Sport | 19.04.2006

Der Walliser Mythos lebt weiter

BSC Young Boys - FC Sion 1:1 (1:0) 3:5 n.P. - Mit grossem Einsatz und Willen konnten die unterklassigen Walliser den Schweizer Cupfinal in Bern für sich entscheiden. Folgt nach dem zehnten Cuptitel in Folge nun der Aufstieg von Sion?
Der 81. Schweizer Cupfinal Kampfansage des Berner Anhanges Mit Sion gewann erstmals ein Unterklassiger.

Besser konnte die Affiche zum 81. Cupfinal nicht sein, trafen doch mit den Young Boys und dem FC Sion gleich zwei Publikumsmagnete aufeinander. Nicht weniger als 15’000 begeisterte Anhänger reisten vom Wallis in die Hauptstadt, um im mit 30’569 Zuschauern ausverkauften Stade de Suisse ihr Team nach vorne zu peitschen. Die beiden Fanlager sorgten bereits im Vorfeld für eine tolle und gewaltfreie Atmosphäre. Rund 10’000 Fans, welche sich kein Ticket mehr ergattern konnten, fanden sich zudem noch auf dem Bundesplatz ein, um die Partie auf Grossleinwand mitzuverfolgen.

Spielentscheidender Platzverweis

Die Gastgeber aus Bern versuchten sofort das Spieldiktat an sich zu reissen und erzielten in der 16. Minute nach einem krassen Abwehrfehler in der Sion-Hintermannschaft durch Carlos Varela das 1:0. Sions anschliessende Angriffsbemühungen blieben erfolglos, bis nach 30 Minuten Paulo Vogt regelwidrig zu Fall gebracht worden war. Steve Gohouri war der Sünder und kassierte die rote Karte, da er als hinterster Mann das Foulspiel beging. Von den wütende Protesten der YB-Fans und Spieler liess sich Schiedsrichter Reto Lutz nicht beeindrucken, in seinem einmaligen Finalspiel bewies er bei brenzligen Situationen praktisch immer das nötige Fingerspitzengefühl.

Komplott wegen Spielberechtigung

Das Spielgeschehen änderte sich mit dem Platzverweis schlagartig, der Challenge League-Aussenseiter traute sich nun die Überraschung zu und agierte deutlich offensiver. Dank einem herrlichen Freistosstor von Goran Obradovic wurden in der 55. Minute die Angriffsbemühungen des FC Sion belohnt. Die Partie wurde im weiteren Verlauf hitzig und emotional geladener. Bereits im Vorfeld wurde heftig über die Spielberechtigung des Berners Everson gestritten. Sion Chef Christian Constantin sprach gar von einem Komplott, welcher gegen sein Team ausgeübt wurde.

Blick in eine erfolgreiche Zukunft

Da die restliche Spielzeit und die 30 Minuten Verlängerung keine Entscheidung herbei führten, wurde das Elfmeterschiessen unumgänglich. Mit einer Chancenauswertung von 100 Prozent bei fünf getretenen Elfmetern sicherte sich Sion den zehnten Cupsieg und lässt den Mythos weiterleben, haben doch die Walliser noch nie ein Cupfinalspiel verloren. Auf YB-Seiten muss man jedoch über die Bücher, denn unverdient war der Sieg von Sion keineswegs. Im ganzen Wallis sieht man nun erfolgreichen Zeiten entgegen. Dank dem Cuptitel erhält das Team die Berechtigung zur Teilnahme am Uefa-Cup. Zudem befindet sich die Truppe von Trainer Christophe Moulin in der Meisterschaft auf dem zweiten Platz und besitzt so mehr als nur reelle Aufstiegschancen.

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