Der Djinbala-Express auf Weltreise

Djinbala, das ist ein Feuerwerk von bezauberndem Gesang und treibenden Rhythmen, das ist sprühende Energie und schlichte Präzision, Traurigkeit und Extravaganz. Doch ist es noch viel mehr, denn die Formation rund um Andrea Milova und David Cielbala passt in keine Schublade. Sie müsste riesig sein. Djinbala haben ihren unverkennbaren eigenen Stil entwickelt, geprägt von Djipsy, Flamenco, Jazz und französischem Chanson.

Der Rhythmus treibt, die Spannung hält

Der Djinbala-Express kennt kaum Grenzen auf seiner musikalischen Weltreise, zieht von Nord nach Süd und vom Morgen- ins Abendland. Nichts bringt ihn ins Wanken. Er verliert nie seine Haltung, nicht bei rockigen Fahrten über hohe Brücken, nicht bei sanftem Geschlängle durch traurige Landschaften, durch Gebiete des Kriegs, vorbei am Baum des Vergessens (sous l’arbre de l’oublie). Es geht immer vorwärts, die Welt ist ja gross. Und geht es mal langsam, so geht das nicht lange. Der Rhythmus treibt, schneller und schneller im unverkennbaren Djipsy-Stil. Die Spannung hält. Der Djinbala-Express macht Halt in Bosnien, macht Halt in Kiev, dampft durch den tiefsten Underground und über luftige Brücken, durch fröhlich bunte Wiesen und enge Täler, pufft hie und da kleine Wölkchen von Blues, zieht zügig und groovig voran. Wo er vorbeifährt da zieht er in seinen Bann, lädt zum Tanzen, bewegt und berührt die Menschen.   

sprühende Energie, schlichte Präzision 

Djinbala sind eine typische Liveband mit einer ausserordentlichen Bühnenpräsenz. Gitarrist David Cielbala und vor allem Sängerin und Geigerin Andrea Milova zelebrieren sprühende Energie und Extravaganz. Den Boden für diese emotionsgeladenen manchmal gar exstatischen Ausbrüche von Freude aber auch Traurigkeit legen im Hintergrund Michael Hodel am Bass und Martin Kissling am Schlagzeug. Ihre schlichte und doch gefühlsvolle Präzision sichert Djinbala die Erdenbindung. Die vier Musiker ergänzen sich hervorragend, nie verlieren sie sich – und das ist bemerkenswert – in ausufernden Solos, und doch kommt jeder zu Geltung. Ganz besonders Andrea Milova, die mit ihrer Stimme verzaubert, die ihre Geige singen lässt.

Das Publikum wird unweigerlich in den Bann gezogen, fühlt mit, freut sich mit, lacht, schnippt mit den Fingern, wippt mit den Beinen, klatscht und jubelt beigeistert.

“Djin”, das Debut-Album

Eigentlich hätte das Konzert in der Mahogany Hall die Plattentaufe des Debut-Albums  ¾Djin “ werden sollen, doch weil  ¾Djinbala “ in den letzten Monaten einen vollen Konzertkalender hatten, musste das Release auf den 19. April 2006 verschoben werden. Man darf sich freuen.

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“Selber aktiv sein, statt nur zuhören”

Michael Vogel, du kandidierst für den Grossrat. Ist das eine aufregende Sache?

Für mich selbst weniger als für mein Umfeld. Dadurch, dass ich fast bei jeder Begegnung mit Bekannten auf die bevorstehenden Wahlen angesprochen werde, werden mir die Dimensionen meiner Kandidatur erst bewusst. Für mich selbst hält sich die Aufregung in Grenzen.

Der Wahlsonntag kommt immer näher. Rechnest du dir Chancen aus?

Das ist sehr schwierig zu sagen. Das hängt ganz von der Stimmbeteiligung ab. Ist sie niedrig, sind die Chancen intakt, ist sie hoch wird es sehr schwer. Es kann sein, dass ich 50 Stimmen mache, es kann aber auch sein, dass ich 1000 mache. Ich weiss es wirklich nicht, was mich an diesem Tag erwarten wird.

Die Chance, dass du tatsächlich gewählt wirst, besteht. Hast du dir das Szenario “Michael Vogel im Grossrat” schon mal vorgstellt?

Ich habe mich mit dem Gedanken, gewählt zu werden, noch nicht wirklich befasst. Darum kann ich nicht genau sagen was ich machen würde. Ich lasse mich einfach überraschen.

Traust du dir das denn überhaupt zu, im Grossrat zu politisieren?

Es wird sicher nicht einfach werden unter 160 Grossräten. Ich traue es mir aber schon zu. Viele Politiker gelten als kluge und intelligente Leute, doch darf man nicht vergessen: Auch sie kochen nur mit Wasser. Ich denke, ich kann andere Gesichtspunkte in die Politik einbringen, auch wenn ich noch nicht viel Erfahrung habe.

Welche Gesichtspunkte würdest du einbringen?

Den Gesichtspunkt der Jugend. Mit 18 Jahren schaut man Einiges anders an als mit 56. Ich hab das Gefühl, dass ich in diesem Punkt etwas bewirken könnte.

Was denn konkret? Was möchtest du in der Politik bewirken?  

In Sachen Wirtschaftspolitik möchte ich Grundlegendes ändern. Man sollte sich von bisherigen, meiner Meinung nach unüberlegten Fixierungen lösen.

Eine dieser Fixierungen ist das Wirtschaftswachstum unserer Volkswirtschaft. Unser Wirtschaftssystem basiert, wie ständig von den Politikern des gesamten Spektrums betont, auf dem Wachstum. Wächst die Wirtschaft jedoch um die geforderten 2 bis 3 Prozent pro Jahr, wäre unsere Volkswirtschaft in 50 Jahren viermal, in hundert Jahren gar sechzehnmal so gross. Dass in der Schweiz nicht viermal mehr konsumiert werden kann, und dass dies erst gar nicht erstrebenswert ist, zeigt die Kurzfristigkeit der Forderung nach Wachstum.

Es braucht demzufolge eine andere Denkweise und ein anderes Handeln. 

Woher rührt dein Interesse an der Politik?

Politik betrifft jeden. Jeder kann an einem Problem etwas verändern. Ich finde es gut, selber aktiv zu sein, anstatt nur zuzuhören was andere sagen. Ich habe mich schon sehr früh für Politik interessiert. Bei uns zu Hause wurde oft darüber diskutiert.

Jetzt kandidierst du auf der Liste der Differenzierenden. Wie ist sie entstanden?

Ich gehe in die Steinerschule in Ittigen und wollte mit einem Schulkollegen eine eigene Partei gründen und eine eigene Liste aufstellen.

Weil wir aber nicht im gleichen Wahlkreis wohnen – er im Wahlkreis Bern, ich im Wahlkreis Seeland – konnten wir nicht zusammen kandidieren. Ich habe die Idee trotzdem weiterverfolgt und sie zum Thema meiner Abschlussarbeit gemacht. Ein Teil dieser Arbeit ist nun die Kandidatur.

Mit dir zusammen kandidieren noch fünf weitere junge Leute. Wer sind sie?

Das sind mein Bruder Johannes und vier Freunde aus Biel.

Ihr nennt euch die Differenzierenden. Warum?   

Weil wir uns von undifferenzierten Fixierungen der heutigen Politik lösen wollen. Zum Beispiel eben der andauernden Forderung nach Wachstum, oder aber dem unglobalen und engstirnigen Handlungsspielraum der Politik.

Warum bist du eigentlich nicht einfach einer Jungpartei beigetreten?

Ich wollte nicht einfach ein Parteiprogramm übernehmen, wie es bei den meisten Parteien bereits festgelegt ist. Die Grünen zum Beispiel haben ihre Vorgaben und alle Regionalparteien übernehmen diese. Mit den Vorgaben wäre ich einverstanden, aber ich habe ja noch viele andere Ideen, die ich in die Politik einbringen möchte.

Gibt es viele Jugendliche, die sich für Politik interessieren?

Nein, es gibt sehr wenige. Viele wissen gar nicht, was Politik bedeutet. Es ist natürlich ein komplexes Thema. Man kann nicht einfach die  ¾20 Minuten “ lesen und meinen, man wisse dann über die Politik Bescheid. Man muss sich damit befassen und sich gut darüber informieren.

Wer sich aber nicht für alle Bereiche der Politik interessiert, kann sich auch nur über einen bestimmten Themenbereich ein Wissen erarbeiten und damit politisieren.

Die Grossratswahlen vom 9. April 2006 versprechen spannend zu werden. Dafür sorgt im Wahlkreis Biel auch die junge Liste der Differenzierenden (Liste 14). Es kandidieren: Michael Vogel, Johannes Vogel, Saskia Beck, Gabriel Hopf, Laurin Ritter und Simon Maurer.

Wird es Michael Vogel in den Grossrat schaffen?

Zur Information: Der bernische Grosse Rat ist das Parlament des Kantons Bern, ist die gesetzgebende Staatsgewalt. Der Regierungsrat hingegen, der am 9. April ebenfalls neu gewählt wird, führt die Gesetze aus. 

Das Gründen einer eigenen Liste ist eigentlich ganz einfach. Michael Vogel erklärt: “Vor einem Jahr ging ich zur Staatskanzlei. Sie ist das Organ, das die Wahlen organisiert. Ich bekam ein Formular, das ich ausfüllen und anschliessend mit 30 Unterschriften bestätigen lassen musste. Kandidaten durften natürlich auch nicht fehlen. Bis am 23. Januar 2006 musste ich die Unterschriften einreichen. Danach ging es darum, die Leute auf unsere Liste aufmerksam zu machen.” Dazu liessen Michael und seine Kollegen 50000 Flyer drucken. Teilweise wurden sie mit dem Wahlmaterial mitgeschickt, teilweise verteilten die Kandidierenden sie direkt an die Leute. Auch die Medien berichteten über Michael und die Differenzierenden.

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Mit einem “Stängeli” zum Meisterpokal

Einen Start nach Mass legte der EHC Biel am Freitagabend hin: Nach sechs Minuten stand es bereits 2:0. Zwei Powerplay-Tore, das erste von Neuzugang Marko Tuomainen, das zweite von Torgarant Jesse Belanger versetzten das Publikum ein erstes Mal in Jubelstürme. Und die Bieler stürmten weiter entschlossen und mit viel Vorwärtsdrang auf das gegenerische Tor. Topskorer Patrice Lefebvre kämpfte vorbildlich, Captain René Furler setzte läuferische Akzente.

Sierre auf der anderen Seite sah blass aus, handelte sich eine Strafe nach der anderen ein und kam erst in der 16. Minute durch Topskorer Lee Jinman zur ersten wirklichen Chance. EHCB-Goalie Martin Zerzuben aber vereitelte sie. Ê“berhaupt stand “Zubi” an diesem Abend ausgezeichnet und hochkonzentriert zwischen seinen Pfosten und zeigte seinen zukünftigen Manschaftskollegen (Zubi wechselt auf nächste Saison zum HC Sierre) wen sie da haben werden.

Torrausch und spontane Standing Ovations

Als nach 14 Sekunden im zweiten Spielabschnitt erstmals ein Bieler, Matthias Joggi, auf die Strafbank musste und Sierre sichtlich entschlossener wirkte, schien es als könnte es nochmals spannend werden. Doch nur für wenige Augenblicke, bis Sierre die nächste Strafe kassierte und bis Tuomainen mit einem blitzschnellen “Buäbätrickli” das 3:0 erzielte.

Sierres Goalie Sébastien Kohler wirkte verunsichert, aber auch die Abwehr der Gäste war lückenhaft. Der nächste, der das ausnutzte, war Belanger: Sein Sololauf durch die Abwehrreihen endete im 4:0. Die Zuschauer waren hingerissen, schrien aus Leibeskräften, ballten die Fäuste, küssten und umarmten sich, und liessen sich spontan zu einer Standing Ovation hinreissen. “Steht auf, wenn ihr Bieler seid”, sangen die Stehplatzfans und alle erhoben sich. Das wirkte, denn erst überstand der EHC Biel schadlos heikle Sekunden in doppelter Unterzahl, dann fielen die nächsten Tore. Wieder sah Tuomainen rechts eine Lücke und erzielte blitzschnell sein drittes Tor in diesem Spiel. Das 6:0 markierte Eric Perrin, die Playoff-Verstärkung vom SCB. Spätestens jetzt war allen klar: Es konnte nichts mehr anbrennen. 

Der grosse Showdown

Doch der EHCB liess auch im letzten Drittel nicht locker, spielte Sierre regelrecht an die Wand und kam, während die Gäste immer wieder die Strafbank drückten, in einen wahren Torrausch. Jetzt reihte sich auch Matthias Joggi in die Skorerliste, gleich zweimal. Dazwischen traf Belanger. Als Joggi das 9:0 erzielte, machte im Eisstadion gerade die La-Ola-Welle die Runde. Als wenig später Mathieu Tschantré das “Stängeli” realisierte, war der Jubel grenzenlos. Dass es so dick kommen würde, hatte sich wohl niemand erträumt. Die Fans sangen pausenlos, die Spieler auf der Bank hielten es kaum mehr aus. Immer wieder ging ihr Blick rauf zur Matchuhr.  

Feucht fröhliche Meisterfeier

Dann endlich die Schlusssirene, die Spieler rannten aufs Eis, lagen sich in den Armen, vollführten fröhliche Freudentänze, bekamen Medaillen umgehängt und Captain Furler durfte schliesslich den Pokal, ausser sich vor Freude, in die Höhe stemmen. Er packte ihn, winkte seinen Mannschaftskollegen und lief rüber zur Stehplatztribüne, um ihn den treuen Fans zu präsentieren.

Der Jubel auf und neben dem Eis kannte keine Grenzen. Die Spieler duschten sich mit Bier, begossen ihren Trainer, stemmten wieder und wieder den Pokal und strahlten in die Kameras. Dann verliessen sie das Eis, dann kamen die Fans und die Meisterfeier ging noch bis spät in die Nacht. 

Am Donnerstag 6. April geht es schon wieder weiter für den EHC Biel und zwar gegen Freiburg-Gottéron, den letzten der NLA. Diese kommende Serie wird es zeigen, ob Biel in die höchste Schweizer Spielklasse aufsteigt.   

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“Am Schreibtisch eigene Welten entwickeln”

Tink.ch: Lukas Hartmann, haben Sie ein Lieblingswort?

Lukas Hartmann: Ja, sogar mehrere. Es sind vor allem Blumen- und Vogelnamen. Stiefmütterchen zum Beispiel, Glockenblume und Buntspecht. 

Welche Bedeutung haben Wörter für Sie?

Wörter sind Bausteine der Sprache. Das Vertrackte an ihnen ist, dass sie nicht alle gleich gross und gleich bedeutsam sind. Es braucht sehr viel Arbeit, aus ihnen ein brauchbares Gebäude zusammenzusetzen.

Und Sie als Schriftsteller sind sozusagen der Baumeister. Wann haben Sie Ihre Freude am Schreiben entdeckt?

Schon mit zwölf Jahren war es mein grösster Wunsch, Schriftsteller zu werden. Doch wagte ich lange nicht, das laut zu sagen. Schon damals spürte ich wie spannend es ist am Schreibtisch eigene Welten zu entwickeln, sie aus eigenen Erfahrungen und den Eingebungen der Fantasie zusammenzumischen und danach zu erleben, wie die Leserinnen und Leser darauf reagieren.

Welche Gefühle haben Sie, wenn Sie ein Buch schreiben?

Durchaus gemischte. Es kann auch zu Stockungen, zu Durststrecken kommen. Das ist unangenehm, aber unvermeidlich. Dafür sind dann die Durchbruchphasen, wenn es plötzlich weitergeht, umso schöner.

Kommt es vor, dass Sie eine Geschichte nicht zu Ende schreiben?

Klar. Ich glaube, sonst würde es mir an Selbstkritik mangeln. Ganze Manuskripte sind schon im Papierkorb gelandet.

Sie haben vorhin von der Fantasie gesprochen. Was bedeutet sie Ihnen?

Die Fantasie gehört zum Menschsein. Fantasien zu haben, in der Fantasie durch andere Länder zu schweifen, uns in andere Existenzen hineinzuversetzen, ist eine wunderbare Föhigkeit, die wir nicht verkümmern lassen dürfen. Die heutige Bilderflut führt leider dazu, dass Kinder oft gar keine eigenen inneren Bilder mehr erzeugen können. Ich sage ihnen beim Vorlesen jeweils: “Schaltet jetzt euer Kopfkino ein.” Meine Kinderbücher sind alle aufgrund freier Improvisationen entstanden. Ich griff jeweils Begriffe auf, die mir von Kindern zugespielt wurden, und erzählte gleichsam ins Blaue hinein. Dabei staunte ich immer wieder, dass die Geschichten wie von selbst eine Form annahmen. Hinterher bemerkte ich oft, dass ich – nur halb bewusst –  mit alten Märchenmotiven gespielt hatte.

Woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Bücher?

Die Ideen, die Stoffe suchen mich ebenso, wie ich sie suche. Anders gesagt: Ich stosse auf sie, wenn ich innerlich bereit dafür bin. Dann horche ich auf, wenn mir jemand etwas erzählt, es klingelt sozusagen in mir, wenn ich eine Zeitungsnotiz lese, oder ich bleibe bei einer bestimmten Kindheitserinnerung hängen – und weiss: Daraus könnte mein nächstes Buch entstehen.

Über welche Themen schreiben Sie am meisten?

Ich interessiere mich immer wieder für Figuren, die in schwierige, ja extreme Situationen hineingeraten. Ich versuche herauszufinden unter welchen Voraussetzungen sie ihre Menschlichkeit bewahren. Das ist überhaupt eine meiner Grundfragen: Was braucht es damit wir “liebesfähiger” werden? Dann bewegt mich auch unser Verhältnis zum “Fremden”, das wir gerne und oft vorschnell ablehnen oder als Projektionsfläche für alles Unangenehme und Düstere missbrauchen. Das eine hängt für mich mit dem anderen zusammen.

Was möchten Sie Ihren Lesern vermitteln?

Meine Bücher sollen hartnäckig existenzielle Fragen stellen, auf die die Leserinnen und Leser ihre eigenen Antworten suchen können.

Was ist für Sie ein packendes Buch?

Mich packen Bücher, die ich gerne von Satz zu Satz lese. So simpel und so schwierig ist das. Ich lese weiter, wenn das Buch mich in Schwingung bringt, wenn es Bilder in meinem Kopf erzeugt, wenn die Figuren zu leben beginnen, wenn ich Vertrautes aber auch Neues darin entdecke.

Gibt es denn ein Rezept, wie man gute Bücher schreibt?

Rezepte gibt es nicht, aber handwerkliche Regeln, die Schriftsteller beachten sollten. Eine wichtige ist meiner Meinung nach: Blase deine Sätze nicht auf. Sage das, was du sagen willst, so einfach, so bildhaft und so genau wie möglich.

Welches ist Ihr Lieblingsbuch?

Unglaublich beeindruckt hat mich die Lektüre des grossen Romans von Leo Tolstoi, “Krieg und Frieden”. Ich könnte auch “Madame Bovary” von Gustave Flaubert nennen oder “Der grüne Heinrich” von Gottfried Keller.

Und von Ihren eigenen Büchern, haben Sie da eines besonders lieb?  

Mir ist eigentlich immer das Buch am liebsten, das ich zuletzt geschrieben habe, wohl deshalb, weil es mir noch am nächsten steht.

Schreiben Sie zurzeit an einem Buch?

Ich schreibe eigentlich immer an einem. Gegenwärtig entsteht ein Roman für Erwachsene über den 5. März 1798. Das ist das dramatischste Datum der Schweizer Geschichte. Der Arbeitstitel lautet: “Die letzte Nacht der alten Zeit”.

Was machen Sie neben dem Schreiben sonst noch gerne?

Ich koche sehr gerne, erledige einen grossen Teil des Haushalts, gärtnere, wandere, spiele Geige und Klavier, zeichne manchmal und lese viel.

Wie sehen Ihre weiteren Pläne aus?

Wenn ich das wüsste. Ich lasse mich überraschen.

Lukas Hartmann gehört zu den bekanntesten Buchautoren der Schweiz. Geboren wurde er 1944 in Bern. Heute wohnt der 62-Jährige mit seiner Frau Simonetta Sommaruga am Hang des Berner Hausbergs Gurten.

Bis heute hat der Schriftsteller fünfzehn Bücher für Erwachsene und zwölf Bücher für Kinder verfasst.

Schon als Kind begleitete Lukas Hartmann die Märchenwelt, als er sich auf dem Weg zu seinem Grossvater im Wald fürchtete, plötzlich auf ein Hexenhaus zu stossen. Sein Grossvater hatte einen Bauernhof. Lukas liebte es, ihm zu helfen. Doch dann verkaufte der Grossvater den Hof. Für den kleinen Jungen war das ein schreckliches Ereignis. Von diesem Tag an waren Bücher seine Zuflucht. In ihnen entdeckte er abenteuerliche Welten. 

In der sechsten Klasse fing Lukas an heimlich eine Geschichte in sein Schulheft zu schreiben. Sie handelte von einem Schiffsuntergang und einem Passagier, der sich auf eine Insel rettete. Von Tag zu Tag wurde sein Wunsch, Schriftsteller zu werden, stärker. Doch eine Ausbildung für diesen Beruf gab es nicht. Man musste fähig sein von der harten Kritik zu lernen und sich viel Wichtiges selbst beizubringen.

Seine Eltern wollten aber, dass er erst etwas Solides lerne. So wurde Lukas Hartmann Lehrer. In den kommenden Jahren absolvierte er weitere Ausbildungen, studierte Psychologie, arbeitete während sieben Jahren beim Radio als Sendungsgestalter und Moderator, schrieb Hörspiele und Drehbücher fürs Fernsehen. Das Schreiben aber hat er in all den Jahren nie aufgegeben. Und dann, als er fast dreissig war, stiess Hartmann plötzlich auf einen Verlag, dem seine Bücher gefielen. Von diesem Moment an schrieb er abwechslungsweise Bücher für Erwachsene, und für Kinder. Zu seiner Verwunderung stellte er eines Tages fest, dass er nun vom Schreiben leben konnte. Seither lebt Lukas Hartmann als freier Schriftsteller und freut sich, dass er seinen Traum in Wirklichkeit umsetzen konnte, seinen Traum, dem er bis heute treu geblieben ist. Ein Leben ohne Bücher kann er sich zwar vorstellen, aber “es wäre ein ärmeres Leben”, wie er selber sagt.

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