Gesellschaft | 25.04.2006

Das wird wehtun

Text von Lena Tichy
Am nächsten Montag startet auf SF zwei eine Serie über einen Arzt, vor dem sich sogar Hannibal Lecter fürchten würde. Dr. House heisst der Antiheld, der uns lehrt, dass Humor zuweilen eine kranke Angelegenheit ist.
Die Genietruppe und ihr Anführer, Dr. Gregory House

Der menschliche Körper ist bekanntermassen recht komplex. Als Folge davon, ist es nicht immer leicht, die Ursache für eine Krankheit oder ein Leiden zu finden. Dr. Gregory House, seines Zeichens Arzt im Princeton-Plainsboro Hospital ist der Beste, wenn es darum geht, die richtige Diagnose zu stellen. Seine Patienten sind Fälle, die es zu lösen gilt. Obwohl Dr. House (gespielt von Hugh Laurie) genial ist, wäre er ohne seine «Genietruppe« nur halb so erfolgreich. Die vier hochtalentierten Jungmediziner, die dem Chefdiagnostiker zur Seite stehen, erledigen die eigentliche Drecksarbeit und verblüffen immer wieder mit scharfsinnigen Lösungsvorschlägen. Die Serie lebt indes von der Hauptfigur: Dr. House ist ein Arzt, wie man ihn sich kaum vorstellen kann. Kontakt zu seinen Patienten vermeidet er grundsätzlich, weil er glaubt, dass sie ihn sowieso belügen. Er traut nur den Laborergebnissen und seinem Sachverstand.

Talentierter Mistkerl

Der Humor dieser Serie ist radikal. Mitleid und Verständnis für ihr Leiden können die Patienten von Gregory House nicht erwarten, dafür jede Menge zynische Kommentare zu ihrer ausweglosen Situation. Dass der Arzt seine Fälle am Ende aber doch jedes Mal wieder gesund macht, gehört zum Konzept der Serie: Der Typ ist zwar ein Mistkerl, aber dafür ein talentierter. Und wer Leben rettet, kann sich schliesslich alles erlauben. Dass die Patienten in den einzelnen Geschichten eher wie Versuchskaninchen anmuten, an denen die Schulmedizin ihre Methoden ausprobiert, wird aber nirgends kritisiert. Eher führt man uns hier noch mal die Allmacht der Götter in Weiss vor, die mit der richtigen Diagnose und den richtigen Pillen einfach jedes Problem in den Griff kriegen. Zum Glück, und das macht Dr. House sehenswert, ist der Arzt aber in menschlicher Hinsicht diesmal kein Gott, sondern ein hinkender, fluchender und fieser Mensch. Und einen weissen Kittel trägt er natürlich auch nicht.