Gesellschaft | 16.05.2006

Ein Freiwilliger in Bern – Teil 1

Text von Mauro Carta
Mauro ist 30, kommt aus Sardinien und arbeitet momentan als Placement Officer beim SCI (Service Civil International) in Bern. Für Tink schreibt er über seine Arbeit und den SCI.

März 2006, Sardinien.

Auch dieses Jahr, wie genau vor zwei Jahren, besuche ich meine Oma, 91 Jahre alt, um ihren «Benedizione« (Segen) zu bekommen.

«Figlio mio, (mein Sohn), mögest du dein Glück in der Schweiz finden!«

Sehr dramatisch, aber jetzt ist endlich alles in Ordnung: Rucksack gepackt, Tickets gekauft, Segen bekommen. Los! Ich fahre in die Schweiz!

Das ist meine zweite Erfahrung als «Placement Officer« mit dem SCI und ich bin ganz gespannt. Aber, was ist der SCI? Und was ist ein Placement Officer?

SCI – Service Civil International

Der SCI (Service Civil International) ist eine der ältesten Friedens- und Freiwilligenorganisationen. Der SCI wurde nach dem 1. Weltkrieg von den Schweizer Pazifistinnen Pierre Ceresole und Helen Monastiere gegründet. Eines der ersten Projekte war der Wiederaufbau eines zerstörten französischen Dorfes in der Nähe von Verdun. Der Zweck des Einsatzes war die Versöhnung von Menschen aus vormals verfeindeten Ländern durch gemeinsame Wiederaufbauarbeit.

86 Jahre sind seitdem vergangen und den SCI gibt es immer noch. Jedes Jahr organisiert der SCI mehr als 1000 Workcamps. Freiwillige aus der ganzen Welt nehmen an kurzen Einsätzen teil, um in kleinen Gruppen gemeinsam zu arbeiten, zu lernen und zu leben. Sie engagieren sich in Umweltschutzprojekten oder innovativen Kulturzentren mit Kindern und Jugendlichen oder sozial ausgegrenzten Menschen.

PO – Placement Officer

Der Frühling ist immer die «Hot-season« in den SCI Büros der ganzen Welt. Aus diesem Grund gibt es die Möglichkeit, als «Placement Officer« (PO) zu arbeiten. Meine Aufgabe als PO ist, Freiwillige aus der Schweiz im Ausland und Freiwillige aus fünf Kontinenten in unsere Camps zu platzieren. Das heisst: mit PC, Fax und Telefon vier Tage pro Woche zu arbeiten, ohne verrückt zu werden.

Und jetzt etwas mehr über mich: Ich heisse Mauro, bin 30 und komme aus Sardinien.

Mein erstes SCI-Camp verbrachte ich 1999 in Norwegen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Seitdem habe ich an zwei weiteren Workcamps teilgenommen und ein Jahr in Deutschland als Freiwilliger (vor allem in Gemeinschaften) verbracht. Jetzt bin ich in der Schweiz…

Schnee im April und andere schweizerische Eigeneiten

Ich kam am 4. April mit dem Zug in Bern an und ich muss zugeben, dass der erste Eindruck gar nicht schlecht war. Am folgenden Tag erlebte ich aber etwas Schreckliches: Schnee, im April! Daran bin ich nicht gewöhnt.

Die Temperatur in Sardinien, als ich von meiner Insel abgefahren bin war 28 Grad.

Die Temperatur in Bern, ein Tag nach meiner Ankunft: Null Grad.

Meine Mutter ruft mich an: «Komm zurück nach Hause, wenn es dir zu kalt ist.«

Doch ich werde hier bleiben. Ich spreche Deutsch und kann mich in diesem Land gut anpassen, schliesslich spricht man hier Deutsch, oder? Wie? Schweizerdeutsch? Ok, ich gehe davon aus, Hochdeutsch und Schweizerdeutsch sind ähnlich. Oder etwa nicht?

Am Abend ging ich spazieren. Salü? E guete? Velo?

Was für eine verrückte Sprache spricht man hier? Ich verstehe nur Bahnhof…

Im Restaurant bestelle ich eine Rösti. Darauf sind hier alle ganz stolz. Und ich mache einen grossen Fehler: ich beharre darauf, dass Rösti nicht eine schweizer, sondern eine deutsche Spezialität sei. Mensch, ich habe Rösti in Nordreinwestfalen gegessen, man hat mir gesagt, es sei aus Deutschland. Sie haben mich angelogen… Nach diesem Trauma brauche ich unbedingt frische Luft. Egal ob aus Deutschland oder aus der Schweiz: Diese Rösti ist sowieso eine Atombombe in meinem Bauch.

Bern bei Nacht. So viele verschiedene Akzente auf der Strasse. So viele malerische Gassen. Und die grüne Aare… Faszinierend…

To be continued…

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