Das Geheimnis um Nicole

Um kurz nach zehn betraten Sänger Pål Angelskår und seine Truppe die Bühne, das Publikum freute sich hörbar. Mit Wish You’d Hold That Smile und Let The Night Begin wurden dann auch gleich zwei Songs des neuen Albums Reasons To Hang Around gespielt. Obwohl die Stücke beim Publikum gut ankamen, erreichte die Stimmung erst beim vierten Lied ihren ersten Höhepunkt: In That/Premature Way. Sofort fingen einige an, mitzusingen. Ausserdem war jetzt klar, dass bei diesem Konzert auch ältere Sachen gespielt werden würden.

Tatsächlich: Mit What I Deserve bekam das Publikum sogar einen Song von der allerersten EP der Band zu hören, die den Titel Walking Home From Nicoles trug. Ja, diese Nicole. Als Frontmann Pål den Song ankündigte, erklärte er, was es mit dieser Frau auf sich hat. In wenigen Sätzen beschrieb er seine erste grosse Liebe und seinen ersten grossen Schmerz, griff dann zur Gitarre und sang ein Lied davon.

Påls Mutter

Gleich darauf folgte mit Three Hours ein Cover der 1974 verstorbenen britischen Songwriterlegende Nick Drake. Spätestens jetzt hatte dieses Konzert einen Mehrwert. Als schliesslich Dancing In The Backyard gespielt wurde, gab es kein Halten mehr.

Darauf hatten die treuen Fans gewartet. „Nach diesem Konzert rufe ich meine Mutter in Oslo an, und erzähle ihr, wie toll es in Luzern war.“, sagte Pål Angelskår mit glänzenden Augen. Beim letzten Lied verlangte er Dunkelheit und alle Feuerzeuge und Natels, die das Publikum finden konnte. So wurde das ebenfalls ältere Goodbye Again zum romantischsten Rocksong des Abends. Sie gingen von der Bühne und kamen noch mal zurück. Spielten Think I’m Up For You und noch ein Lied über Nicole. Und bevor sie endgültig verschwanden, verbeugten sie sich. Auf Bald.

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Go wild, Oscar

Von kühler Eleganz bei der gemeinsamen Damenkollektion von Sabine Arnold und Celina Wüst, bis hin zum klassischen Herrenanzug verfeinert mit Wickel-Elementen bei Gilles Engesser, wird jeder Modegeschmack bedient. Das Programm wird durch kurze Filmsequenzen zum Thema “Körper und Kleid” garniert.

Das Publikum belohnt jeden Lauf mit tosendem Applaus, welcher sich beim Schlusslauf mit Models und Designern noch zu verstärken vermag. Was diese Modeschau auszeichnet, ist nicht zuletzt die perfekt auf die Mode abgestimmte Musik von DJs, die die Kleidung und die Show erst zum Leben erweckt und somit die Individualität jedes Looks unterstreicht. Wie Joop so schön zu sagen pflegte, haben die Zuschauer an dieser mitreissenden Modeschau ein Stück geschneiderten Zeitgeistzu sehen bekommen.

Ich treffe mich mit Sabine Heinold, einer der Diplomandinnen, zum Interview. Wir setzen uns im Verpflegungsraum auf dem Kasernenareal an einen Tisch. Während sie mir gegenüber sitzt, habe ich nahezu das Gefühl, ihre kreative Energie sei spürbar.

Zuerst einen Blick in die Vergangenheit: Wann hast du dich das erste Mal bewusst mit dem Thema Mode auseinander gesetzt und wann wurde dein Berufswunsch konkret?

Sabine Heinold: Das war zu Hause, als ich mich mit Näh- und Handarbeiten beschäftigt habe. Auch habe ich viel gebastelt. Bereits in der Schule wurde mein Berufsziel deutlich und ich habe deshalb den gestalterischen Vorkurs besucht.

Wie hat dein Umfeld darauf reagiert, oftmals wird man vor derart brotloser Kunst gewarnt?

Das Umfeld hat durchwegs positiv reagiert. Ich wurde in meinem Vorhaben unterstützt mit der Begründung, wenn ich es wirklich machen wolle, sei es in Ordnung.

Nun zur Gegenwart: Warum hast du im Gegensatz zu deinen Mitschülern keine praktische Erfahrung im Ausland gesammelt, sondern in der Schweiz? War dies ein bewusster Entscheid?

Ja, in Anbetracht des zukünftigen Arbeitsortes habe ich mich bewusst dafür entschieden, mein Praktikum in der Schweiz zu absolvieren. Ich habe mich für die Bereiche Theater und Sportmode interessiert. Da man aber auch mit kurzfristigen Absagen rechnen muss, muss man sich rasch neu orientieren können. Dass es dann beim Sportlabel Black Diamond Equipment geklappt hat, war ein absoluter Glücksfall. Ich wurde optimal ins ganze Geschehen rund um Produktmanagement und Design einbezogen.

Du hast zusätzlich ein Praktikum als Kostümassistenz am Luzerner Theater absolviert. In deiner Kollektionsbeschreibung plädierst du dafür, das Leben als Maskenball zu feiern. Ist dies die Inspiration, die du aus den Erfahrungen als Kostümassistentin gezogen hast?

Nein, denn Kostümbild und Modedesign sind zwei verschiedene Bereiche, die man nicht miteinander vergleichen kann. Es hat viel mehr damit zu tun, dass ich mit meiner Mode Spiel und Spass vermitteln will. Man soll ausprobieren, mixen, wie es einem gerade gefällt, und überhaupt die Mode so ausleben, wie man will.

Nun zu deiner Diplomkollektion. Im Vergleich zu deinen Mitdiplomanden erscheint es eher unüblich, dass du als Frau eine Herrenkollektion kreiert hast. Wann wurde klar, dass du eine solche entwerfen wirst?

Ursprünglich habe ich eine Unisex-Kollektion gestaltet. Also Mode, die sowohl von Frauen als auch von Männern getragen werden konnte. Zum Schluss habe ich mich dennoch für eine Männerkollektion entschieden, denn ich habe Gefallen daran gefunden Herrenkleidung zu entwerfen. Meine Kreation definiert Männermode neu: Sie soll nicht nur funktionell sein, sondern auch Volumen haben. Das heisst, bisher waren es nur die Frauen, die die modisch weiten Ärmel in der Suppe getüncht haben. Meine Herrenkleider greifen diesen bisher weiblichen Kleidungsstil auf und werden voluminöser.

Ist deine Mode denn alltagstauglich, wer ist dein Zielpublikum?

Ich finde die Definition von alltagstauglich schwierig. Natürlich ist meine Mode nicht jedermanns Sache, sondern eher für den unbekümmerten Grossstädter gedacht. Die Einzelteile meiner Kollektion sind sicher alltagstauglich, weil sie dank der verschiedenen Materialien vielseitig kombinierbar sind und somit eine abgeschwächte Form meines Looks getragen werden kann.

Der Name deiner Kollektion lautet “Go wild, Oscar”. Wie und wann ist dieser Titel entstanden?

Der Titel der Kollektion entstand ganz zum Schluss. Meine Kollektion beinhaltet klassische Elemente, die allerdings durch Asymmetrie oder andere Details aus dem Rahmen fallen. Deshalb ist meine Kollektion an den englischen Dandy angelehnt, obwohl sie diesen nicht explizit verkörpern soll. Meine Kollektion ist nach dem Dichter Oscar Wilde, dem Vorreiter des typischen Dandy-Looks, benannt. Das kleine Wortspiel mit seinem Namen hat mir gefallen.

Inwiefern wird man von den anderen Diplomanden beeinflusst, vielleicht auch inspiriert? Gibt es einen gewissen Konkurrenzkampf?

Einen Konkurrenzkampf gibt es nicht, vielmehr kann man von gegenseitiger Unterstützung sprechen. Es wäre falsch, wenn man sich von den Mitschülern inspirieren lassen würde. Ich denke aber, dass dieses gute Verhältnis auch daher kommt, dass bei unserer Klasse jeder sein ganz eigenes Ding durchzieht und deshalb keiner mit dem anderen konkurrenziert. Es ist jedoch sehr hilfreich, Feedbacks von anderen zu bekommen, denn je länger man an einem Entwurf arbeitet, desto weniger sieht man die eigenen Schwachstellen und das Verbesserungspotential.

Was sollte sich deiner Meinung nach am Schweizer Modestil grundsätzlich ändern?

Die Schweizer sollten sich vermehrt zur Farbe bekennen. Man sollte einfach das tragen, wozu man Lust hat und sich keinem Modediktat unterwerfen. Grundsätzlich würde ich zu mehr Mut zur Farbe und zu weniger Buffalos aufrufen. (lacht)

Was fühlst du, wenn deine Mode auf dem Laufsteg präsentiert wird?

Wenn ich meine Kollektion auf dem Laufsteg sehe, muss ich jedes Mal lachen. Die Kleidung beginnt beim Tragen erst lebendig zu werden. Deshalb wirkt sie anders, lustig. Natürlich ist es ein gutes Gefühl, die eigene Mode auf dem Laufsteg zu sehen, nur nehme ich das Ganze auch mit Humor, denn Mode soll Spass machen. Es ist gut, wenn man über sich selbst lachen kann.

Zum Schluss noch einen Blick in die Zukunft: Was wünschst du dir für die Zukunft, wo möchtest du arbeiten?

Das Thema Sportmode interessiert mich sehr, weil ich es auch mit meiner Freizeit in Verbindung bringe. Andererseits fasziniert mich das Theater wegen des vielfältigen Umfeldes und der interessanten Menschen. Und doch habe ich auch Lust an der Kreation von Männermode bekommen. Meine Zukunftspläne sind nicht konkret, ich bin offen für vieles.

Und schon huscht sie davon, um hinter der Bühne letzte Vorbereitungen für die Modeschau zu treffen.

Fünf Tage mit grosser Kleinkunst

Über dem Schadausaal bei Thun kreisen Möwen, aus purer Lust am Flug, immer aber auch auf der Suche nach Futter. Im Foyer hängt der Himmel voller künstlicher Möwen: Es ist Schweizer Künstlerbörse-Zeit, wie jedes Jahr gegen Ende April. Aus dem ganzen Lande und dem Ausland sind KulturveranstalterInnen kleinerer und grösserer Bühnen angereist – die meisten in ehrenamtlicher Funktion, auf der Suche nach neuen Theater- und Tanzproduktionen. Sie wissen, dass sie hier, früher oder später, ihren Kulturhunger stillen und ihre Agenden mit Daten füllen können. Mindestens eben so viele KünstlerInnen aus dem grossen Segment der Kleinkunst – dieses Jahr haben sich 500 angemeldet –  tummeln sich auf dem Areal. Sie tauschen sich aus mit Programmmachern, mit Kolleginnen und schauen sich die Produktionen ihrer Konkurrenz an, wenn sie denn nicht selber auf der Bühne stehen.

Kleinkunst bis die Augen kullern

Von 350 Bewerbungen hat die Jury 60 Produktionen ausgewählt. Die werden in 20-minütigen Ausschnitten im grossen Schadausaal, unterm Zeltdach des Chapiteau und an weiteren Orten gezeigt. Jedesmal, wenn ein neues Showcase ansteht, bildet sich vor dem Eingang eine lange Schlange, und leichte Furcht macht sich breit, selbst würde man bei diesem Ansturm keinen Platz mehr finden. Doch der Schadausaal ist gross und birgt 700 Sitzplätze. Bei bestimmten Produktionen und Namen ist fast jeder Platz belegt, das Publikum honoriert die Auftritte freundlich wohlwollend, applaudiert aber auch einmal enthusiastisch, pfeift und schreit, wenn die Darbietung sehr gefallen hat. Die Abende warten mit besonderen Programmen auf, mit bekannten Namen von Preisträgern.

Fröhlich, buntes Treiben

Der Platz rund um den Schadausaal wird an den fünf Tagen zum Dorf in der Stadt. Zu einem quirlig bunten, lässigen Haufen, unter das sich auch normales Publikum aus der Umgebung mischt. Erst recht, wo die Sonne scheint, und die Grünflächen zwischen den einzelnen Plätzen sich mit Menschen bevölkern. Da wird gegessen, geplaudert und beobachtet. Aus dem Zelt tönt Musik herüber, eine mobile Puppenbühne unterhält skurril mit Playback-Theater. Eine Gruppe von Schauspielern bewegt sich auf Stelzen langbeinig gravitätisch und wie aus höheren Welten zwischen dem Pulk hindurch. Zwei Dienstmädchen stöckeln hin und her durch Halle und Wiese, kitzeln mit ihren Staubwedeln die Nacken der Zuschauer und verteilen ihre Geschäftskarte. Denn es ist Messe- und Börsenzeit, die Gunst der Stunde will genutzt sein.

Stand an Stand – werben und verhandeln

Über drei Etagen breiten sich im Gymnasium die Stände diverser Agenturen aus. Hier wird geworben und verhandelt. Eine Musicalsängerin, die zum ersten Mal nach Thun gekommen ist, hat in Eigenregie einen Standplatz gemietet, an dem Interessierte per CD-Rom Einblick in ihre Arbeit nehmen können. Am Ende ist noch kein Vertrag unterschrieben, doch es bestehen einige Angebote. Die Künstlerin ist nur eine unter vielen, die von diesem alljährlichen Treffpunkt profitiert. Es gibt Börsen-Habitués, die jedes Jahr wiederkommen, Kleinkunst-Freaks, die es wegen der familiären Atmosphäre nach Thun zieht, und weil hier die neuesten Trends der Kleinkunst-Szene greifbar in der Luft liegen.

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Das wird wehtun

Der menschliche Körper ist bekanntermassen recht komplex. Als Folge davon, ist es nicht immer leicht, die Ursache für eine Krankheit oder ein Leiden zu finden. Dr. Gregory House, seines Zeichens Arzt im Princeton-Plainsboro Hospital ist der Beste, wenn es darum geht, die richtige Diagnose zu stellen. Seine Patienten sind Fälle, die es zu lösen gilt. Obwohl Dr. House (gespielt von Hugh Laurie) genial ist, wäre er ohne seine „Genietruppe“ nur halb so erfolgreich. Die vier hochtalentierten Jungmediziner, die dem Chefdiagnostiker zur Seite stehen, erledigen die eigentliche Drecksarbeit und verblüffen immer wieder mit scharfsinnigen Lösungsvorschlägen. Die Serie lebt indes von der Hauptfigur: Dr. House ist ein Arzt, wie man ihn sich kaum vorstellen kann. Kontakt zu seinen Patienten vermeidet er grundsätzlich, weil er glaubt, dass sie ihn sowieso belügen. Er traut nur den Laborergebnissen und seinem Sachverstand.

Talentierter Mistkerl

Der Humor dieser Serie ist radikal. Mitleid und Verständnis für ihr Leiden können die Patienten von Gregory House nicht erwarten, dafür jede Menge zynische Kommentare zu ihrer ausweglosen Situation. Dass der Arzt seine Fälle am Ende aber doch jedes Mal wieder gesund macht, gehört zum Konzept der Serie: Der Typ ist zwar ein Mistkerl, aber dafür ein talentierter. Und wer Leben rettet, kann sich schliesslich alles erlauben. Dass die Patienten in den einzelnen Geschichten eher wie Versuchskaninchen anmuten, an denen die Schulmedizin ihre Methoden ausprobiert, wird aber nirgends kritisiert. Eher führt man uns hier noch mal die Allmacht der Götter in Weiss vor, die mit der richtigen Diagnose und den richtigen Pillen einfach jedes Problem in den Griff kriegen. Zum Glück, und das macht Dr. House sehenswert, ist der Arzt aber in menschlicher Hinsicht diesmal kein Gott, sondern ein hinkender, fluchender und fieser Mensch. Und einen weissen Kittel trägt er natürlich auch nicht.

Dampf ab! Rauch frei!

Als ich gestern im Zug war, hab ich wiedermal so aufgeregt, dass ich mal Dampf ablassen will. Dampf, hier sind wir auch schon beim Thema angelangt, ablassen kann ich als Raucher ja nicht mehr Überall, vor allem nicht in Zügen, neuerdings. Nun ja, die Vermischung von Raucher und Nichtraucher hat bestimmt positive Seiten. So sitze ich heute im allgemeinen Nichtraucher Zug, sehe die entspannten Gesichter derer, die ohnehin Nicht-Rauchen und die, welche voller Toleranz, auf ihre gewohnte Zugs-Zigarette verzichten und den wohl andersartigen Duft im Zug voller Neugier in sich aufnehmen. Wo liegt das Problem? Vermischung zweier Bevölkerungsschichten, ja klar, geht auch; nur setze ich mich ins 1. Klasse Abteil wird diese Form von Vermischung gerade solange anhalten, bis ein Schaffner auf mein, wie gewohnt, 2.Klasse Ticket schaut und voller entsetzen feststellt: Sie sind hier in der ersten Klasse mein junger Herr! Klar, weiss ich, wollte nur mal andere Luft schnuppern, werde ich ihm entgegnen und mich brav in die 2.Klasse setzten, zusammen mit allen anderen Rauchern, sorry, Nichtrauchern.

Wann schafft ihr die 1.Klasse ab, ist meine Frage?! Und dies wird wohl nie geschehen, denn sind wir bis anhin in einem 3 Klassen System gefahren, welche sich nicht durch materielle Belanglosigkeiten unterscheiden, sondern lediglich durch die Handhabung ihrer eigenen Gesundheit, wird ein zahlungskräftiger 1. Klasse Ticket Zugsfahrer wohl nie auf eine Vermischung seiner materiellen, gesundheitlichen und situationsgerechten Platzansprechen pochen. Für mich bleibt wohl dann nur noch, an die immer grösser werdende Kluft zwischen arm und reich zu denken, und mir meine Zigarette das nächste Mal, nicht in der ersten, nicht in der zweiten, auch nicht im Raucherabteil, sondern draussen in der frischen Luft, anzustecken; so bleibt mir wenigsten das Eine immer klar. Auch wenn ich mich nie auf eine Erste Klasse Strasse, einen erste Klasse Weg oder eine erste Klasse Gesundheit begebe, arm werde ich bleiben, und das reibt man mir auch noch unter die Augen.

Die Erbsünde der gefiederten Zweibeiner oder der Oster-Ei(-Ur-)sprung

Frau Huhn pflegt ohne Lücke,

ohn’ Unterlass ihr Ei.

Doch bald ist’s mit dem Glücke

und mit dem Ei vorbei.

Schon wieder will’s nicht glücken,

das Ei macht einen Sprung.

Draus schlüpft ein kleines Kücken

und sagt: „Entschuldigung.“

Da schimpft sie mit dem Kücklein:

„Was denkst du dir dabei?!“,

zerrupft’s in tausend Stücklein

und legt ein neues Ei.

Von vorne fängt der Krampf an,

Erfolg verdient sich schwer.

Voll Stolz bringt sie’s dem Kampfhahn,

der mag’s nur halb so sehr:

„Zeig her ich will’s mit Spucke

befrei’n von deinem Dung!“

Doch gibt er zu viel Drucke

und sagt: „Entschuldigung.“

Sie, schimpfend jetzt noch böser,

dem Hahn den Hals umdreht,

als Eiland der Erlöser

klein Kücklein aufersteht.

Nach drei Minut’ entwunden,

als es für tot schon galt,

dem Grab, um zu bekunden:

„Tut Liebe statt Gewalt.“

Und seit es auferstanden

Herrscht Fried im Hühnerstall.

Und Eilands Jünger sandten

Nachricht nach überall.

Die Eier, statt zu brüten,

liess man zu jenem Tag

ihm opfern, zu verhüten

Gewalt im Hühnerschlag.

`s lag drei Minut’ in Fetzen,

bevor’s entstieg dem Grab.

Man wusst’ dies wohl zu schätzen,

und brühte Opfergab’.

Ganz recht ihr hört: Man brühte.

Denn brüten ging zu lang.

Kein Kücken zwar, doch Güte

und Lieb’ dem Ei entsprang.

Wenn dich vor Wut der Trost verlässt,

zähl ruhig zusammen eins und zwei

und opfere ins Osternest

ein Dreiminutenfrühstücksei.

Die Nachricht vom besagten Kücken

versucht euch auch noch abzuraten

von Hirschenpfeffer, Wildschweinrücken,

Osterlamm und Hasenbraten.

„Längst reicht“, will noch gesagt er haben,

„ein Ei.“ Jedoch als Heiland sei er

recht heikel punkto Opfergaben:

„Segen nur für Freilandeier!“

„Warum grad Eier?“, fragen Kinder.

Erwachsne staunen nicht gelinder.

Glaubt’s mir! Ich bin kein Bär-Aufbinder,

wo Lahme geh’n, da sieht’s ein Blinder:

Das Huhn ist Osetrei-Erfinder!!!

So wisst ihr’s jetzt, mehr oder minder…

Islamischer Alltag

Nur ein ganz kleiner Teil der Ausstellung handelt von der Geschichte des Islams, mit Kunstgegenständen in Vitrinen begleitet, so wie man es sich von vielen anderen Ausstellungen gewohnt ist. Der Rest lässt einem mit den vielen Farben, Collagewänden und Musikclips schon gleich nach dem Betreten in eine andere Welt eintauchen. Auch Gegenstände aus dem täglichen Leben, wie ein türkischer Modekatalog, wurden in die Ausstellung aufgenommen.

Junge Musliminnen und Muslime aus Istanbul, Marrakesch, Paramaribo, Dakar und der Schweiz erläutern bei Audio- und Videostationen ihr Verhältnis zum Islam. Sie erzählen, wie sie den Islam leben und was er für sie bedeutet. Sie beschäftigen sich mit ganz konkreten Themen, wie dem Tragen eines Kopftuchs. Das Individuum steht  im Mittelpunkt, denn die Ausstellung will den Islam nicht erklären, sondern Einblicke in das Alltagsleben von Musliminnen und Muslimen geben.

Ausstellung kommt gut an

Interviews mit Besucherinnen und Besuchern von Urban Islam während der Museumsnacht am 27. Januar haben gezeigt, dass die Ausstellung grossen Anklang findet. Den Leuten zwischen 23 und 60 Jahren haben vor allem die Audio- und Videobeiträge gefallen. Die persönlichen, sehr lebendigen Bilder, die Vielseitigkeit und das Optische der Ausstellung wurden häufig gelobt.

Ein sechzigjähriger Herr fand es besonders wichtig, dass das Thema Islam aufgegriffen wurde, da dies in der Schweiz ein hochaktuelles Thema sei, das uns auch weiterhin beschäftigen werde.

Die meisten der Besucherinnen und Besucher konnten nicht oder noch nicht sagen, ob die Ausstellung ihr Bild vom Islam verändert hat. Sie haben aber mehr Über die Vielfalt dieser Religion erfahren und einige wollen sich die Ausstellung nochmals und genauer ansehen, da es an der Museumsnacht sehr viele Leute hatte.

Spezialwebsite

Zur Ausstellung gibt es eine Spezialwebsite. Sie enthält eine Zusammenfassung der gesamten Ausstellung und lädt mit vielen Fotos, Musik und Farbe zum Besuch der Ausstellung ein. Die Ausstellung “Urban Islam” im Museum der Kulturen in Basel läuft noch bis zum 2. Juli.

Links

  • www.urbanislam.ch
  • www.mkb.ch

Japan zwischen Hightech und Tradition

Die Landmasse, die heute Japan oder Nippon genannt wird, erstreckt sich über vier Hauptinseln und mehrere kleine Inselchen. Fragt man die Japaner jedoch selber, so bezeichnen sie nur diese, vor ihrer Küste, als Inselchen. Der Rest ist Festland. Klimatisch verfügt das Land über fünf Jahreszeiten, die Regenzeit im Juni mit einberechnet. Nicht wenige der weltbekannstesten Snowboarder kommen aus dem Land der aufgehenden Sonne. Im Sommer ist es hingegen tropisch heiss und feucht.

Die täglichen Temperaturen von 35 Grad Celsius und Klimaanlage in den Häusern halten die Japaner davon ab, an die frische humide Luft zu gehen. Sollte es einmal unumgänglich sein, dann nur mit Fächer, Hut und Sonnenschirm. Das feuchtwarme Klima ist natürlich ein wahres Paradies für Moskitos. Im Gegensatz zu unseren europäischen Mücken sind die japanischen Minibeisserchen aber um einiges perfider und gerissener. Man hört, spürt und sieht sie kaum. Haben die Japaner, welche in dieser Hinsicht über ein erstaunliches Radarsystem zu verfügen scheinen, ein solches Biest geortet, dann kommt es schon mal vor, dass sie ihre heiligen Fächer zu mörderischen Zwecken missbrauchen.

Unbekannten Menschen gegenüber verhalten sich Japaner für unser gutschweizerisches Empfinden eher unfreundlich und respektlos. Sobald jedoch eine persönliche Beziehung besteht, kann traditionsgemäss kaum genügend Respekt voreinander bezeugt werden – nicht nur durch unaufhörliches Verbeugen, auch die Gesprächsfloskeln beweisen absolute Diskretion und gegenseitige Achtung. So muss man sich bei einer Teezeremonie unbedingt vor dem Ansetzten der Schale beim Nachbarn entschuldigen, dass man vor ihm Trinken wird. Genauso kompliziert wie die Höflichkeitsformen ist auch die Sprache.

Drei verschiedene Schriften

Mündlich erhascht man dank zahlreicher aus dem Englischen übernommener Begriffe noch bald einmal den Sinn einer Konversation. Schriftlich jedoch ist man als Tourist hoffnungslos verloren. Denn die japanische Schrift verfügt nicht über ein oder zwei Zeichensysteme, nein, es sind deren drei! Im 6. Jahrhundert wurde nämlich das chinesische Zeichensystem (kanji) übernommen. Da die beiden Sprachen aber ganz unterschiedlich funktionieren, musste eine eigene Silbenschrift entwickelt werden (Hiragana). Zum Festhalten von Fremdwörtern sowie in der Werbung und in der Gastronomie wird das dritte System, die abstraktere Katakana-Schrift verwendet.

A propos englische Sprache: kaum ein Japaner spricht Englisch, auch wenn sie es fast alle in der Schule gelernt hätten. Aber in diesem Punkt macht sich wohl die alte Samurai-Mentalität bemerkbar – man macht keine Fehler und sonst stösst man sich selber das Schwert in den Laib. Trotzdem ist Amerika allgegenwärtig: Fast-Food-Ketten, technische Hilfsmittel, Lifestyle. Nie würde man Vorwürfe oder Klagen betreffend Hiroshima zu hören bekommen, auch nicht während der Gedenktage zum Atombombenabwurf am 6. August vor sechzig Jahren.

Der Versuch, die Menschheit aufzurütteln

Das Land konzentriert sich nicht auf die Vergangenheit noch auf Vergeltung. Die Bewohner schauen vorwärts. Sie kämpfen dafür, dass sich eine humane Katastrophe wie damals nicht wiederholt. Sie versuchen, die Menschheit aufzurütteln. Die Atombombe über Hiroshima ist ein Erst-August-Raketli gegenüber den heute existierenden Waffen. Waffen, die mindestens sieben Regierungen auf dieser Welt jederzeit zur Verfügung stehen.

Japan ist faszinierend, tiefgründig. Und es besitzt die wunderbare Fühigkeit, Neues anzunehmen, der eigenen Tradition anzupassen und ihr einzuverleiben. Teenager, die tagsüber in T-shirt und Shorts, mit iPod und Radarwarngerät zu McDo fahren, besuchen abends in traditioneller Yukata (Sommerkimono), mit Fächer und Sonnenschirm Festivals zu Ehren einer buddhistischen oder shintoistischen Gottheit. Wer nicht in dieser Welt geboren wurde, wird sie wohl nie ganz verstehen lernen. Aber wer sich einmal in diese fremde Kultur geworfen hat, den lässt sie so schnell nicht wieder los.

Politisch direkt

Mit „Politspecial“ auf Radio X und „Krass Politic“ auf Radio 3FACH befassen sich zwei Jugendradios mit dem politischen Geschehen in der Schweiz. Jeweils vor den Abstimmungen organisieren diese Radiostationen passende Workshops. Die zur Abstimmung stehenden Themen werden besprochen und aufgearbeitet und danach auf den sonntäglichen politischen Sendungen ausgestrahlt. Zentrum des nächsten Workshops bildet die nationale Abstimmung zur neuen Bildungsverfassung. Auch frei gewählte Themen, welche Jugendliche beschäftigen, sollen zum Zuge kommen, denn „politisch direkt“ ist eine Plattform für Jugendpolitik. In Basel findet am 23. und 29. April der nächste zweitägige Workshop im Radio X statt. Am 30. April und 7. Mai ein weiterer in Luzern bei Radio 3FACH. Die Workshops finden jeweils von 10:30 bis 17:30 Uhr statt.

Einheitlicher Bildungsraum

Um was geht es beim Schweizerischen Bildungssystem? Mit dem von Kanton zu Kanton unterschiedlichen System soll Schluss sein. Anstelle der 26 Bildungsräume soll ein einheitlicher Bildungsraum Schweiz erschaffen werden. Welche Auswirkungen hätte diese Umstellung für die Zukunft? Eine Frage, bei welcher man am nächsten Workshop nach einer Antwort suchen will. Anmelden zum Workshop können sich Jugendliche aus der Nordwest- und Innerschweiz. Weitere Informationen sind auf der Website von „politisch direkt“ oder den beiden Radios zu finden.

Links

  • www.politischdirekt.ch
  • www.3fach.ch
  • www.radiox.ch

Ron Carter am Jazzfestival

Während dem ganzen Konzert hörte Ron Carter genau zwei Mal auf zu spielen, um zum Mikrofon zu greifen: in der Mitte, um seine Band vorzustellen, und am Ende, um sich zu bedanken und zu verabschieden. Alles, was dazwischen lag, war Energie pur. Das Quartet, bestehend aus Carter, Stephen Scott am Piano, Payton Crossley am Schlagzeug und Rolando Morales- Matos an der Perkussion, harmonierte perfekt.

 

Ron Carter ist kein Entertainer, er macht keine Witzchen und erzählt keine Anekdoten, um das Publikum bei Laune zu halten – und dass braucht er auch gar nicht zu tun. Insbesondere das Zusammenspiel zwischen ihm und Morales- Matos sprühte vor musikalischem Witz, und das auf einem Niveau, wie man es nur selten zu hören bekommt. Mit seinen melodiösen Bass- Linien forderte er auch Stephen Scott, wobei die Beiden die Grenze zwischen Solo und Begleitung bewusst verschwimmen liessen und es manchmal schwer zu sagen war, wer denn nun eigentlich solierte. Schade war nur, dass die Akustik in Marians Jazzroom, wo die Konzerte des Festivals stattfinden, einmal mehr nicht überzeugte: Häufig gingen die Feinheiten in Scotts Klavierspiel im vollen Kontrabassklang unter.

 

Einer der erfolgreichsten Bassisten überhaupt

Ron Carter gehört wohl zu den am meisten aufgenommenen Bassisten überhaupt, Auf etwa 2’500 Tonträger hat er es bisher geschafft. Dabei spielte er zusammen mit Grössen wie Herbie Hancock, Wayne Shorter, Stan Getz, Antonio Carlos Jobim, B. B. King, Bill Evans, Carlos Santana und noch vielen anderen mehr. In seiner Biographie finden sich zahlreiche Auszeichnungen, darunter „Outstanding Bassist of the Decade“ der Detroit News und „Most Valuable Player“ der National Academy of Recording Arts and Sciences.

 

Energiebündel aus Lausanne

Auch das Xavier Good Quartet der Jazzschule Lausanne lieferte im Festivalzelt eine starke Darbietung ab. Nach einer etwas schwachen Startphase gelang es Xavier Good, Raoul Baumann, Alexis Hanhart und Marc- Olivier Savoy, mit ihren funkigen Kompositionen das Publikum zu begeistern – abgesehen vielleicht von einem etwas missratenen Duett zwischen Saxophonist Xavier Good und Raoul Baumann am Piano: Zu schüchtern wirkten die Dissonanzen, zu unsicher das Zusammenspiel, um wirklich zu überzeugen. Umso besser stimmte die Harmonie im Zusammenspiel der ganzen Band, besonders wenn Léandre Thievent mit seiner Posaune für Verstärkung sorgte und Savoy mit seinem energiegeladenen Spiel am Schlagzeug die Band zu Höchstleistungen pushte.

 

Jazzschüler erhalten mehr Aufmerksamkeit

Verglichen mit dem vergangenen Jahr scheinen sich die Veranstaltungen im Festivalzelt nun grösserer Beachtung zu erfreuen. Wohnte vor zwölf Monaten meist nur ein halbes Dutzend Besucher den Konzerten bei, waren es in diesen Tagen immerhin schon über zwanzig pro Konzert. Insbesondere für SUB- Mitglieder der Uni Bern lohnt sich ein Besuch: Der Eintritt ist für sie gratis.

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