darf keine Informationen weitergeben – auch nicht an Familienmitglieder.

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Eventreportage am Bieler Pod’Ring 2006

Tink.ch bietet am Pod’Ring Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter zwischen 16 und 25 Jahren die Möglichkeit bei einer Eventreportage mitzumachen. Die vielfältige Kulturwoche in der Bieler Altstadt bietet dafür eine Menge Themen.

Während drei Tagen werden die jungen Medieninteressierten in einem lockeren und spontanen Rahmen Einblick in die Arbeit auf der Redaktion erhalten. Nach kurzen Einführungen ins journalistische Schaffen sollen sie gleich erste Erfahrungen in der Praxis sammeln und zusammen mit Janosch Szabo und Milena Geiser von Tink.ch Biel die Reportage gestalten. Interessierte können sich online anmelden.

Treffpunkt für den Startschuss der Eventreportage und eine erste Redaktionssitzung ist das Infocafé von Jugend + Freizeit Biel an der Eisengasse 6 am Freitag, dem 14. Juli, um 14 Uhr. 

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Ein Traum, der sich erfüllt

Einmal im tiefen Winter wurde der Plan gefasst: In diesem Jahr würde man ein Weltmeisterschaftsspiel der Schweiz in Deutschland besuchen, koste es (fast) was es wolle. Über Ebay konnten schlussendlich zwei Tickets für das Spiel in Hannover gegen Südkorea ergattert werden. Das Warten hatte vergangenen Donnerstag ein Ende, das 35-Stunden-Abenteuer konnte beginnen.  

Donnerstag, 21.00 Uhr, Basel SBB: der CityNightLine nach Berlin mit Halt in Hannover beginnt sich immer mehr mit Schweizer Fans zu füllen. Fröhlich und laut ist die Stimmung unter den rot-weiss gekleideten Sportbegeisterten sowohl aus der deutschen, als auch der französischen und italienischen Schweiz. Die ersten Bierflaschen werden geöffnet und Fässchen angezapft.   

Freitag, 00.30 Uhr, irgendwo in Deutschland: Die feucht-fröhliche Party neigt sich dem Ende zu und die wenigen deutschen Fahrgäste finden endlich ihren verdienten Schlaf. Die Klimanlage scheint nicht zu funktionieren, im Zug ist es tropisch heiss.  

05.15 Uhr, Hannover Hbf: der Zug hält am Hannover Hauptbahnhof, früher als erwartet. Hastig packen die Fans ihre Habseligkeiten zusammen und verlassen gähnend den Ruhesesselwagen. Nur wenige Leute sind bereits auf den Beinen. Einzig ein Bistro ist geöffnet, in welches man sich müde hinein schleppt.  

08.30 Uhr, Innenstadt: Nach einer Pause und dem Frühstück gilt es nun, den Hannovern zu zeigen, dass die Schweizer angekommen sind. Mit Fahnen und Tröten ziehen einige Fans bereits zum WM-Stadion, um einen ersten Blick auf den Schauplatz des letzten Gruppenspieles zu werfen. Auf dem Weg dorthin wird lautstark auf sich aufmerksam gemacht. Die deutschen Gastgeber hupen mit ihren Autos auf den Strassen freudig mit.  

12.00 Uhr, Platz bei Kröpke: Die Strassen werden von einer rot-weissen Welle überflutet. Tausende von Schweizern, welche privat, mit Extrazügen, Reisecars und Flugzeugen angereist sind, finden sich im Zentrum der Stadt ein. Das Feiern beginnt. Auch eine grosse Zahl koreanischer Anhänger erreicht die Fanmeile. Fotos mit geschminkten Fans aus der Schweiz sind heiss begehrt. Die Atmosphäre ist locker, man geht sehr freundschaftlich miteinander um, jeder freut sich auf den Abend.  

17.00 Uhr, Fan Fest: Als Einstimmung auf das letzte Spiel der Schweizer schauen viele der angereisten Fans die Partie zwischen Spanien und Tunesien. Einige Fans nutzen die Zeit, um sich auf einer der vielen Grünflächen in der Stadt auszuruhen.   

18.30 Uhr, Stadion: Die Tore des Stadions öffnen sich und die ersten Anhänger strömen ins weite Rund. Die Sicherheitskontrollen verlaufen schnell. Die Tickets werden auf die Echtheit geprüft, keine Spur von Personenkontrolle. So kommen auch Fans, welche ihr Ticket erst in den letzten Minuten vor Spielbeginn vor dem Stadion ergattern konnten, zu ihrem Genuss.  

21.00 Uhr, Spielbeginn: das Stadion ist proppenvoll. 43’000 Fans finden sich auf ihren Plätzen ein, ehe das Spiel beginnt. Über 30’000 Schweizer sind es, wird geschätzt. Weitere 30’000 verfolgen das Spiel auf Grossleinwänden in der Innenstadt oder beim Fan Fest. Die Spannung und die prickelnde Atmosphäre sind kaum zu übertreffen.  

23:00 Uhr, Abpfiff: Aus, das Spiel ist vorbei. Die Schweiz liegt sich in Hannover in den Armen. Die Mannschaft wird von den Fans frenetisch gefeiert. Kaum einer hat das Stadion verlassen. Ausserhalb der Arena und im Zentrum der Stadt geht die Party erst so richtig los. Für einige geht es bald wieder zurück in die Schweiz.  

00.00 Uhr, Hannover Hbf: Etwas müde und total heiser steigen die Fans in den ersten Extrazug nach Basel. Die Emotionen gehen noch immer hoch, doch bald einmal während der Fahrt überkommt den einen oder anderen der Schlaf.  

Samstag, 08.00 Uhr, Basel SBB: Verschlafen, aber total zufrieden steigen die Fans aus dem Zug und werden von anderen Fahrgästen freudig begrüsst. Das WM-Abenteuer ist zu Ende. Beim rund 500 Franken teuren Ausflug hat sich jeder Rappen gelohnt. Was bleibt sind tolle Erinnerungen an eine unvergessliche Zeit zu Gast bei Freunden.

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“Eine grosse Herausforderung für Brügg”

Nachwuchsbandwettbewerb, WM-Zelt, Kinderfest, Elterkonzert, Festwirtschaft und verschiedene musikalische Höhepunkte: Das Erlenfest 2006 hatte Einiges zu bieten und avancierte während drei Tagen zum farbenfrohen Openair für Jung und Alt. Möglich machten es rund 50 Jugendliche aus Brügg, die zusammen mit Jugendarbeiter Andi Gehri und noch ein paar anderen Erwachsenen Vollgas gaben. Gemeinsam übernachteten sie im Staff-Zeltlager am Rande des Festivalgeländes, gleich bei den Erlen, von wo aus sie das Openair koordinierten und anfangs am Donnerstag und Freitag sogar noch zur Schule gingen.  

Anpacken, wo es was zu tun gibt

Zu tun gab es am Erlenfest jede Menge. Jeder und Jede gehörte einem der acht Teams an und hatte damit seinen Zuständigkeitsbereich, packte natürlich aber auch mal in einer anderen Gruppe mit an, wenns nötig war. „Vor dem Erlenfest musste ich eigentlich nur den Festführer machen und jetzt helfe ich mal hier und mal da. Das ist schon recht stressig”, sagte die 14-jährige Lali Kasibova-Stauffer vom Team Werbung & Presse und fügte an: “Es macht Spass. Ich finde es gut, dass wir hier mitmachen können. Alle Kollegen sind hier und wir machen etwas gemeinsam.“  

Staff-Leute auf dem Festgelände

In ihren blauen T-Shirts mit der gelben Aufschrift “Staff” waren die Jugendlichen überall zu sehen, hinter der Bar, zwischen den Zuschauern beim Müll aufsammeln, am Regler für die Bühnenbeleuchtung, auf der Bühne als Ansager, auf dem Parkplatz oder unterwegs mit der Filmkamera. Zu Letzteren, also zum Team DVD, gehörte auch Christian Lüdi. Er erzählte: „Im Vorfeld haben wir besprochen, was wir filmen wollen und wen wir von welcher Gruppe interviewen möchten. Jetzt während dem Fest müssen wir sehr viel arbeiten, jeden Tag fotografieren, filmen und Interviews machen.“ Das Endprodukt, eine DVD, bekommen alle Jugendlichen, die am Erlenfest mitgewirkt haben, geschenkt.  

“Das Erlenfest bringt viel Freude”

Wie Christian war auch Claudio Brönnimann schon zum zweiten Mal dabei, aktiv dieses Jahr im Team Chrut u Chabis. „Das wichtigste war bald einmal, dass wir das WM-Zelt organisieren und schauen, dass Beamer und Leinwand vorhanden sind. Dann galt es zu überlegen, wie wir das VIP-Lokal gestalten wollen und wie der Verkehr geregelt wird. Wir haben die Feuerwehr angerufen und sie gebeten, dass sie uns helfen kommen, blickte er zurück, betonte dann aber: „Die meiste Arbeit haben wir jetzt während dem Festival. Wir müssen schauen, dass der Beamer im WM-Zelt läuft und nicht aufgibt, wir müssen zu den VIP-Gästen schauen und zum Verkehr.“ Zum Erlenfest sagt der engagierte 15-Jährige: „Ich finde, es bringt viel Freude und ich glaube es ist eine grosse Herausforderung für das kleine Dorf Brügg.”

Zeit zum Schlafen blieb den Jugendlichen während dem dreitägigen Openair nicht viel. So waren sie am Ende des Erlenfestes denn auch richtig müde, ausgepowert und glücklich. Viele von ihnen freuen sich sicher schon auf das Erlenfest 2007.