Gesellschaft | 23.05.2006

Am Simplon Zug um Zug

Text von Niclas Vogt
Der Simplontunnel feierte am Samstag seinen 100. Geburtstag. Das bunte Volksfest stand ganz im Zeichen der SBB und zog 30'000 Besucherinnen und Besucher aus der ganzen Schweiz nach Brig im Kanton Wallis.
Der Bahnhof Brig wurde zum Festgelände. Ein Zugbegleiter des luxuriösen Simplon-Orient-Express Gedenkstätte für die 70 Opfer des Tunnelbaus Der ETR 610 von Cisalpino wird ab 2008 die Fahrzeit von Basel nach Mailand um 40 Minuten verkürzen.

Am 19. Mai 1906 wurde nach rund acht Jahren Bauzeit die erste Röhre des Simplontunnels durch den italienischen König Vittorio Emanuele III und den damaligen Bundesbahndirektor Ludwig Forrer eröffnet. Am 1. Juni 1906 startete der Regelbetrieb mit fahrplanmässigen Zügen und hat das angrenzende Italien mit der Schweiz verbunden.

Zunächst wurden Züge zwischen Domodòssola und Brig eingesetzt. Später wird der Simplon-Express als wichtiges Bindeglied eingesetzt, welcher die Schweiz näher an Paris und Mailand brachte. Dieser wird 1919 durch den Luxuszug Simplon-Orient-Express ergänzt, welcher bis heute beinahe im Originalzustand verkehrt. Damals stellte diese Zugverbindung die Achse nach Venedig und Istambul und Athen dar.

Bereits im 1922 wurde die zweite Simplonröhre fertig gebaut, welche eine Länge von 19 823 Meter hat und damit rund 20 Meter länger ist,als die erste Röhre. Im Laufe der Zeit wurde die Strecke besser erschlossen und elektrifiziert. Bis 1982 hielt der Simplontunnel den Titel des längsten Tunnels der Welt.

Eine neue Ära beginnt

Mit dem neuen Neigezug ETR 610, der für die Cisalpino AG unterwegs sein wird und von Alstom gebaut wurde, sowie dem 2007 fertig gestellten Lötschberg-Basistunnel wird die Achse zusätzlich gestärkt und verbindet Basel in 3.5 Stunden mit Mailand. Ausserdem ist der neue Zug der Superlative mit öffentlichem W-LAN und GSM-Verstärkern ausgestattet. Gebaut wird ein ETR 610 aus 80 Tonnen Aluminium, 690 Kilo Lack, 3 Kilometer Leitungen und 240 Kilometer Stromkabel, sowie 260 Meter Neonröhren. Auffallend ist, dass pro Zug 750 Meter Schutzfolie gegen Graffiti verwendet werden.

Lokparade

Nebst dem 1:1-Modell des neuen Neigezug ETR 610 konnte auch der Französische TGV besichtigt werden.  Natürlich zeigten die SBB auch viele weitere Wagen und Züge, wie zum Beispiel die beliebten Doppelstockzüge oder auch Wartungs- und Löschwagen. Was die SBB nicht vergessen haben, ist das stille Gedenken an die nicht ganz 70 Opfer, die der Bau des Tunnels gefordert hat. Eindrücklich wurden den Besucherinnen und Besuchern die tonnenschweren Zugmaschinen in der Rotonde vorgeführt. Ausserdem gab Gianna Nanini am Abend ein exklusives Konzert im Bahnhof Brig.