Sport | 29.03.2006

Mit einem “Stängeli” zum Meisterpokal

Text von Janosch Szabo
Die Tür zum Meistertitel stand weit offen, und der EHC Biel stürmte hindurch, als wäre es eine abgemachte Sache gewesen. 10:0 fegten die Bieler den HC Sierre vor heimischem Publikum vom Eis. Danach brachen im Eisstadion alle Dämme. Spieler, Trainer und Fans feierten bis tief in die Nacht.
Im Freudentaumel: Der EHCB posiert für das Siegerbild. Pokalstemmen: Zwei Spieler freuen sich. Strahlen wie die Maikäfer: Meister ist man nicht jeden Tag. Trainer Kim Collins wurde von seinen Spielern begossen.

Einen Start nach Mass legte der EHC Biel am Freitagabend hin: Nach sechs Minuten stand es bereits 2:0. Zwei Powerplay-Tore, das erste von Neuzugang Marko Tuomainen, das zweite von Torgarant Jesse Belanger versetzten das Publikum ein erstes Mal in Jubelstürme. Und die Bieler stürmten weiter entschlossen und mit viel Vorwärtsdrang auf das gegenerische Tor. Topskorer Patrice Lefebvre kämpfte vorbildlich, Captain René Furler setzte läuferische Akzente.

Sierre auf der anderen Seite sah blass aus, handelte sich eine Strafe nach der anderen ein und kam erst in der 16. Minute durch Topskorer Lee Jinman zur ersten wirklichen Chance. EHCB-Goalie Martin Zerzuben aber vereitelte sie. Ê«berhaupt stand “Zubi” an diesem Abend ausgezeichnet und hochkonzentriert zwischen seinen Pfosten und zeigte seinen zukünftigen Manschaftskollegen (Zubi wechselt auf nächste Saison zum HC Sierre) wen sie da haben werden.

Torrausch und spontane Standing Ovations

Als nach 14 Sekunden im zweiten Spielabschnitt erstmals ein Bieler, Matthias Joggi, auf die Strafbank musste und Sierre sichtlich entschlossener wirkte, schien es als könnte es nochmals spannend werden. Doch nur für wenige Augenblicke, bis Sierre die nächste Strafe kassierte und bis Tuomainen mit einem blitzschnellen “Buäbätrickli” das 3:0 erzielte.

Sierres Goalie Sébastien Kohler wirkte verunsichert, aber auch die Abwehr der Gäste war lückenhaft. Der nächste, der das ausnutzte, war Belanger: Sein Sololauf durch die Abwehrreihen endete im 4:0. Die Zuschauer waren hingerissen, schrien aus Leibeskräften, ballten die Fäuste, küssten und umarmten sich, und liessen sich spontan zu einer Standing Ovation hinreissen. “Steht auf, wenn ihr Bieler seid”, sangen die Stehplatzfans und alle erhoben sich. Das wirkte, denn erst überstand der EHC Biel schadlos heikle Sekunden in doppelter Unterzahl, dann fielen die nächsten Tore. Wieder sah Tuomainen rechts eine Lücke und erzielte blitzschnell sein drittes Tor in diesem Spiel. Das 6:0 markierte Eric Perrin, die Playoff-Verstärkung vom SCB. Spätestens jetzt war allen klar: Es konnte nichts mehr anbrennen. 

Der grosse Showdown

Doch der EHCB liess auch im letzten Drittel nicht locker, spielte Sierre regelrecht an die Wand und kam, während die Gäste immer wieder die Strafbank drückten, in einen wahren Torrausch. Jetzt reihte sich auch Matthias Joggi in die Skorerliste, gleich zweimal. Dazwischen traf Belanger. Als Joggi das 9:0 erzielte, machte im Eisstadion gerade die La-Ola-Welle die Runde. Als wenig später Mathieu Tschantré das “Stängeli” realisierte, war der Jubel grenzenlos. Dass es so dick kommen würde, hatte sich wohl niemand erträumt. Die Fans sangen pausenlos, die Spieler auf der Bank hielten es kaum mehr aus. Immer wieder ging ihr Blick rauf zur Matchuhr.  

Feucht fröhliche Meisterfeier

Dann endlich die Schlusssirene, die Spieler rannten aufs Eis, lagen sich in den Armen, vollführten fröhliche Freudentänze, bekamen Medaillen umgehängt und Captain Furler durfte schliesslich den Pokal, ausser sich vor Freude, in die Höhe stemmen. Er packte ihn, winkte seinen Mannschaftskollegen und lief rüber zur Stehplatztribüne, um ihn den treuen Fans zu präsentieren.

Der Jubel auf und neben dem Eis kannte keine Grenzen. Die Spieler duschten sich mit Bier, begossen ihren Trainer, stemmten wieder und wieder den Pokal und strahlten in die Kameras. Dann verliessen sie das Eis, dann kamen die Fans und die Meisterfeier ging noch bis spät in die Nacht. 

Am Donnerstag 6. April geht es schon wieder weiter für den EHC Biel und zwar gegen Freiburg-Gottéron, den letzten der NLA. Diese kommende Serie wird es zeigen, ob Biel in die höchste Schweizer Spielklasse aufsteigt.   

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