Sport | 09.05.2006

“Wir wollten wieder mal was Unkonventionelles organisieren”

Text von Andreas Renggli
In Neuenkirch messen sich am 20. Mai die schnellsten Bürostuhlfahrerinnen und -fahrer bereits zum zweiten Mal. Rennleiter Stefan Schmid im Interview mit Tink.ch über das Spektakel, Tuning, Training und die Sicherheit.
Kategorie Crazy: Wenn der Bürostuhl zur Nebensache wird. Stefan Schmid: der Rennleiter und inoffizielle Weltmeister 2005

Am 20. Mai findet in Neuenkirch zum zweiten Mal ein Bürostuhlrennen statt. Wie läuft das genau ab?

Nach Ankündigung der Fahrerinnen und Fahrer starten jeweils vier Personen gleichzeitig von einer eineinhalb Meter hohen Startrampe. Die Strecke misst gut 150 Meter und führt durch einen Slalom und über einen Sprung direkt ins Zentrum von Neuenkirch. Der Sprung ist allerdings nicht allzu hoch, weil mit den Bürostühlen keine sehr hohen Tempi erreicht werden und aus Sicherheitsgründen, weil sich die Stühle nicht wirklich gut steuern lassen.

Wie ist die Idee für das Rennen entstanden?

Zusammen mit Kolleginnen und Kollegen aus der Pfadi wollte ich wieder mal was Unkonventionelles organisieren. Wir hatten eine solche Idee und sind dann auf das Bürostuhlrennen in Olten aufmerksam geworden. Wir nahmen dort selber teil, passten das Konzept an und machten uns auf die Suche nach einer geeigneten Strecke. Eine Strasse an zentraler Lage in Neuenkirch sperren zu lassen war schwierig. Letztes Jahr hat es dann geklappt. Und zwar gleich mit 100 Teilnehmenden sowie 2000 Zuschauerinnen und Zuschauern. Auch die Oltner sind mit einem Team am Start. Und wir werden bei ihnen ebenfalls wieder mitmachen.

Welche Tuningtipps kannst du nach den Erfahrungen der ersten Austragung an Anfängerinnen und Anfänger weitergeben?

Gestartet wird in den beiden Kategorien Classic und Crazy. Die Classics sind Stühle, wie sie im Büroalltag verwendet werden. Da gibt es kein Tuning. Ausser vielleicht ein wenig Öl. Abänderungen am Stuhl und den Rollen sind hingegen nicht erlaubt. Letztes Jahr hat sich klar gezeigt, dass sich Metallrollen am besten eignen. Die aus Kunststoff überhitzen schnell und können bei der Landung nach dem Sprung leichter auseinander brechen.

In der Kategorie Crazy ist der Umbau möglich, es muss aber ersichtlich bleiben, dass dem Gefährt ein Bürostuhl zugrunde liegt. Letztes Jahr starteten zum Beispiel einige Leute mit einem Jasstisch, andere mit einer rollenden WC-Schüssel.

In welcher Kategorie sollen ambitionierte Fahrerinnen und Fahrer starten?

Die schnellsten der umgebauten Stühle sind sicher schneller als die Klassiker. Dort kommen nämlich teilweise Räder von Inline-Skates oder gleich halbe Seifenkisten zum Einsatz. Doch Preise gibt es nicht nur für die schnellsten Stühle zu gewinnen. Auch die originellsten werden ausgezeichnet. Zum Beispiel mit einem Alpenrundflug oder Hotelgutscheinen.

Und wie müssen sich die Teilnehmenden schützen?

Vorgeschrieben ist ein Helm. Weitere Schoner wie zum Beispiel beim Inline-Skating werden empfohlen. Das Bremsen ist eigentlich kein Problem. Es geht in erster Linie nicht um hohe Geschwindigkeiten. Spektakel bieten vielmehr der Sprung und der gleichzeitige Start der vier Personen. Im letzten Jahr ist das ganze Rennen ohne gravierende Zwischenfälle verlaufen.

Zum Schluss noch für alle, die schon den Bürostuhl vor die Türe schieben: Sind für den Wettkampf auch Trainings vorgesehen?

Auf der Originalstrecke sind keine Trainingsläufe möglich, weil die Strasse stark befahren ist. Und wir raten zudem davon ab, andere Strassen für das Training zu nutzen. Solche Vorbereitungen sind auch gar nicht nötig.


Bürostuhl-Weltmeister 2005

Mit Stefan Schmid hat der Bürostuhlevent Neuenkirch einen erfahrenen Wettkämpfer als Rennleiter. Der 27-Jährige Neuenkircher hat 2005 die erste inoffizielle Bürostuhl-Weltmeisterschaft in Olten gewonnen. Als Ausgleich betreibt er viel Sport. Inline-Skating, Laufen, Biken und Volleyball. Auf die Bürostühle sollte in nächster Zeit die Migros Zürich achten. Dort arbeitet er nämlich als Projektleiter im Logistikbereich.

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