Kultur | 20.04.2006

Ron Carter am Jazzfestival

Text von Christian Wyler
Der Bassist Ron Carter überzeugte am Jazzfestival Bern auf der ganzen Linie. Seine Konzertserie gehört zum Besten, was das Festival in den vergangenen Jahren zu bieten hatte.
Ron Carter

Während dem ganzen Konzert hörte Ron Carter genau zwei Mal auf zu spielen, um zum Mikrofon zu greifen: in der Mitte, um seine Band vorzustellen, und am Ende, um sich zu bedanken und zu verabschieden. Alles, was dazwischen lag, war Energie pur. Das Quartet, bestehend aus Carter, Stephen Scott am Piano, Payton Crossley am Schlagzeug und Rolando Morales- Matos an der Perkussion, harmonierte perfekt.

 

Ron Carter ist kein Entertainer, er macht keine Witzchen und erzählt keine Anekdoten, um das Publikum bei Laune zu halten – und dass braucht er auch gar nicht zu tun. Insbesondere das Zusammenspiel zwischen ihm und Morales- Matos sprühte vor musikalischem Witz, und das auf einem Niveau, wie man es nur selten zu hören bekommt. Mit seinen melodiösen Bass- Linien forderte er auch Stephen Scott, wobei die Beiden die Grenze zwischen Solo und Begleitung bewusst verschwimmen liessen und es manchmal schwer zu sagen war, wer denn nun eigentlich solierte. Schade war nur, dass die Akustik in Marians Jazzroom, wo die Konzerte des Festivals stattfinden, einmal mehr nicht überzeugte: Häufig gingen die Feinheiten in Scotts Klavierspiel im vollen Kontrabassklang unter.

 

Einer der erfolgreichsten Bassisten überhaupt

Ron Carter gehört wohl zu den am meisten aufgenommenen Bassisten überhaupt, Auf etwa 2’500 Tonträger hat er es bisher geschafft. Dabei spielte er zusammen mit Grössen wie Herbie Hancock, Wayne Shorter, Stan Getz, Antonio Carlos Jobim, B. B. King, Bill Evans, Carlos Santana und noch vielen anderen mehr. In seiner Biographie finden sich zahlreiche Auszeichnungen, darunter «Outstanding Bassist of the Decade« der Detroit News und «Most Valuable Player« der National Academy of Recording Arts and Sciences.

 

Energiebündel aus Lausanne

Auch das Xavier Good Quartet der Jazzschule Lausanne lieferte im Festivalzelt eine starke Darbietung ab. Nach einer etwas schwachen Startphase gelang es Xavier Good, Raoul Baumann, Alexis Hanhart und Marc- Olivier Savoy, mit ihren funkigen Kompositionen das Publikum zu begeistern – abgesehen vielleicht von einem etwas missratenen Duett zwischen Saxophonist Xavier Good und Raoul Baumann am Piano: Zu schüchtern wirkten die Dissonanzen, zu unsicher das Zusammenspiel, um wirklich zu überzeugen. Umso besser stimmte die Harmonie im Zusammenspiel der ganzen Band, besonders wenn Léandre Thievent mit seiner Posaune für Verstärkung sorgte und Savoy mit seinem energiegeladenen Spiel am Schlagzeug die Band zu Höchstleistungen pushte.

 

Jazzschüler erhalten mehr Aufmerksamkeit

Verglichen mit dem vergangenen Jahr scheinen sich die Veranstaltungen im Festivalzelt nun grösserer Beachtung zu erfreuen. Wohnte vor zwölf Monaten meist nur ein halbes Dutzend Besucher den Konzerten bei, waren es in diesen Tagen immerhin schon über zwanzig pro Konzert. Insbesondere für SUB- Mitglieder der Uni Bern lohnt sich ein Besuch: Der Eintritt ist für sie gratis.

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