Gesellschaft | 01.04.2006

Kinderrechte am Rande der Grossstadt

Text von Rahel Bachmann
Die Hauptstadt Santiago de Chile hat sechs Millionen Einwohner, mausarme und steinreiche. Jede Gruppe hat ihre eigenen Quartiere, Schulen, Märkte und Einkaufszentren. Je nach Stadtseite, in der man geboren wurde, hat man gute oder eben miserable Karten für den Start ins Leben. Diese Ungleichheit ein bisschen auszubessern, hat sich die Organisation SEDEJ zum Ziel gemacht.
Jugendzentrum Montesol in El Monte Kindergruppe an der Arbeit Mosaik in El Monte

Jugendarbeit

SEDEJ – Servicos para el desarrollo de los jovenes, was übersetzt soviel heisst wie Dienst für die Entwicklung der Jugend, entstand 1977 aus privater Intiative heraus und wird heute teilweise vom Staat finanziert. In den drei Hauptbereichen Gesundheit, Bildung und Familie engagieren sich die Angestellten für die Zukunft der Jugend. Der grösste Teil der Arbeit geschieht in kleinen Zentren in den Quartieren. Da finden die Kinder einen Ort an dem sie spielen, mit Computern arbeiten, die Hausaufgaben machen und an Workshops teilnehmen können. Die Jugendarbeiter machen aber auch Hausbesuche, um die Eltern für ihre Anliegen zu sensibilisieren.

An der Front

Im Zentrum Montesol im Vorortstädtchen El Monte liegt das Schwergewicht der Arbeit bei der Verankerung der Kinderrechte. Um die Kinder und ihre Eltern dafür zu gewinnen und eine Vorstellung über die aktuelle Sitation zu bekommen, machen die Jugendarbeitenden regelmässig Erhebungen zu den Kinderrechten. Am ersten Ferientag, 18. Juli, sind neunzig Kinder und Jugendliche eingeladen, in Gruppen zu den einzelnen Rechten Stellung zu beziehen. Es kommen zwar nur 60 Kinder, die sind aber eifrig mit an der Arbeit.

Kinderechtstag

Bilder von Kindern in verschiedensten positiven und negativen Alltagssituationen stimmen die Anwesenden auf das Thema Kinderrechte ein. Nach Alter aufgeteilt sprechen die Kinder dann über die Bilder, Kinderrechte allgemein und ihre Situation. Diese Beziehung zwischen den Rechten und der persönlichen Lage der Kinder herzustellen, gelingt jedoch nicht in allen Gruppen und die anschliessende Präsentation der Arbeiten geht im Gewühl unter. Trotzdem ist sicher bei allen Kindern etwas hängen geblieben und sie wissen zumindest, an wen sie sich wenden können, wenn ihre Rechte verletzt werden: an die Tias und Tios vom Zentrum Montesol.