Kultur | 10.05.2006

Erwachsen werden mit David Bowie

Text von Lena Tichy
Eine wilde Jugend in den 60ern und wie man damit umgeht, anders als die anderen zu sein: Darum gehts in "C.R.A.Z.Y.", dem neuen Film des Kanadiers Jean - Marc Vallée. Das Pink Panorama Luzern zeigt ihn als Schweizer Premiere.
Zac (Marc-André Grondin) probiert verschiedene Identitäten aus, um zu sich selbst zu finden.

An Weihnachten geboren zu werden ist das Letzte. Das zumindest sagt Zac Beaulieu, als wir ihn zu Beginn der Geschichte aus dem Off reden hören.

Aussergewöhnlich ist an diesem Jungen aber nicht nur sein Geburtsdatum. Wenns nach seiner Mutter (Danielle Proulx) geht, verfügt Zac über Heilkräfte und wurde von Jesus persönlich auserwählt, um den Menschen zu helfen. Auch von seinem Vater (Michel Côté) wird Zac vergöttert : Gervais Beaulieu nimmt seinen Sohn mit auf heimliche Spritztouren zur Pommesbude und lässt ihn Sonntags das atemberaubend schöne Auto waschen. Zac ist, abgesehen davon, dass ihn seine vier Brüder regelmässig in den Wahnsinn treiben, ein glückliches Kind. Auch wenn er nicht immer das zu Weihnachten, sprich, zum Geburtstag bekommt, was er sich wünscht : Als er mit fünf Jahren gerne einen Kinderwagen hätte, um mit Puppen zu spielen, schenkt ihm der Vater stattdessen eine Hockey-Ausrüstung.

Bis ans Ende der Welt

Hier macht die Geschichte einen Sprung, geschrieben wird jetzt das Jahr 1975. Zac (Marc-André Grondin) ist gerade fünfzehn geworden und sieht – wie man so schön sagt – zum Anbeissen aus. Anstatt zu beten zelebriert er jetzt lieber den Rock’n’Roll und imitiert sein Vorbild David Bowie. Heimlich begehrt er seine frühreife Cousine Brigitte – oder etwa deren Freund? Der Zuschauer ist genauso schlau wie Zac selbst, wenn es um die Frage geht, zu welchem Geschlecht sich der Junge hingezogen fühlt. Der Vater straft den Sohn mit Verachtung für sein schwules Verhalten und rät ihm, sich ein Beispiel an dessen älterem Bruder Raymond zu nehmen, der eine Frau nach der anderen abschleppt. Doch der junge Held muss seinen eigenen Weg finden, auch wenn er dafür bis ans Ende der Welt gehen muss. Diesen Satz nimmt der Regisseur Jean – Marc Vallée  übrigens wörtlich, was die Geschichte zum Schluss leicht unglaubwürdig wirken lässt. Abgesehen davon ist “C.R.A.Z.Y.” aber ein absolut sehenswerter Film. Frech, witzig und mit einem unwiderstehlichen Soundtrack.

Der Film läuft am Dienstag dem 30. Mai um 21.00 im Stattkino Luzern im Rahmen des Pink Panorama.

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