Kultur | 24.04.2006

Die Erbsünde der gefiederten Zweibeiner oder der Oster-Ei(-Ur-)sprung

Text von Mischa Wyss
«Warum grad Eier?«, fragen Kinder. «Wer ist der Osterei-Erfinder?« Zur Antwort forschte nach ich in der Geschichte, kam mit nicht gelinder Erkenntnis schliesslich auch dahinter! Was der Forscher sucht, das find't er...»

Frau Huhn pflegt ohne Lücke,

ohn’ Unterlass ihr Ei.

Doch bald ist’s mit dem Glücke

und mit dem Ei vorbei.

Schon wieder will’s nicht glücken,

das Ei macht einen Sprung.

Draus schlüpft ein kleines Kücken

und sagt: «Entschuldigung.«

Da schimpft sie mit dem Kücklein:

«Was denkst du dir dabei?!«,

zerrupft’s in tausend Stücklein

und legt ein neues Ei.

Von vorne fängt der Krampf an,

Erfolg verdient sich schwer.

Voll Stolz bringt sie’s dem Kampfhahn,

der mag’s nur halb so sehr:

«Zeig her ich will’s mit Spucke

befrei’n von deinem Dung!«

Doch gibt er zu viel Drucke

und sagt: «Entschuldigung.«

Sie, schimpfend jetzt noch böser,

dem Hahn den Hals umdreht,

als Eiland der Erlöser

klein Kücklein aufersteht.

Nach drei Minut’ entwunden,

als es für tot schon galt,

dem Grab, um zu bekunden:

«Tut Liebe statt Gewalt.«

Und seit es auferstanden

Herrscht Fried im Hühnerstall.

Und Eilands Jünger sandten

Nachricht nach überall.

Die Eier, statt zu brüten,

liess man zu jenem Tag

ihm opfern, zu verhüten

Gewalt im Hühnerschlag.

`s lag drei Minut’ in Fetzen,

bevor’s entstieg dem Grab.

Man wusst’ dies wohl zu schätzen,

und brühte Opfergab’.

Ganz recht ihr hört: Man brühte.

Denn brüten ging zu lang.

Kein Kücken zwar, doch Güte

und Lieb’ dem Ei entsprang.

Wenn dich vor Wut der Trost verlässt,

zähl ruhig zusammen eins und zwei

und opfere ins Osternest

ein Dreiminutenfrühstücksei.

Die Nachricht vom besagten Kücken

versucht euch auch noch abzuraten

von Hirschenpfeffer, Wildschweinrücken,

Osterlamm und Hasenbraten.

«Längst reicht«, will noch gesagt er haben,

«ein Ei.« Jedoch als Heiland sei er

recht heikel punkto Opfergaben:

«Segen nur für Freilandeier!«

«Warum grad Eier?«, fragen Kinder.

Erwachsne staunen nicht gelinder.

Glaubt’s mir! Ich bin kein Bär-Aufbinder,

wo Lahme geh’n, da sieht’s ein Blinder:

Das Huhn ist Osetrei-Erfinder!!!

So wisst ihr’s jetzt, mehr oder minder…